Therapie von und Hilfe bei Essstörungen

Auch bei Essstörungen kann Psychotherapie eine wirksame Behandlung darstellen (©fotolia-Hetizia)

Die Behandlung einer Essstörung wie Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder Binge-Eating-Störung (Ess-Sucht) erfolgt idealerweise multiprofessionell, das heißt aufgeteilt auf verschiedene Bereiche. Die multiprofessionelle Behandlung besteht üblicherweise aus einer Psychotherapie, einer Ernährungstherapie und der medizinischen Begleitung. Patienten mit einer Essstörung können sich ambulant oder stationär behandeln lassen.

Psychotherapie gegen Essstörungen

Im Bereich der Psychotherapie erzielen die Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie, der körperorientierten Therapie, der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie und der familienorientierten Therapie die besten Ergebnisse bei der Behandlung von Essstörungen. Die Therapie zielt auf die spezifischen Symptome der Essstörung ab, zum Beispiel Hungern, Fressanfälle und Erbrechen. Der Therapeut adressiert die zugrunde liegenden psychischen Probleme, Ursachen und Auslöser der Essstörung.

Für Essgestörte mit dem Wunsch nach einer Veränderung, die aktuell keine Therapie anfangen können, bietet sich eine Online-Intervention an, wie die psychologisch begleiteten Selbsthilfekurse von Selfapy. Die Kurse dienen unter anderem der Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz und basieren auf den Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie.

Die kognitive Verhaltenstherapie

Die kognitive Verhaltenstherapie ist ein bewährtes Verfahren bei der Behandlung verschiedener psychischer Störungen wie Depressionen oder Angststörungen. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der kognitiven Verhaltenstherapie ist die Bereitschaft zur Veränderung und Genesung. Betroffene lernen, dass sie für ihr Essverhalten und Körpergewicht verantwortlich sind. Sie bauen Ängste vor einer Zu- oder Abnahme in der Therapie ab und entwickeln eine positive Einstellung gegenüber Essen und dem eigenen Körper. Da ein geringes Selbstwertgefühl im Zusammenhang mit der Entwicklung von Essstörungen steht, stellt die Stärkung des Selbstwerts einen weiteren Schwerpunkt der Therapie dar.

Bei Essstörungen ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers häufig verfälscht (©fotolia-Photographee.eu)
Die körperorientierte Therapie

Menschen mit einer Essstörung, besonders Anorexie und Bulimie, leiden meist unter einer Körperschemastörung. Das bedeutet, sie nehmen ihren eigenen Körper verzerrt wahr und sehen sich selbst trotz Normal- oder Untergewicht als zu dick an. Die körperorientierte Therapie gibt den Betroffenen das Gefühl für den eigenen Körper zurück. Sie lernen ihre Figur realistisch zu betrachten und entwickeln ein Gespür für die Signale ihres Körpers wie Hunger und Sättigung.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie spielen die Lebensgeschichte der betroffenen Person, unbewusste Konflikte oder die psychische Funktionsfähigkeit eine zentrale Rolle. In Bezug auf Essstörungen sind das häufig zu hohe Leistungsansprüche, Kontrollzwang, Autonomiebestrebungen, Selbstwertprobleme und die Vermeidung von Auseinandersetzungen in Beziehungen. Die Annahme ist, dass das gestörte Essverhalten ein äußeres Anzeichen dieser Konflikte ist.

Die familienorientierte Therapie

Die familienorientierte Therapie bezieht neben betroffenen Person ihre Familie mit in die Behandlung ein. Bei gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie verschafft sich der Therapeut einen Überblick über die Verhaltensmuster, die zur Entstehung der Essstörung beigetragen haben könnten.

Ernährungstherapie bei Magersucht, Bulimie und Binge-Eating-Störung

Ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Essstörungen ist die Ernährungstherapie. Die Betroffenen lernen, ihr Essverhalten zu normalisieren. Für Magersüchtige bedeutet dies, dass sie regelmäßig Mahlzeiten mit einer ausreichenden Menge an Kalorien zu sich nehmen. Sie entwickeln wieder Freude am Essen und lernen, was Genuss ist. Für Menschen mit Bulimie oder Binge-Eating-Störung ist es wichtig, ein normales Hunger- und Sättigungsgefühl zu entwickeln. Dies hilft Essattacken vorzubeugen.

Vor allem bei stark untergewichtigen Patienten oder krankhaftem Übergewicht ist es wichtig, dass Betroffene ein normales Körpergewicht erreichen, um die körperlichen Folgen und Schäden der Essstörung einzudämmen.

Neben psychotherapeutischen Behandlungen können in manchen Fällen auch Medikamente hilfreich sein (© gemphotography_iStock)
Medizinische Begleitung bei der Behandlung Essgestörter

Die körperlichen Folgen der Essstörungen sind gravierend. Anorexie führt in vielen Fällen zu Herzrhythmusstörungen, Infektionen, Störungen im Elektrolythaushalt und Organschäden.

Menschen mit Bulimie leiden oftmals unter Kreislaufproblemen und Herzrhythmusstörungen, Entzündungen des Rachens, der Speiseröhre und der Bauchspeicheldrüse. Diabetes, Bluthochdruck oder Schlaganfälle sind die häufigsten Folgen der Binge-Eating-Störung.

Aufgrund dessen ist eine medizinische Begleitung der Betroffenen unabdinglich. In schwerwiegenden Fällen, wie sie im Zusammenhang mit Magersucht nicht selten sind, ist oftmals eine stationäre Behandlung notwendig, zu der Zwangsmaßnahmen zur Nahrungsaufnahme in Form von Infusionen und künstlicher Ernährung gehören. Langfristig überwinden diese Patienten ihre Erkrankung nur, wenn sie das Problem erkennen und sich bewusst für eine Therapie entscheiden.

Alternative Behandlungsmethoden

Unterstützend kommen bei der Behandlung von Essstörungen unter anderem eine Bewegungs- oder Kunsttherapie in Frage. Viele Betroffenen empfinden auch den Austausch in Selbsthilfegruppe als hilfreich.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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