Artikel 21/03/2010

Fragen und Antworten zu Darmkrebs und der Darmkrebsvorsorge

Dr. med. Berndt Birkner Internist, Gastroenterologe
Dr. med. Berndt Birkner
Internist, Gastroenterologe
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Liebe jameda-User,
vielen Dank für Ihre vielen Fragen zu Darmkrebs und der Darmkrebsvorsorge. Wir freuen uns sehr über die rege Teilnahme an unserer Aktion ‘Experten befragen’. Nachfolgend finden Sie zusammengefasst alle Fragen, die bei uns eingingen, mit den jeweiligen Antworten unseres Spezialisten, Dr. Birkner.

Wie viel Zeit muss ich für eine Darmkrebs-Vorsorge einkalkulieren?
Insgesamt ca. 1 Tag. Den Nachmittag des Vortages der Untersuchung zur Vorbereitung, dann die Vorbereitung am Tag der Untersuchung und die Untersuchung selbst. Insgesamt ca. 8 Stunden inklusive Vorbereitung.

Ist eine Darmspiegelung schmerzhaft?
Unter sog. Analgo-Sedierung (durch Anästhesisten) nicht. Unter Analgo-Sedierung versteht man eine Kombinationsmedikation eines Hypnotikums (Propofol) und eines Schmerzmittels (Rapiphen). Beide Medikamente müssen aus Sicherheitsgründen von einem Arzt verabreicht werden.

Ich bin 33 Jahre alt, meine Kasse übernimmt daher die Kosten einer Darmkrebsvorsorge nicht. Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
Für eine Darmspiegelung inkl. Vorbereitung und Blutabnahme, exklusive Analgosedierung ca. 330 €.

Woran kann ich möglicherweise selbst Darmkrebs erkennen?
Gar nicht. In der Regel ist eine Blutung ein Spätzeichen, ein Darmverschluss ist immer ein Spätzeichen.

Ich habe häufig Magen/Darm-Probleme und vermute eigentlich, dass es am Stress liegt. Muss ich mir Sorgen machen, dass es möglicherweise Darmkrebs ist? Ab wann ist ein Arztbesuch notwendig?
Bei konstanten Beschwerden mit Gewichtsabnahme, Blut im Stuhl, Erbrechen und Appetitlosigkeit = sog. Alarmsymptome immer zum Arzt zur Beratung gehen.

Ich bin rel. übergewichtig. Ich habe einmal gehört, dass dann das Darmkrebs-Risiko erhöht ist. Stimmt das?
Bei stark Übergewichtigen scheint ein erhöhtes Risiko zu bestehen.

Gibt es Möglichkeiten, Darmkrebs bestmöglich zu vermeiden? (Z. B. durch spezielle Ernährung)
Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse, jedoch scheint vermehrter Verzehr von rotem Fleisch die Entstehung zu begünstigen.

Kann die Darmkrebsvorsorge auch mein Hausarzt übernehmen? (Wohne am Land und müsste rel. weit zu einem Facharzt fahren.)
Die Darmkrebsvorsorge mittels eines Stuhltestes ja, die Darmspiegelung: Nein. Der Goldstandard der Darmkrebsvorsorge ist die Darmspiegelung, alle anderen Maßnahmen sind zur Zeit noch bzgl. ihrer Wertigkeit nachrangig.

Bei mir wurde „Reizdarm“ festgestellt. Bin ich jetzt stärker gefährdet, Darmkrebs zu bekommen?
Nein.

Ab welchem Alter empfehlen Sie eine Darmkrebsvorsorge? (Das Alter, ab dem die Kasse zahlt ist ja nicht immer aussagekräftig…)
International ist 50 Jahre das Alter ab dem eine Vorsorge empfohlen wird, vorausgesetzt es besteht kein erhöhtes Risiko, wie z. B. bei Vorkommen von Darmkrebs in der Familie.

Stimmt es, dass ich aufgrund meiner Laktoseintoleranz ein höheres Risiko habe, an Darmkrebs zu erkranken?
Nein.

Ist Blut im Stuhl ein Hinweis auf Darmkrebs? Oder könnten auch andere, harmlosere Krankheiten die Ursache sein?
Blut ist nur Zeichen eines Blutaustrittes im Darm; somit kein sicheres Zeichen für Darmkrebs. Jedes Auftreten von Blut im Stuhl, am Stuhl und mit dem Stuhl muss jedoch geklärt werden.

