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Saure Ernährung und schlechte Verdauung: Das sind die Ursachen und die Folgen

Frau Lottes

von
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© A_N - iStockUrsachen eines übersäuerten Körpers sind saure Nahrungsmittel wie Alkohol, Fleisch oder Backwaren (© A_N - iStock)Eine zu saure Ernährung und eine schlechte Verdauung können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Dieser Artikel erklärt, was das bedeutet und was Sie dagegen tun können.

Was bedeutet "sauer" sein?

Wenn jemand zu „sauer“ ist, bezieht sich das in erster Linie auf das Milieu innerhalb der Zellen, dem Zwischenzellraum in den Geweben und dem Blut. Gerade das Blut hat eine sehr geringe Toleranzbreite im ph-Wert.

Viele denken jedoch erst einmal an das Verdauungssystem, insbesondere wenn der Magen durch Sodbrennen auf sich aufmerksam macht. Dabei brauchen die einzelnen Organe des Verdauungstrakts ein sehr unterschiedliches Milieu, um korrekt zu arbeiten.

Während der Magen mit Salzsäure arbeitet, mag es der nachgelagerte Dünndarm eher basisch. Diesen Pufferungsschritt übernimmt die Bauchspeicheldrüse, indem sie dem Nahrungsbrei neben Verdauungsenzymen Bicarbonat hinzufügt. Wirkt also die Nahrung, die wir zu uns nehmen, sehr sauer, bildet die Bauchspeicheldrüse nicht immer ausreichend Bicarbonat und die aufspaltenden Stoffwechselprozesse laufen im Dünndarm nur unzureichend ab.

Blähungen und Müdigkeit nach dem Essen sind ein erster Hinweis darauf. Nur unzureichend gelangen so Nährstoff-Moleküle in den Blutkreislauf und schließlich zu den Zellen.

Welche Nahrungsmittel wirken besonders sauer?

  • Fleisch
  • Fisch
  • Kaffee
  • Alkohol
  • Limonaden / Softdrinks
  • Backwaren
  • Süßigkeiten / weißer Zucker
  • Fertiggerichte / -soßen
  • Chips
  • Pizza

Zusätzliche Belastungen resultieren aus der extensiven Landwirtschaft mit Überdüngung und künstlichem Kraftfutter in der Fleisch- und Fisch-Produktion.

Die Verdauungsleistung wird zudem durch schwierige Kombinationen gestört wie z.B. Joghurt mit Obst oder inkompatible Eiweiße in einer Mahlzeit wie Fisch mit Sahne. Spätes Abendessen mit hohem Rohkostanteil oder viel Käse sind auch eine Herausforderung und werden nicht mit Schlafstörungen in Verbindung gebracht.

© Igor Mojzes - fotoliaDamit der Magen nicht überfordert ist, sollte nicht zu oft hintereinander gegessen werden (© Igor Mojzes - fotolia)Welche weiteren Faktoren können die Verdauung erschweren?

Auch durch kontinuierliche Nahrungszufuhr - etwa durch Naschen - wird die Verdauungsleistung negativ beeinflusst. Zwischen den Mahlzeiten soll sechs Stunden Pause sein. Bei schnell verdaulichen Gemüsesuppen reduziert sich diese Zeit, während ein Schweinebraten mit Knödel „lange im Bauch liegt“.

Was passiert, wenn auf halb Verdautes frischer Nahrungsbrei trifft? Als Beispiel kann uns die Zubereitung eines Hefegebäcks dienen: Viele Zutaten werden zu einem Teig geknetet und vor dem Backen an eine Wärmequelle „zum Gehen“ gestellt. Nach 30 Minuten fällt dem Bäcker ein, dass er eine wesentliche Zutat vergessen hat und fügt sie noch zu. Aber das Backwerk misslingt. Ein wichtiger Prozess wurde unterbrochen.

Diese gestörte oder reduzierte Stoffwechseltätigkeit führt mittelfristig zu „unverdauten“ Zell-Toxinen, die in Geweben eingelagert werden und schließlich zur Tumorbildung beitragen.

