Laktoseintoleranz - bei Bauchweh und Durchfall an Milchzuckerunverträglichkeit denken

Dr. Tappe

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© anshuca - Fotolia.com© anshuca - Fotolia.comEine der häufigsten Ursachen einer Nahrungsmittelunverträglichkeit ist die Milchzuckerintoleranz. Weltweit sind über 75% der Menschen betroffen. Ursache ist ein fehlendes Enzym die Laktase, welches zur Säuglingszeit noch vorhanden, dann im Verlauf des Lebens verloren geht. Fehlt das Enzym wandert der Milchzucker (Laktase) in den Dickdarm und wird hier durch vorhandene Darmbakterien vergoren. Dieses führt zu Blähungen, Durchfall und nicht selten auch zu Bauchkrämpfen.

Während in Nord- und Mitteleuropa zwischen 80 und nahezu 100 Prozent der Menschen Milchprodukte vertragen, muss schon in den Mittelmeeranrainerstaaten jeder Zweite auf Milch verzichten. Bei Asiaten ist ein Milchkonsum in größeren Mengen kaum möglich.

Vor einigen Jahren konnte geklärt werden, dass die diese angeborene Milchzuckerunverträglichkeit vor ca. 10.000 Jahren die gesamte Menschheit betroffen haben muss. Durch die Evolution konnte sich in Europa eine Genveränderung durchsetzen, welche einen Milchverzehr als Überlebensvorteil zuließ. Heutzutage lässt durch eine Gentestung nachweisen ob auf dem Chromosom 2q21 eine entsprechende Mutation vorliegt. Damit lässt sich eine angeborene Milchzuckerunverträglichkeit von einer erworbenen abgrenzen.
Erworbene Milchzuckerunverträglichkeiten liegen z.B. nach Infektion vor und können bis zu einem halben Jahr bestehen bleiben. Ferner sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen z.B. der Morbus Crohn oder die Zöliakie (Weizenunverträglichkeit) häufig mit einer erworbenen Milchzuckerunverträglichkeit verbunden. Die Laktaseaktivität reduziert sich aber auch durch ein zunehmendes Alter, so dass hier ein weiterer Grund einer verminderten Milchverträglichkeit zu finden ist.

Wenn nicht im Gentest bereits bewiesen kann die Milchzuckerunverträglichkeit durch einen Atemtest oder Funktionstest bestimmt werden, wobei im nüchternen Zustand 50-100 g Milchzucker zu sich genommen wird. Neben den Testergebnissen sind bei diesen Mengen Beschwerden nach 1-2 Stunden zu erwarten.

Therapie
Eine Therapie im herkömmlichen Sinne gibt es bei einer Milchzuckerunverträglichkeit nicht. Durch eine entsprechende Diät können die Symptome der Intoleranz jedoch gut in Schach halten werden. So hat z. B. die asiatische Küche Milchprodukte vollständig eliminiert und auch die mediterreanen Gerichte verzichten häufig auf Milch. In Deutschland ist dieses jedoch nicht so einfach. Daher gibt es seit einigen Jahren auf vielen Lebensmitteln den Hinweis der Laktosefreiheit. In einigen Fällen kann auch eine Einnahme von Laktase zu den Mahlzeiten hilfreich sein, wobei es hier mittlerweise einige Herstellerangebote gibt.

Wichtig ist, dass Beschwerden mit der Menge der Zuführung von Milchzucker korrelieren. Kleine Mengen an Milchzucker werden in aller Regel ohne größeren Beschwerden vertragen. Grob schätzt man hier die Menge Milchzucker, welche in einem Glas Milch vorhanden ist.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


15.12.2013 - 23:01 Uhr

Sehr geehrter Herr Doctor, ich kann Ihr Kommentar...

von iggi

... nicht sehen. Da steht nur Ihr Name und Ihr Foto. War das negativ ala "ohne Worte?" ^^

27.06.2010 - 22:16 Uhr

Den Satz mit der "entsprechenden Diät" würde ich...

von iggi

... umwandeln in "gesunde Ernährung auch ohne LI möglich". Oder so. Gerade für Essgestörte Patienten scheint mir das Wort "Diät" mit einer LI freien Kost als unpassend. Auch gibt das Wort "Diät" meist einen faden Beigeschmack und somit haben zu viele Menschen eher Frust diese spezielle Ernährung auszuprobieren. Finde ich als Essgestörte LI-Patientin jedenfalls so. Kleine Ergänzung wäre vielleicht noch; Das in vielerei herkömmlichen Tabletten Lactose vorhanden ist, was leider viele Menschen noch niciht wissen. Da hilft dann auch die LI freie Ernährung auch nicht immer, wenn man das außer acht lässt. Öhm, als Nichtärztin finde ich es toll, hier Comms abgeben zu dürfen^^

Dr. Tappe

Antwort vom Autor am 15.10.2013
Dr. med. Ulrich Tappe

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