Folsäureprophylaxe bei erhöhtem Risiko für angeborene Herzfehler in der Schwangerschaft

Folsäure sollte wie alle anderen Substanzen niemals ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden. (© Lernesterod - pixabay)

Ein Folsäuremangel in den ersten zwei bis drei Wochen der Schwangerschaft kann unabhängig von anderen Faktoren (z.B. genetischer Veranlagung, Umwelteinflüssen, etc.) das Risiko für angeborene Herzfehler erhöhen.

So kann Folsäure eingenommen werden

Die Rolle des Folsäuremangels bei der Entstehung von sogenannten Neuralrohrdefekten ist lange bekannt. Deshalb wird grundsätzlich jeder Frau, die schwanger werden möchte, bereits vor der Empfängnis eine präkonzeptionelle Folsäure-Einnahme von 0,4 mg täglich empfohlen.

Bei zusätzlichen Risikokonstellationen für einen sogenannten offenen Rücken (Spina bifida) verordnen die betreuenden Gynäkologen eine höhere Dosierung von 4 mg täglich.

Wie wirkt sich Folsäure auf angeborene Herzfehler aus?

Die aktuelle Studienlage zeigt, dass eine Folsäuregabe vor Eintritt der Schwangerschaft auch das Risiko für angeborene Herzfehler reduziert.

Etwa 90 bis 97% der Folgeschwangerschaften nach einem Kind mit angeborenem Herzfehler führen zu einem herzgesunden Neugeborenen, allerdings ist das genetische Risiko spezifischer Herzfehler sehr unterschiedlich.

Hat die Schwangere selbst einen Herzfehler, kann das Risiko des Neugeborenen bis zu 14% betragen, im Falle eines väterlichen Herzfehlers bis ca. 3 %. Ist ein Geschwisterkind betroffen, ist ein Risiko bis ca. 8% beschrieben. Bei betroffenen Verwandten 2. Grades liegt das Risiko unter 2%. Bei bestimmten genetischen Konstellationen und mütterlichen Erkrankungen kann das Risiko auch deutlich höher liegen. 

Für Frauen mit einem familiärem Risiko für angeborene Herzfehler ist ein Beginn der Folsäure Prophylaxe ein bis drei Monate vor dem Versuch schwanger zu werden empfehlenswert, bei z. B. ungeplantem Verkehr spätestens innerhalb der ersten 24 Stunden nach Konzeption bzw. dem Eisprung.

Es gibt Hinweise, dass eine höhere Dosierung als die sowieso empfohlenen 0,4 mg pro Tag für die ersten drei Monaten der Schwangerschaft das Risiko für angeborene Herzfehler weiter senken kann, allerdings ist bislang keine optimale Dosis definiert.

Vertretbar scheint in einer Hochrisikogruppe (z. B. Herzfehler in der Verwandschaft 1. Grades) eine oben genannte Dosierung von 4 mg einmal täglich. Dennoch sollte der betreuende Arzt eine individuelle Nutzen-Risiko Abwägung durchführen und Wechselwirkungen mit Erkrankungen oder speziellen Medikamenten berücksichtigen.

Leider kann auch eine Folsäureprophylaxe einen angeborenen Herzfehler nicht in jedem Fall verhindern.

Bitte besprechen Sie die Folsäure-Prophylaxe mit Ihrem behandelnden Frauenarzt. Keine Eigenmedikation ohne ärztliche Indikationsstellung!

Literatur:

  • When should we prescribe high-dose folic acids to prevent congenital heart defects; Huhta J. C. and Linaski K; Current Opinion in Cardiology; 2015; 30:125-131.
  • Diagnosis and treatment of fetal cardiac disease; American Heart Association Statement. Donofrio M et al.; Circulation 2014, 29:2183-242.
  • Effect of folic acid food fortification in canada on congenital heart disease subtypes, Liu et al. Circulation 2016; 134:647-655.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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