Neben unserer Ernährung spielt Stress eine mindestens ebenso große Rolle. Dazu zählen Sorgen, Gedankenkreisen, zu wenig Pausen für Muße, zu wenig Schlaf, Schichtarbeit, ständige Erreichbarkeit – schlicht der Verlust des natürlichen Lebensrhythmus aus „Anspannung“ und „Entspannung“ im Wechsel.

Bei Stress regiert der Sympathikus. Eine gute Verdauung benötigt aber eine entspannte Atmosphäre mit dem Gegenspieler, dem Parasympathikus. Also: „Essen to go“ und Arbeitsessen ade!

Hektischer Lebensstil schwer auszugleichen

Kurzfristig kann sich der menschliche Organismus durch intelligente Regelkreise selbst helfen.

Beispiele:

  • Vertiefung der Atmung z.B. bei Sport (CO²- Abatmung)
  • erhöhte Ausscheidung (von H+-Ionen) durch die Nieren nach ausreichendem Trinken

Stress, Sorgen, Angst und ein sitzender Beruf verflachen aber ständig die Atmung. Darüber hinaus fördern Kaffee und Alkohol das saure Milieu und zählen nicht zum Flüssigkeitsbedarf von 2-3 Liter pro Tag.

Längerfristig werden dann basische Minerale wie Calcium in den Knochen abgebaut und ins Blut abgegeben. Dies führt einerseits zu Osteoporose mit der Gefahr von Brüchen, aber auch zu Gelenkerkrankungen wie Arthritis und Arthrose und zur Ablagerung von Calcium in den Gefäßen. Sie verursacht Bluthochdruck, der in einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder auch Nierensteinen enden kann.

Um langfristig gesund zu bleiben und den Körper in seinen hochintelligenten Regelkreisen zu unterstützen, muss das Milieu in den Geweben korrigiert werden. Die Stoffwechselschlacken sind über Urin, Stuhl und Schweiß auszuscheiden.

© gpointstudio_iStockMarkieren Sie sich, welche Lebensmittel Sie oft, welche ab und zu und welche Sie so wenig wie möglich essen sollten (© gpointstudio_iStock)Wie kann ich meine Ernährung umstellen?

Die Ayurveda-Medizin hat mehr als 2000 Jahre Erfahrung. Herzstück ist die Panchakarma-Kur – die fünf Reinigungsschritte. Forschungsprojekte an Universitäten und Uni-Kliniken in Europa und Indien erbringen inzwischen valide Nachweise über die Wirkmechanismen auf hohem wissenschaftlichem Niveau.

Behandelt werden nicht einzelne Symptome und Krankheiten, sondern der ganze Mensch.
Individuell werden die genetisch angelegte Konstitution und die im Laufe des Lebens eingetretenen Dysbalancen analysiert. Daraufhin werden die Ernährung konsequent umgestellt und der Lebensstil korrigiert. Das klingt kompliziert, aber eine Nahrungsmittel-Tabelle, die individuell mit einem Ampelsystem versehen wird, zeigt auf einen Blick:

  • rot = geht gar nicht
  • gelb = selten
  • grün = wunderbar

Ausreichend Bewegung an frischer Luft und gegebenenfalls auch Klärung psychisch belastender Situationen ergänzen die Kur. Erste Erfolge motivieren dranzubleiben. Symptome wie Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Muskelverspannungen und Spannungskopfschmerz, Sodbrennen und Verdauungsstörungen, Ischiasbeschwerden, Hautausschläge und häufige Infektionen bessern sich.

Dann werden Massagen und Einläufe mit medizinischen Ölen sowie Phytotherapeutika eingesetzt, um die Gewebereinigung und die Ausleitung zu initiieren. Die Ausleitung auf körperlicher Ebene bewirkt auch ein Loslassen von seelischem Ballast. Eine Aufbauphase schließt sich an.

Danach berichten Patienten neben einer Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit von geistiger Klarheit, emotionaler Stabilität und Lebensfreude.

