Adipositas: Neues vom 12. Münchner Lymph-Symposium

Gewichtsreduktion bei Adipositas: Daher ist Abnehmen so schwierig. (© vladimirfloyd - fotolia)

Am 9. Juli 2022 fand in München das 12. Münchner Lymph-Symposium statt. Drei medizinische Bereiche wurden im Wesentlichen abgedeckt: Lymphödem, Lipödem und Adipositas. Alle drei Krankheitsbilder können zu erheblichen, bis hin zu monströsen Veränderungen des menschlichen Körpers führen.

Adipositas als chronische Erkrankung

Patienten mit Lymphödem und Lipödem kommen zu mir als Phlebologen. Bezüglich der Adipositas hielt ein deutscher Professor, der die letzten 20 Jahre an der University of Alberta, Kanada, geforscht hat, einen sehr interessanten Vortrag.

Der Inhalt war, dass die Adipositas eine chronische Erkrankung darstellt, die, wenn sie denn einmal eingetreten ist, kaum zu behandeln sei. Wie bei einer Sucht stellt der Körper alle seine Fähigkeiten unter Beweis, wenn es um das Abnehmen und im Weiteren um das Halten des Gewichtes geht.

Egal, von welchem Ausgangsgewicht wir starten, eine Diät ist immer ein Alarmsignal für den Körper. Der Kopf arbeitet in beide Richtungen. Verstandesmäßig möchten wir unser Körpergewicht verändern, die Psyche/die Emotion hat daran jedoch überhaupt kein Interesse.

Aus diesem Grund ist Abnehmen so schwierig

Ist Abnehmen eine reine Kopfsache? Im Prinzip muss diese Frage mit „Ja“ beantwortet werden. Es stellt sich aber viel komplizierter dar. Ähnlich wie bei einer Wohnraumtemperatur: der Körper stellt sich mit allen seinen Möglichkeiten auf diese Situation ein. Hat er mehr Körpergewicht, ist das für ihn nicht weiter dramatisch. Nur der Mensch spürt natürlich die Auswirkungen: schlechtere Belastbarkeit, Atemnot beim Treppensteigen, deutlich bis erheblich eingeschränkte Beweglichkeit, Begleiterkrankungen.

Diäten sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei jedem Gramm, welches er verliert, möchte er gegensteuern. Die Abläufe werden optimiert, somit verbraucht er geschickter Weise immer weniger Kalorien. Hartnäckigkeit wird verlangt. Der Experte vermittelte leider die traurige Feststellung, dass es keine wirklich optimale Diät gibt. 19 von 20 Diätpatienten nehmen zwar ab, aber nur einer hält sein Gewicht oder kann es sogar noch mehr absenken.

Ein kompliziertes Zusammenspiel zwischen Hormonen, Steuermechanismen, Psyche, Hirn und Fettzellen relativieren bei den allermeisten Probanden deren Diäterfolge. Das Körpergewicht steigt wieder. Auch die Menge der Reduktion ist nicht überzeugend.

Können Chirurgische Maßnahmen helfen?

Chirurgische Maßnahmen können den wirklich stark Übergewichtigen weiterhelfen. Eine Reduktion größer als 25 bis 30 Prozent gelingt jedoch nicht. Diese Größenordnung lässt sich mit den herkömmlichen Diäten nicht erreichen. In Aussicht wurden Medikamente gestellt, die bald auf den Markt kommen sollen. Deren Wirkung ist eine definitive Beeinträchtigung des Hunger- oder Appetitgefühls. Diese Tabletten müssten dann nur ein Leben lang eingenommen werden.

Fazit

Die Zuhörer dieses Vortrages waren uneins, ob hier eine medikamentöse Lebenstherapie nicht auch Begleitwirkungen hat. Wir wollen die Krankheit Adipositas nicht verwalten, sondern behandeln. Von Prophylaxe war nicht die Rede.

Allen Zuhörern war klar, die Industrie wird auf jeden Fall profitieren. Wenn es gelingt, die Betroffenen zu einem Bewusstsein zu verhelfen, dass ihnen jemand zur Seite steht und das bestimmte Nahrungsmittel und Ergänzungen auch ein dauerhaftes Abnehmen ermöglichen, könnten wir auf die ein oder andere chemische Keule verzichten, was auch langfristig gesünder wäre.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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