Diese Lebensmittel enthalten besonders viel Purin

Um Ihren Purin-Haushalt zu verbessern, kommt es auf die richtige Ernährung an. (© Igor Mojzes - fotolia)

Purine sind übliche Stoffe in unserer Ernährung. Sie werden im Körper zu Harnsäure abgebaut. Auf diese Weise stellt unser Körper durchschnittlich etwa 350 mg Harnstoff pro Tag her. Eine etwa gleichgroße Menge nimmt man täglich mit der Nahrung auf. Überschüssige Harnsäure scheidet der Körper üblicherweise mit dem Urin aus.

Der Umrechnungsfaktor Purin/Harnsäure beträgt ca. 1:3, d.h. aus 100 mg Purin in einem Lebensmittel werden ca. 300mg Harnsäure gebildet.

Gicht entwickelt sich durch erhöhte Harnsäurespiegel

Im Normalfall halten sich die körpereigene Produktion und die Aufnahme von Harnsäure mit der Nahrung einerseits sowie die Ausscheidung mit dem Urin andererseits die Waage. Bei vielen Menschen (häufiger bei Männern) wird jedoch zu wenig Harnsäure ausgeschieden, so dass der Harnsäurespiegel im Blut ansteigt. Die Veranlagung zu einer unzureichenden Harnsäure-Ausscheidung ist häufig erblich bedingt.

Als Folge des erhöhten Harnsäurespiegels kann sich eine Gicht entwickeln. Überschüssige Harnsäure lagert sich bei dieser Erkrankung im Gewebe ab; betroffen sind vor allem die Finger- und Zehengelenke und die Niere. In den Gelenken verursachen die Harnsäure-Kristalle nicht nur starke Schmerzen (akuter Gichtanfall!), sondern auf lange Sicht auch Verformungen und Funktionsstörungen. An der Niere führt die Harnsäureablagerung zu Entzündungen und zur Bildung von Nierensteinen.

Purine kommen gehäuft in tierischen Lebensmitteln vor.

Bei der Gichtdiät wird daher auf Fleisch und Fleischprodukte weitgehend verzichtet und dafür mehr Gemüse, Eier und Milchprodukte gegessen (sog. Ovolaktovegetabile Mischkost)

Diese Lebensmittel enthalten besonders viel ...

Backwaren

Sojabrot, Vollkornbrot

Obst und Gemüse

Quitte, getrocknete Pilze, Sojaprodukte (texturiert), Kichererbsen, Linsen, weiße Bohnenkerne ***

Gewürze

Petersilie, Schnittlauch, Bleichsellerie, Suppengrün  (alle getrocknet) *

Nährmittel

Roggen- und Weizenkeime, Sojamehl

Fleisch und Fisch

Kalbsbries, Leber, Nieren, Anchovis, Jakobsmuscheln, Matjes, Renke, Schaf- und Rinderhaxe, Rinderfilet, Leberwurst und ?Pastete, Geflügelinnereien, Heringsfilet, Bückling mit Haut, Ölsardinen **

Getränke

Hefeweizen (Weißbier), Bier allgemein und mit Fructose (Fruchtzucker) gesüßte Getränke****

Sonstiges

Bierhefe, Bäckerhefe, Fleischextrakt

* Getrocknete Würzkräuter haben zwar einen hohen Puringehalt, werden aber nur grammweise verwendet.

** Bei Fisch und Geflügel ist besonders die Haut sehr purinreich.

*** getrocknete Hülsenfrüchte haben zwar einen relativ hohen Puringehalt, durch ihr Quellvermögen beim Kochen relativiert sich jedoch im Allgemeinen die Purinaufnahme, da man schon sehr viel zubereitete Hülsenfrüchte essen müsste, um den Harnsäurespiegel deutlich zu erhöhen.

**** Fructose erhöht stark die körpereigene Purin-Produktion.

Diese Lebensmittel enthalten besonders wenig ...

Lebensmittel mit mittlerem Puringehalt (20-50mg Purin pro 100g):

Backwaren

Vollkornbrötchen, Weißbrot, Knäckebrot, Laugengebäck, Butterkeks, Lebkuchen,

Obst und Gemüse

Pflaumen, Feigen, Pilze (Konserven),  Champignons, Spinat, Rosenkohl, Brokkoli, Grüne Erbsen

Milchprodukte

Scheiblettenkäse,  Schmelzkäse

Nährmittel

Weizenflocken, Haferflocken,  Corn Flakes, Teigwaren, Mandeln, Erdnüsse

Fleisch und Fisch

Rinderbrust, Corned Beef, Kaninchen, Rehrücken, Putenbrust, gekochter Schinken, Brathähnchenfleisch ohne Haut, Schweinefleisch (frisch), Wiener Würstchen, Flußkrebs Konserve, Languste, Miesmuscheln (frisch), Kabeljau, Seehecht, Forelle

