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Das jameda-Interview: 10 Fragen an Frau Dr. med. Katrin Hänseroth

Dr. Hänseroth

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© HänserothFrau Dr. Hänseroth praktiziert als Frauenärztin in Dresden. (© Hänseroth)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. med. Katrin Hänseroth interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Frauenärztin.

jameda: Frau Dr. Hänseroth, was hat Sie motiviert, Frauenärztin zu werden?

Frau Dr. Hänseroth: Laut meinen Eltern wollte ich schon als dreijähriges Kind unbedingt Ärztin werden. Das ist bis in meine Jugend so geblieben, sodass ein Medizinstudium auf der Hand lag. Als Frauenärztin habe ich unter anderem das Privileg, besonders in der Schwangerschaft genau genommen zwei (oder drei) Menschen zu einer erfolgreichen Geburt zu verhelfen. Außerdem ist die Frauenärztin für viele Frauen die eigentliche Hausärztin, zu der sie ein besonderes Vertrauensverhältnis pflegen.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Frau Dr. Hänseroth: Kein Arbeitstag gleicht dem anderen. Es ist und bleibt sehr abwechslungsreich. Besonders erfüllt es mich, wenn ich das Wissen der Schulmedizin um Erkenntnisse anderer Fachbereiche oder weitere Therapieansätze wie z. B. Akupunktur in den Wechseljahren ergänzen kann. An vielen Tagen führe ich Eingriffe wie Laserbehandlungen oder Spiraleneinlagen durch. Und wenn Patientinnen extra zu mir kommen, weil ganz wenige Kollegen den Kupferperlenball einlegen oder eine Eileiterdurchgängigkeitsprüfung durchführen, wird mein Arbeitstag noch schöner.

Eine täglich neue Herausforderung stellt das Terminmanagement dar – schließlich kommen zu den bestellten Patientinnen die Notfallpatientinnen dazu und auch die Neupatientinnen wollen versorgt sein. Zum Glück, das hat die letzte Patientenbefragung wieder gezeigt, schaffen es mein Team und ich es immer wieder, diese Situationen im Sinne aller und mit Fingerspitzengefühl zu managen.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Frau Dr. Hänseroth: Gerade Frauen in der Menopause nehmen viele wechseljahresbedingte Beschwerden wie Scheidentrockenheit, Hitzewellen, leichte Inkontinenz, Schlafstörungen oder Haarausfall einfach hin bzw. verdrängen sie. Ich finde das schade, denn mit pflanzlichen oder abgestimmten (bioidentischen) Hormonen oder einer Lasertherapie lassen sich mittlerweile viele dieser Beschwerden spürbar lindern oder abstellen. Deshalb leiste ich hier viel Aufklärungsarbeit.
 

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen von der Patientin. Was raten Sie Patientinnen in solchen Situationen?

Frau Dr. Hänseroth: Ich führe ihnen vor Augen, wie gut es sich anfühlt, wie lohnenswert es ist, die Therapie – wenn es sein muss Tag für Tag – durchzuführen, was sie sich an Lebensqualität ermöglichen und wie groß der Umstand wiegt, dass es die Patientinnen selber in der Hand haben, etwas für sich zu bewirken.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Frau Dr. Hänseroth: Steter Tropfen höhlt den Stein, deshalb rate ich immer und immer wieder dazu, den Therapieplan im Eigeninteresse umzusetzen. Und ich frage, woran es liegt. Ob es zum Beispiel die Nebenwirkungen oder einfach nur der innere Schweinehund ist.
 

© HänserothDas Praxisteam um Frau Dr. Hänseroth. (© Hänseroth)jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Frau Dr. Hänseroth: Wir haben als Gesellschaft bereits heute alle Hände damit voll, die Kranken und Bedürftigen mit allem zu versorgen, was sie zur Heilung benötigen. Das ist auch richtig so. Gleichzeitig bedeutet das für mich auch, dass das Thema Eigenverantwortung für die eigene Gesunderhaltung und Prävention einen größeren Stellenwert einnehmen soll. Diese Möglichkeiten würde ich stärker ausbauen.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Frau Dr. Hänseroth: Gerade die niedergelassene Ärztin soll heute am besten Koryphäe in ihrem Fachgebiet, Allrounderin, Managerin, Controllerin, Buchhalterin und Qualitätsmanagerin sein. Das klappt bei mir nicht immer. Ich kann mir vorstellen, dass meine Patientinnen ab und an spüren, wenn ich in der gerade vielleicht nicht so passenden Rolle unterwegs bin.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Frau Dr. Hänseroth: Ja, das gibt es in der Tat. Insbesondere für Frauen mit Wechseljahresbeschwerden oder Patientinnen mit Lichen sclerosus biete ich ein modernes, schonendes Laserverfahren an. Dieses sorgt dafür, dass das Gewebe revitalisiert wird. Das Verfahren ist schonend, nachhaltig und das Wichtige für mich ist: Die überzeugenden Therapieerfolge, die weltweit damit erzielt werden, stellen sich bei meinen Patientinnen auch ein.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Frau Dr. Hänseroth: Es sind die glücklichen Augen der frisch gebackenen Eltern, die mir bei der Nachuntersuchung um die Wette entgegenstrahlen. Und vor allem deren Babys, die sie mir stolz präsentieren.
 

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Frau Dr. Hänseroth: Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit – sie ist die Basis von so ziemlich allem. Drum hüten Sie diesen Schatz – es ist Ihr größter!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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