Das jameda-Interview: 8 Fragen an Priv.-Doz. Dr. med. Boris Brand

Priv.-Doz. Dr. med. Boris Brand praktiziert als Internist in Hamburg. (© Brand)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Priv.-Doz. Dr. med. Boris Brand interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Internist.

jameda: Herr Priv.-Doz. Dr. med. Boris Brand, was hat Sie motiviert, Internist zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden? 

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Die Medizin hat mich von Kindesbeinen an sehr interessiert. Dieses Fach ist stets im Wandel und unterliegt spannenden Neuerungen. Daran teilzuhaben und seine Patienten davon profitieren zu lassen, war für mich ein großer Beweggrund. Bei vielen Beschwerden und Erkrankungen sind einige Patienten durch die zunehmende Überinformation durch verschiedene Medien stark verunsichert. Es ist eine wichtige und tolle Aufgabe, hier mit einem klaren Konzept Partner des Patienten zu sein.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht ihn so besonders?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Mein Fach ist derart facettenreich, dass kein Tag wie der andere ist. So kommt keine Langeweile auf und man sieht sich an einem Arbeitstag verschiedensten Symptomen und Erkrankungen gegenüber – ergänzt durch altersspezifische Veränderungen. Daher ist es sehr wichtig, jeden Patienten individuell zu betrachten.

Viele Patienten fühlen sich bei der koloproktologischen Thematik, die sich hauptsächlich mit dem Enddarm beschäftigt, unbehaglich. Eine große Herausforderung war und ist es, das Unbehagen bei den Patienten aufzubrechen und sie zu motivieren, sich auch bei vermeintlich "peinlichen" Themen zu öffnen. Ferner ist die tägliche Motivation für Vorsorgekoloskopien und das Abbauen von Vorbehalten ein immerwährendes Thema.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Ich habe persönlich in meiner Ausbildung und in meinem Berufsleben eine Vielzahl von herausragenden Forscher- und Arztpersönlichkeiten kennengelernt. Mit meinem ersten klinischen Lehrer, Erich Lichterbeck, ehemals leitender Oberarzt des AK Eilbek, bin ich seit Studententagen verbunden. Prof. Dr. Nib Soehendra verdanke ich buchstäblich alles, was ich meinen Patienten heute darüber hinaus an menschlicher Haltung, an medizinischer Weisheit und an endoskopischer Technik bieten kann. Er ist Direktor der Klinik für interdisziplinäre Endoskopie des UKE, in dessen Abteilung ich 8 Jahre endoskopisch und wissenschaftlich tätig war.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: In unserem "ambulanten Darmzentrum" sind wir sehr innovationsfreundlich. So nutzen wir auf der Homepage schon viele Jahre ein Online-Buchungssystem als Service für unsere Patienten. Aktuell haben wir die Online-Terminvergabe auch über das Buchungstool auf der jameda-Plattform weiter optimiert. Mittels selbst erstellter professioneller Informationsvideos informieren wir unsere Patienten auch über grundsätzliche medizinische Sachverhalte. Wir erwarten mit Spannung die vom Gesetzgeber vorbereiteten weiteren Schritte der Digitalisierung der Medizin.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Die Medizin wird unaufhaltsam digitaler werden. Ich erwarte eine "disruptive" Entwicklung, nichts wird also nachher sein, wie es vorher war. Das Diktat der Ökonomie, einschlägige Geschäftsinteressen und die Bequemlichkeit der Menschen beschleunigen diese Entwicklung. Das birgt große Chancen, aber auch große Risiken, falls wir Mediziner unserer Verantwortung nicht gerecht werden, diese Entwicklung aktiv zu begleiten und zu kontrollieren.

Die Entscheidung über medizinische Maßnahmen, die Verantwortung für die Gesundheit des Patienten und die eigenhändige Untersuchung und Behandlung des Patienten werden wir als Endoskopie-Spezialisten und Gastroenterologen auf Sicht ganz gewiss nicht in die Hände eines Computers legen wollen. 

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Das mögen die geneigten Leser an den vielen alten und stets aktuellen neuen Feedback-Einträgen meiner Patienten bei jameda bitte selbst ablesen.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Als erfahrener Arzt ist es meine Aufgabe, einen individuellen Zugang zu den Bedürfnissen und zur Erlebniswelt jedes individuellen Patienten zu erlangen. Als habilitierter Wissenschaftler sehe ich hier aber auch Risiken für die Etablierung eines gedeihlichen Behandlungspaktes zwischen Patient und Arzt. Insbesondere wenn die Erwartungen der Patient*inn*en durch unkritischen digitalen Medienkonsum bzw. Aufenthalt in einer extremen Meinungsblase den Kontakt zur Realität verlieren.

