Binge-Eating-Störung: Ursachen und Symptome

Oft wird die Binge-Eating-Störung durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst (© pixabay.com)

Die Binge-Eating-Störung zählt in Deutschland zu den “nicht näher bezeichneten Essstörungen”. In den USA gilt die Störung, dort als Binge Eating Disorder (BED) bekannt, seit 1994 als eigenständiges Krankheitsbild. Mit “binge” ist umgangssprachlich eine Fressorgie gemeint. Betroffene essen während einer unkontrollierbaren Essattacke unverhältnismäßig große Mengen. Die Störung wird daher auch als Esssucht oder Fresssucht bezeichnet.

Bislang liegen wenige Studien zur Häufigkeit der Binge-Eating-Störung vor. In Deutschland sind geschätzt 0,1 bis 1,5 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die Essstörung tritt meist im Alter zwischen 20 und 30 oder zwischen 45 und 50 Jahren auf. Rund zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen.

Ursachen und Merkmale der Binge-Eating-Störung

Die Ursachen der Binge-Eating-Störung sind vielfältig. Betroffene berichten oftmals von Missbrauchserfahrungen sowie dem Verlust wichtiger Bezugspersonen. Leistungsdruck, übermäßige Verantwortung und Mobbing können weitere Auslöser sein. Übergewicht in der Kindheit gilt als Risikofaktor. Betroffenen fehlt häufig ein normal entwickeltes Hunger- und Sättigungsgefühl, zum Beispiel aufgrund der elterlichen Erziehung.

Menschen mit Binge-Eating-Störung verhalten sich oft impulsiv. Sie haben ein niedriges Selbstwertgefühl und können mit ihren Emotionen nicht angemessen umgehen. Während eines Fressanfalls konsumieren sie große Mengen an kalorienreichen Lebensmitteln und nehmen ihre Umwelt kaum oder gar nicht mehr wahr. Sie unterdrücken durch das Essen ihre Emotionen und Gedanken. Die Binge-Eating-Störung tritt häufig parallel zu einer Depression auf oder begünstigt die Entwicklung dieser psychischen Störung.

Gesundheitliche Folgen der Fresssucht

Nach einer Heißhungerattacke empfinden Betroffene meist Ekel, Schuld und Schamgefühle. Im Gegensatz zu Menschen mit Bulimie treffen sie keine Gegenmaßnahmen. Die Folgen des exzessiven Essens sind Übergewicht oder Adipositas. Sie begünstigen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Weitere Folgen sind ein erhöhter Cholesterinspiegel, chronische Müdigkeit, Erkrankungen des Skeletts und Bewegungsapparates und Atemprobleme.

Die Binge-Eating-Störung hat neben den gesundheitlichen auch finanzielle und soziale Folgen. Die konsumierten Nahrungsmengen kosten viel Geld. Manch ein Betroffener kommt in finanzielle Schwierigkeiten und beginnt, Lebensmittel zu klauen. Des Weiteren ziehen sich die Betroffenen aus ihrem sozialen Umfeld zurück und drohen zu vereinsamen.

Behandlung der Binge-Eating-Störung

Psychotherapeutische Methoden wie die kognitive Verhaltenstherapie oder interpersonelle Therapieverfahren erzielen gute Erfolge bei der Behandlung der Binge-Eating-Störung. In der Therapie erlernen Betroffene ein gesundes Essverhalten und entwickeln ein positives Selbstbild. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Umgang mit Stress. Empfehlenswert sind zusätzlich eine Ernährungsberatung und eine Bewegungstherapie.

Viele Menschen mit Binge-Eating-Störung trauen sich aufgrund ihres Übergewichts und ihrer Scham nicht zum Arzt oder Therapeuten. Ein weiteres Hindernis bei der Behandlung sind die Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Als Alternative und zur Überbrückung schafft die begleitete Online-Selbsthilfe von Selfapy Abhilfe.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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