Sonstiges

Kartoffelchips, Schokoladenkekse

 

Purinfreie bzw. purinarme Lebensmittel und Lebensmittel, die Purin in einer Form enthalten, die nicht zu Harnsäure abgebaut wird:

 

Backwaren

Brötchen, Brot, Maisfladenbrot, Mehl, Reis, Polenta, Reisnudeln, Sandkuchen, Waffeln,

Obst und Gemüse

Kartoffeln (gekocht, als Püree oder Klöße), Äpfel, Beeren, Beerenkonfitüren, Avocado, Fenchel, Zwiebeln, Gurke, Paprika, Tomate, Kürbis, Bambussprossen,  Bohnenkonserven, grüne Bohnen (gegart), Tofu, Pommes frites, Pilzkonserven, Gurke, Zucchini, Spargel, Feldsalat, Blumenkohl, Radieschen, Rettich, Salate

Milchprodukte

Buttermilch, Milch, Joghurt, Quark, Edamer, Limburger,

Getränke

Mineralwasser, Apfelsaftschorle, Cola Mix, Kaffee, Schwarzer Tee, Kakao, Weißwein, Sekt, Wermut, Portwein, Weinbrand, Campari-Soda, Pils

Fette

Olivenöl, Sonnenblumenöl, Margarine, Kokosfett, Butter, Essig

Süßwaren

Eiscreme, Schokolade

Sonstiges

Eier, Senf, Ketchup, Tomatenmark

Trinken Sie reichlich alkoholfreie Getränke, mindestens 2 Liter am Tag, da die Flüssigkeitszufuhr die Ausscheidung von Harnsäure anregt. Alkohol führt zu vermehrter Harnsäurebildung; verzichten Sie daher weitgehend auf alkoholische Getränke. Kaffee, Tee und Kakao dürfen Sie trotz Ihres Puringehalts trinken, da diese Purine nicht zu Harnsäure verstoffwechselt werden.


Literaturquellen


© Copyright 2018. Redaktionsteam Dr. Martens.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (7)

Engelbert F., 20.08.2021 - 13:34 Uhr

Beim Fleisch habe ich nirgends das Ziegenfleisch gefunden; ich betrachte die Ziege als gesundes Fleisch, das die Gicht nicht fördert. Beim Campari bin ich mir nicht sicher; ich konsumiere Campari nur als Mischung: 1/5 Campari und 4/5 Mineralwasser. Obst und Gemüse sind o.K:

Ursula E., 30.07.2021 - 14:06 Uhr

Sollte ein Gichtpatient nun besser Roggenflocken statt Haferflocken essen? Oft habe ich schon gelesen, dass Haferflocken sehr purinreich sind und man sie meiden soll.

Margot S., 08.06.2021 - 17:00 Uhr

Man wird noch kirre! Hier werden Spargel, Pilzkonserven, Feldsalat als quasi purinfrei eingestuft. In anderen Tabellen werden genau diese Lebensmittel als purinreich klasifiziert! Rotwein enthält keine Purine, dieser wird hier gar nicht erwähnt! Mineralswasser mit Kohlensäure übersäuert den Organismus, hier ist das Jacke wie Hose! Das ist alles verwirrend!

Sigipapa, 13.05.2021 - 09:55 Uhr

Sehr interessanter Artikel, aber auch sehr konträr zu anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen, was beim Leser zu Verunsicherungen führt. Mir würde es helfen, wenn der Verfasser sich mit anderen Ernährungswissenschaftlern kurzschließt, um eine für den Verbraucher von Experten einheitlich befürwortete Empfehlung zu erstellen .

Egbert V., 22.04.2021 - 15:28 Uhr

Hallo! Habe heute danach getrachtet, den Harnsäuregehalt von 400 ml Tomatenmark zu ermitteln, um den Harnsäuregehalt von mehreren Portionen Tomatensoße zu ermitteln, die teils gegessen, teils eingefroren wurde. Da komme ich auf diese Seite und lese, dass Tomatenmark zwar Purine enthalten aber diese nicht zu Harnsäure abgebaut werden. Wenn das wirklich so ist, weshalb werden diese Purine nicht abgebaut? Ebenso Wein, Sekt, Weinbrand, was ist das?

Irmi S., 16.03.2021 - 18:52 Uhr

Der Artikel war für mich sehr hilfreich. Vielen lieben Dank!

Corinna M., 08.03.2019 - 06:26 Uhr

Hallo, die Literaturangaben bei diesem Artikel erschließen sich mir nicht. Sie handeln von Vitaminen und Nahrungsergänzung, was im Artikel an keiner Stelle erörtert wird und die Literatur ist überwiegend älter als 10 Jahre. Wie ist also der Zusammenhang und gibt es nichts Neueres?

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