© Jacek Chabraszewski - FotoliaZusätzlich zur Ernährung können Sie Ihrem Körper auf verschiedenen Wegen etwas Gutes tun - zum Beispiel mit Bewegung an der frischen Luft (© Jacek Chabraszewski - Fotolia)Was können Sie zur Prävention tun?

  • Die Sinnesorgane – allen voran Augen und Ohren – nicht ständig überfordern. Ganz bei sich bleiben, in den Körper hineinspüren und herausfinden, was und wer gut tut oder belastet.
  • Eine gute soziale Einbindung in Familie und Freundeskreis vermittelt Geborgenheit, Zugehörigkeit und Freude.
  • Regelmäßige Bewegung in der Natur tut gut.
  • Das Trinken von heißem (Ingwer-)Wasser – über den Tag verteilt – unterstützt die Ausscheidung wasserlöslicher Stoffwechselabfälle über die Nieren.
  • Medizinische Öle binden äußerlich wie innerlich die „fettlöslichen Deponien“ und helfen bei ihrer Ausleitung: 
    • Täglich Ölziehen, eine Art Gurgeln, bewirkt neben einer tiefen Reinigung eine natürliche Befeuchtung der Schleimhäute. Dadurch können Bakterien und Viren im Nasen-Rachenraum oder am Zahnfleisch schwerer andocken. Auch Allergiker profitieren davon.
    • Selbst-Massagen des ganzen Körpers sind eine Liebeserklärung an uns selbst.
  • Die Einnahme des Schüsslersalz Nr. 23 Natrium bicarbonicum in Vier-Wochen-Intervallen hilft
    der Bauchspeicheldrüse beim Puffern des Nahrungsbreis.

Das Ergebnis: Über das körperliche Wohlbefinden hinaus sind Sie in bewegten Zeiten auch psychisch belastbarer. Denn Körper und Psyche sind untrennbar miteinander verbunden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


11.05.2018 - 07:55 Uhr

Sehr hilfreich. Wer bietet bitte eine Panchakarma...

von Waltraud G.

... Kur an?

Frau Lottes

Antwort vom Autor am 14.05.2018
Sigrid Lottes

Sehr geehrte Frau Waltraud G., die Panchakarma-Kur ist ein wichtiges Ausleitungsverfahren in der Ayurveda-Medizin. In meiner Praxis führe ich solche Kuren durch. Einen ersten Überblick erhalten Sie über meine Website. Bei Fragen können Sie mich gerne direkt kontaktieren. Herzliche Grüße Sigrid Lottes

01.03.2018 - 23:40 Uhr

Ich möchte zusätzlich mal was beitragen, ich habe...

von Frank Heinzmann

... super Erfolge mit Vitamin P (OPC) gemacht, mein Stress ist zwar nicht weg, aber ich habe viel mehr Energie in zu verarbeiten, Arthrose ist Vergangenheit! Ich nehme nur 20 ml eines Vitalstoffsaftes zu mir, und das seit 2011, natürlich ernähre ich mich soweit es klappt auch gesund, nur es ist nicht jeder Tag so! Seitdem ich auf meinen Säure Basen Haushalt achte, hat sich vieles im Leben verändert! Ich kenne einen Präventologen, der sagt das über 90 % aller Krankheiten die Ursache in der Übersäuerung liegt! Ihre Artikel finde ich sehr interessant! MfG F. Heinzmann

Frau Lottes

Antwort vom Autor am 03.09.2018
Sigrid Lottes

Ihrem Ratgeber kann ich voll zustimmen. Der Säure-Base-Haushalt wird Großteils von der Ernährung beeinflusst. Punktuell kann man mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Enzymen arbeiten. Aber es macht auch Sinn, mental mehr in die Achtsamkeit zu gehen um den Cortisol-Spiegel zu senken, denn Cortisol fördert den Abbau u.a. von Knochengewebe und damit Arthrose. Mehr dazu finden Sie in meinem Artikel zur PsychoNeuroImmunolgie. Demnächst erscheint ein Artikel zum Stress-"Grundrauschen" bei erlittenen und nicht aufgelösten Traumata, Vielleicht auch interessant?


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