Falsche Annahmen über die Welt und unzulässige Vereinfachung (Platonisierung) der Denkmodelle auf Patientenseite und komplizierte – wenn nicht gar komplexe – medizinische Sachverhalte auf der anderen Seite vertragen sich nicht gut. Ärztliche Kunst ist im Wesentlichen bescheiden: Es ist ein Navigieren im prinzipiell unzureichend Bekannten. Ich denke, genau die Patienten schätzen mich am meisten, die mich unter diesen Bedingungen als ihren Lotsen anerkennen. Und – um jetzt Ihre Frage zu beantworten – diese reflektierte Wertschätzung beruht dann auf Gegenseitigkeit!

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Ich kann mich an unendlich viele persönliche Erlebnisse mit Patienten erinnern, aufgrund derer ich dankbar dafür bin, dass ich meine wunderbare Profession schon so viele Jahre ausüben darf. Auf eines können sich alle meine Patienten allerdings sicher verlassen, an deren Leben und Schicksal ich im Laufe der Jahre teilhaben durfte – das ist mein Stillschweigen.

jameda:  Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Priv.-Doz. Dr. med. Brand: Umwelt, Gene und Schicksal entscheiden darüber, ob Ihnen ein glückliches, gesundes und langes Leben beschieden ist. Die Umweltfaktoren können Sie selbst günstig beeinflussen, indem Sie auf gesunde Lebensweise (gesunde Ernährung, Bewegung, Normalgewicht & Suchtvermeidung) und einen gesunden Lebensstil (Richtige Ziele, Work/Life-Balance, kluger Umgang mit Stress, Risikovermeidung) achten.

Mit einer Vorsorge-Untersuchung senken Sie darüber hinaus gezielt Ihr Erkrankungsrisiko bzw. das Risiko eines ungünstigen Krankheitsverlaufes für viele sogenannte „Volkskrankheiten“, schwere chronische Erkrankungen und die vielen Sterblichkeitsrisiken. Dies gilt besonders für Herzinfarkt & Schlaganfall sowie viele Krebserkrankungen (Darm, Prostata, Haut und weitere, abhängig von Geschlecht / Alter / Familiengeschichte). Zusätzlich suchen wir nach Hinweisen für chronische Infektionen, prüfen Ihren Impfstatus und nutzen Ihre Angaben zur Krankengeschichte von Blutsverwandten zur Aufdeckung individueller genetischer, verhaltens- und umweltbedingter Gesundheitsrisiken.

Die Darmspiegelung zur Darmkrebsprävention gilt dabei als Goldstandard der Vorsorge, weil sie besonderes effektiv ist und eine echte Vorsorge und nicht nur eine Früherkennung darstellt.
Bei Interesse an weiteren Informationen zum Thema empfehle ich Ihnen meine kurzweiligen und informativen Artikel zu Vorsorgethemen, die die geneigten Leser auf jameda finden.

Zur Person

Darmkrebsvorsorge – Botschafter des Jahres 2020
Aufgrund meiner langjährigen Aktivitäten zur Förderung der Teilnahme und Verbesserung der Qualität der Darmkrebsvorsorge sowie meinem aktuellen gesellschaftlichen Engagement im Rahmen der Corona-Pandemie bin ich zum Botschafter des Jahres 2020 der Stiftung Lebensblicke ernannt worden.

In meiner Funktion als Funktionsoberarzt der Klinik für interdisziplinäre Endoskopie des UKE habe ich bereits im Jahr 2002 die Einführung der Vorsorgedarmspiegelung in die niedergelassene Medizin Hamburgs u. a. durch medizinische Fachvorträge begleitet. Außerdem war ich Gründungsmitglied der Steuerungsgruppe Hamburg-gegen-Darmkrebs der Hamburger Gesundheitsbehörde. Seit meiner Niederlassung im Jahr 2004 besitze ich selbstverständlich das Vorsorgezertifikat der KV-Hamburg.

Als Kursleiter und Trainer der OLYMPUS ENDOCLUB-Akademie am UKE bin ich seit Jahren in der Ausbildung von Ärzten und der Vermittlung spezieller endoskopischer Techniken tätig.

Vorsorgemedizin:
Im Namen der Stiftung Lebensblicke begleite ich seit vielen Jahren betriebliche Darmkrebsvorsorge-Kampagnen und halte Impulsvorträge zum Thema Vorsorgemedizin. Unsere Praxis ist seit Jahren aktiver Vorsorgepartner für Mitarbeiter der OTTO-Group.

Zur Praxis

Qualität

Qualifizierte Mitarbeiter*innen, modernste Ausstattung und konsequentes Qualitätsmanagement gewährleisten eine konstante und durch "jährlich aktualisierte externe Qualitätsberichte zur Darmkrebsvorsorge" belegte Prozess- und Ergebnisqualität.

Unsere Praxis gehört mit weit über 500 Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen und mehr als 3.000 kurativen Spiegelungen jährlich regelmäßig zu den TOP 10 % deutschlandweit im jährlichen Feedback-Bericht zur Früherkennungs-Koloskopie.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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