Das jameda-Interview: 9 Fragen an Prof. Dr. med. Markus Stücker

Prof. Dr. Stücker

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© StückerHerr Prof. Dr. Stücker praktiziert als Venenspezialist im Venenzentrum der Universitätsklinik Bochum. (© Stücker)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Prof. Dr. Stücker interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Hautarzt und Venenspezialist.

jameda: Prof. Stücker, was hat Sie motiviert, Hautarzt und Venenspezialist zu werden?

Prof. Stücker: Hautkrankheiten und Venenerkrankungen lassen sich in der Regel allein durch eine genaue klinische Untersuchung in Kombination mit nicht-invasiven Ultraschalluntersuchungen und Funktionsmessungen diagnostizieren. Der Arzt kann dadurch direkt am Patienten die Diagnose stellen und einen Therapieplan entwerfen, ohne auf Laboruntersuchungen oder technisch sehr aufwendige Untersuchungen zurückgreifen zu müssen. Dadurch entsteht ein sehr direkter Patientenkontakt, der eine direkte Hilfe ermöglicht.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie  die größten Herausforderungen?

Prof. Stücker: Das Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken ist eine hochspezialisierte Einrichtung. Das ermöglicht es, die neuesten Techniken auf höchstem Qualitätsniveau anbieten zu können. Täglich neu stellen wir uns gerne der Herausforderung, für den einzelnen Patienten die optimale Therapie zu finden.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Prof. Stücker: Oft fragen Patienten, ob die Therapie von Besenreisern und Krampfadern sinnvoll sei, weil sie gehört hätten, dass sie wiederkommen könnten. Richtig ist, dass die behandelten Venen höchstwahrscheinlich nicht rückfällig werden. Allerdings kann die Veranlagung zur Entwicklung von Krampfadern bislang nicht beeinflusst werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass nach einer Behandlung der Krampfadern am rechten Bein durchaus einige Zeit später erstmalig auch am linken Bein neue Krampfadern entstehen können.

Vergleichbar ist das mit der Situation beim Zahnarzt: Lässt man Karies am linken Unterkiefer behandeln, kann es dennoch sein, dass nach einem Jahr am rechten Oberkiefer Karies entsteht.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Prof. Stücker: Die meisten Behandlungen von Venenleiden sind ambulant und in einem kurzen Zeitraum möglich, so dass das Durchhaltevermögen bei Venenleiden in der Regel nicht allzu stark gefordert ist. Lediglich bei Thrombosen und offenen Beinen können mehrmonatige Behandlungen erforderlich sein. Hier lassen sich aber in der Regel gemeinsam mit dem Patienten alltagstaugliche Konzepte entwickeln, die keine allzu starke Einschränkung bedeuten.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Prof. Stücker: Die von uns entwickelten Therapiepläne sind in der Regel so gut verträglich und auch so gut nachvollziehbar, dass unsere Patienten sie gerne befolgen. Sollte dies in Ausnahmefällen einmal anders sein, versuchen wir gemeinsam mit dem Patienten, die Gründe und Lösungsmöglichkeiten herauszuarbeiten.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Prof. Stücker: Kein Arzt kann die gesamte Medizin beherrschen. Man denke an die großen Unterschiede spezieller Fachbereiche wie Kinderheilkunde, Psychiatrie oder Rechtsmedizin. Daher ist gerade in den Ballungsräumen eine Spezialisierung auf bestimmte Fachbereiche wichtig, z. B. in Venenzentren, wo ausschließlich Venenleiden behandelt werden. In diesen Zentren sollte dann aber wirklich das gesamte Spektrum angeboten werden, z. B. bei Venenbehandlungen alle gängigen Techniken von der Sklerosierung über die Laser-Katheter-Therapie bis hin zur minimalinvasiven Chirurgie.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Prof. Stücker: Wir bieten in unserem Venenzentrum alle wissenschaftlich akzeptieren Methoden zur Diagnostik und Therapie von Venenleiden an, wie z. B. die Therapie mit Laser- und Radiofrequenzkathetern, die Reparatur von Venenklappen (extraluminale Valvuloplastie) und die minimalinvasive Krampfaderchirurgie.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Prof. Stücker: Spontan fällt mir hier eine Patientin ein, die an beiden Beinen ein seit über einem Jahr bestehendes Unterschenkelgeschwür hatte (ein sog. Ulcus cruris), das bislang von verschiedenen Ärzten vergeblich behandelt worden war. Wir konnten hier als Ursache jeweils eine innenliegende Krampfader feststellen. Bereits eine Woche nach Behandlung der Krampfader waren die zuvor völlig therapieresistenten chronischen Wunden abgeheilt.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Prof. Stücker: Um die Venen der Beine in gesunder Funktion zu erhalten, sind normales Gewicht und eine normale Beweglichkeit der Beine von großer Bedeutung. Das kann durch Sportarten wie Nordic Walking, Radfahren, Joggen und Schwimmen besonders gefördert werden.

Zur Person

Prof. Dr. Markus Stücker ist leitender Arzt am Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken. Seit 2012 ist er der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (Venenheilkunde). Er arbeitet in einem interdisziplinären Team unter anderem mit dem Gefäßchirurgen Prof. Dr. Achim Mumme und der Venen-Wissenschaftlerin Frau Prof. Dr. Stefanie Reich-Schupke.

Zur Praxis

Das Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken ist eine auf Venenleiden spezialisierte Einrichtung. Das Venenzentrum bietet das gesamte Spektrum der Diagnostik und Therapie der Venenleiden an. Dabei ist die Entwicklung individueller Therapiekonzepte von besonderer Bedeutung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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