Meine Großmutter hatte Darmkrebs, dieser konnte operativ entfernt werden. Meine Eltern haben beide keinen Darmkrebs. Wie hoch ist mein familiäres Risiko wirklich? Sollte ich (34) zur Vorsorge gehen?
Ihr Darmkrebsrisiko ist ca. 1,5-fach erhöht. mit 34 Jahren besteht aus statistischen Gründen noch keine Veranlassung zur Darmkrebsvorsorge (Leitlinienempfehlung) zu gehen.

Wie wird Darmkrebs behandelt?
Primär durch eine Operation. Die Operation entfernt den Tumor vollständig. In Abhängigkeit vom Stadium (UICC III) kann eine sog. adjuvante Chemotherapie empfohlen werden. Für den Mastdarmkrebs gelten andere Empfehlungen, z. B. präoperative Bestrahlung und Chemotherapie.

Stimmt es, dass man vor einer Darmspiegelung 6 l abführende Flüssigkeit zu sich nehmen muss? Wenn ja, was trinkt man da und wie schmeckt das?
Zur Vorbereitung trinkt man eine Lösung zum Spülen, die 2 l umfasst (z. B. ‘Moviprep’). Da dies zu einem Flüssigkeitsverlust führt und die Spülung soweit erfolgreich sein muss, dass die Spülflüssigkeit klar aus dem After austritt benötigt man noch zusätzlich 1 – 2 l freier Flüssigkeit, z. B. stilles Wasser. Die Verträglichkeit des Geschmacks ist individuell sehr unterschiedlich (Geschmackssache!).

Wie lange vor einer Darmspiegelung darf ich nichts mehr essen? Darf ich vorher auch nicht rauchen?
Für eine Narkosevorbereitung dürfen Sie nicht rauchen. Am Tag der Untersuchung sind Sie nüchtern (außer der Vorbereitungslösung).

Ich habe häufig Durchfall – kann das Darmkrebs begünstigen?
Nein

Ist die nötige Darmentleerung vor einer Darmspiegelung schmerzhaft? Muss ich die Tage vorher Urlaub nehmen?
Nein, gegebenenfalls unangenehm, wenn man die Menge nicht gewohnt ist. Für den Tag der Untersuchung sollten Sie sich frei nehmen.

Sind regelmäßige Darmspülungen hilfreich zur Vorbeugung von Darmkrebs?
Nein

Ich würde gerne eine Darmspiegelung einfach als Vorsorge machen lassen, habe aber große Angst vor Schmerzen bei diesem Eingriff. Ist es auch möglich, eine Vollnarkose zu bekommen? Wenn ja, was kostet der Eingriff dann?
Man unterscheidet 4 Grade der Sedierung. Das tiefste Stadium der Sedierung ist die Vollnarkose mit dem vollständigen Erlöschen aller natürlichen Reflexe. Die Analgo-Sedierung erreicht eine sog tiefe Sedierung (Stufe III), die in der Regel völlig ausreicht um Schmerzfreiheit zu erzielen.

Kann ich nach einer Darmspiegelung danach wieder gleich normal essen? Bzw. wie lange nach dem Eingriff kann ich mich wieder wie immer ernähren?
Wenn keine Maßnahmen z. B. Entfernung eines großen Polypen notwendig waren, kann man unmittelbar danach normal essen.

Stimmt es, dass mein Darm bei einer Darmspiegelung ‘aufgeblasen’ wird?
Um alle Abschnitte des Darm einsehen zu können, bedarf es einer Luftinsufflation (es wird Luft über das Endoskop gegeben), das kann zum Gefühl des Aufgeblasen seins führen. Man versucht aber beim Zurückziehen des Gerätes so viel wie möglich wieder abzusaugen.

Ist eine Darmspiegelung eine reine Maßnahme zum „Check“ oder können dabei evtl. kleine nötige Eingriffe durchgeführt werden (z. B. Entfernen von wenigen kleinen Polypen)? 
Der Vorteil der endoskopischen Darmspiegelung ist, dass man Gewebeproben entnehmen kann und Gewebeteile, z. B. Polypen, entfernen kann.

Bei mir gab es schon mehrere Krebsfälle (Brustkrebs und Hautkrebs) in der Familie. Ist mein familiäres Risiko damit auch erhöht, an Darmkrebs zu erkranken?
Diese Frage kann man nur an Hand einer humangenetischen Beratung bei einem Facharzt für Humangenetik klären lassen.

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