Hilfe, mein Kind hat Bulimie!

Claudia Galler

von
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© kevinruss_iStock© kevinruss_iStockEssstörungen wie Bulimie entwickeln sich oft in der Pubertät und können bis ins Erwachsenenalter andauern. Woher die Ess-Brechsucht kommt und wie Eltern ihre Kinder bei einer Therapie unterstützen können, erklärt dieser jameda Gesundheitstipp. 

Bulimie: Ess-Brech-Attacken im Verborgenen
Bulimie („nervlich bedingter Stierhunger“) beschreibt eine Essstörung, bei der Betroffene große Mengen an Nahrungsmitteln verschlingen, ohne Hunger zu haben. Meist erbrechen Erkrankte die Mahlzeiten wieder, auch Abführmittel, übermäßiger Sport und anschließende Nulldiäten werden genutzt, um eine Gewichtszunahme zu verhindern. Diese Essattacken treten mehrmals die Woche, teilweise mehrmals täglich auf. Bulimie kann sich in jedem Alter entwickeln, oft erkranken Mädchen zwischen 16 und 19 Jahren. Die Sucht spielt sich im Verborgenen ab, es dauert oft lang, bis Eltern die Erkrankung ihrer Kinder bemerken.

Ursachen: Unsicherheit in der Pubertät, Schlankheitswahn, Perfektionismus
Essstörungen sind psychische Erkrankungen. Sie können durch eine genetische Veranlagung begünstigt werden, aber auch durch besondere Persönlichkeitsmerkmale, gesellschaftliche Einflüsse und das soziale wie familiäre Umfeld. Gerade in der Pubertät sind viele Jugendliche verunsichert und auf der Suche nach der eigenen Identität. Ist ihr Selbstwertgefühl noch wenig ausgeprägt, lassen sie sich leicht durch die Meinung anderer beeinflussen, die Überbewertung des Äußeren in der Gesellschaft setzt die Jugendlichen häufig unter Druck. Auch der Hang zum Perfektionismus begünstigt eine Essstörung. Obwohl es jede Familie treffen kann, ist es oft eine behütete und gleichzeitig leistungsorientierte und konfliktscheue Atmosphäre innerhalb der Familie, die eine Bulimie fördern kann.

Folgen: Die Magensäure schädigt Speiseröhre und Zähne
Dauert eine Bulimie über Jahre an, dehnt sich die Magenwand, im Extremfall kann sie bei Überdehnung reißen. Das ständige Erbrechen schädigt durch die Magensäure Speiseröhre und Zähne, Flüssigkeits- und Elektrolytmangel können auftreten. Auch das seelische Gleichgewicht leidet: Einerseits verwenden die Jugendlichen die Sucht um sich abzugrenzen, andererseits fühlen sie sich machtlos, aus Scham bitten sie nicht um Hilfe.

Wie können Eltern ihre Kinder unterstützen?
Alle Beteiligten brauchen Mut und Kraft, eine Bulimie anzusprechen, sie behandeln zu lassen und im Alltag damit geeignet umzugehen:

  • Obwohl es viel Überwindung kostet, sollten Eltern ihr Kind offen auf die Essstörung ansprechen. Statt Vorwürfe zu machen, sollte man von den Ängsten und Sorgen erzählen, die man sich um das Kind macht.
  • Als psychische Verhaltensstörung bedarf Bulimie einer psychotherapeutischen Behandlung. Eltern können diesen Part nicht leisten, sondern sollten Ärzte/Psychotherapeuten um Hilfe bitten.
  • Zur Therapie gehört die Akzeptanz der Erkrankung. Nur so hört das belastende Doppelleben auf, nur so können Betroffene wirksam gegen die Essstörung vorgehen.
  • Unterstützung und Vertrauen sind wichtig: Auch wenn sich die Behandlung über viele Monate hinziehen und es zu Rückfällen und aufgeladenen Situationen in der Familie kommen kann, sollten Eltern die Behandlung stets unterstützen und ihrem Kind vertrauen.
  • Kinder lernen von Vorbildern: Je vernünftiger Eltern selbst mit brisanten Themen wie Ernährung, Bewegung, Körpergefühl und äußerem Erscheinungsbild umgehen, desto leichter fällt es Kindern, diese Haltung zu übernehmen.

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