Impotentia generandi: Die häufigsten Ursachen für Zeugungsunfähigkeit

Dr. Maria Niki Aigyptiadou

von
verfasst am

©fotolia-Ocskay MarkAuch mit Impotentia generandi ist es nicht unmöglich für Sie selbst Kinder zu zeugen (©fotolia-Ocskay Mark)Ihr Kinderwunsch erfüllt sich nicht und Sie fragen sich, was Sie machen sollen? Es gibt gute Nachrichten für Sie: Bis zu 40 Prozent der unerfüllten Kinderträume können wahr werden! Lesen Sie hier alles über Ursachen und Behandlung der Impotentia generandi.

Definitionen und Häufigkeit

Unter Impotentia generandi ist die Zeugungsunfähigkeit zu verstehen, auch Sterilität genannt. Bei Frauen wird die Impotentia generandi weiterhin eingeteilt in:

  • Impotentia concipiendi, auch Sterilität genannt, wenn eine Frau kein Kind empfangen kann
  • Impotentia gestandi, auch Infertilität genannt, wenn sie kein Kind austragen kann

Bei Männern unterscheidet man:

  • die Impotentia coeundi, auch erektile Dysfunktion genannt, wenn sie den Geschlechtsakt nicht vollziehen können
  • die Impotentia concupiscentia, auch Libidomangel genannt, wenn jeglicher sexueller Drang fehlt

Unfruchtbar ist ein Paar, wenn nach 1 bis 2 Jahren ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft zustande gekommen ist. Wenn ein Paar zweimal pro Woche Sex hat, erwarten 30 Prozent nach einem Jahr ein Kind. Aber bei ungefähr 15 Prozent der Deutschen klappt es nicht – sie sind ungewollt kinderlos.

© Syda Productions - fotoliaEs kann sehr viele verschiedene Gründe dafür geben, warum sich der Kinderwunsch nicht erfüllt (© Syda Productions - fotolia)Ursachen: Wieso bleibt der Kindersegen aus?

Ursachen, die Frauen steril machen:

  • Hormonstörungen des weiblichen Hormonhaushaltes oder der Schilddrüse
  • Fehlbildungen der Eierstöcke oder Eileiter, der Gebärmutter oder der Scheide
  • Entzündungen der Eierstöcke und Eileiter
  • Endometriose, die von Absiedlungen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter gekennzeichnet ist
  • Magersucht
  • Erkrankungen des Abwehrsystems
  • Störungen der Blutgerinnung
  • Krebserkrankungen und -behandlungen
  • vererbbare Veränderungen der DNA
  • Kinderkrankheiten, wie zum Beispiel Röteln oder Masern
  • psychosoziale Ursachen, wie zum Beispiel Existenzängste

Infektionen mit Windpocken oder Toxoplasmose führen außerdem zu Fehlgeburten oder zu schweren Behinderungen des Neugeborenen.

Beim Mann führen folgende Ursachen zur Unfruchtbarkeit:

  • Verminderte Samenqualität, auch OAT-Syndrom genannt
  • Hodenhochstand im frühen Kindesalter
  • Mumps-Infektion
  • Unterentwicklung der Hoden
  • Krampfadern im Hoden
  • angeborene Fehlbildung des Hodens oder Verletzung durch einen Unfall
  • Hoden- oder Samenleiterverletzungen und -entzündungen
  • Geschlechtskrankheiten, zum Beispiel durch Chlamydien
  • Prostataentzündungen
  • Leistenbruch-OP
  • Durchblutungsstörungen des Hodens
  • Testosteronmangel und andere Hormonstörungen
  • Krebserkrankungen, Chemotherapie oder Bestrahlungen
  • Erkrankungen des Abwehrsystems
  • zystische Fibrose, bei der der Wassergehalt des Sekretes der Geschlechtsdrüsen zu niedrig ist
  • erektile Dysfunktion

© closeupimages - fotoliaFür eine erektile Dysfunktion können sowohl körperliche als auch psychische Ursachen der Auslöser sein (© closeupimages - fotolia)Die erektile Dysfunktion ist weiterhin auf eine Reihe von Ursachen zurückzuführen, wie zum Beispiel:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Risikofaktoren, wie Bluthochdruck oder die Zuckerkrankheit
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • venöses Leck, auch kavernöse Insuffizienz genannt
  • Operationen der Prostata, Krebs und Chemotherapie
  • Erkrankungen des Nervensystems
  • Schäden der Wirbelsäule
  • Medikamenten- und Alkoholmissbrauch
  • psychische Erkrankungen

Darüber hinaus gibt es Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, wie zum Beispiel Rauchen, Drogenkonsum, Alkoholmissbrauch, Stress und Schlafentzug, Übergewicht, zunehmendes Alter und vitaminarme Ernährung sowie Strahlen-, Feinstaub- und Ozonbelastung. Sogar die Handystrahlung und langes Radfahren wurden für schlechte Spermienqualität bei Männern verantwortlich gemacht, obwohl diese Theorie nicht bestätigt wurde.

Unerfüllter Kinderwunsch: Was kann man tun?

Aufgrund der vielen möglichen Ursachen ist die Diagnostik schwierig. Aber der erfahrene Arzt kann nach einem Gespräch die Menge der Untersuchungen begrenzen, insbesondere wenn es Symptome gibt. Allgemein sollte der Mann nach einem Jahr einen Urologen für eine Samenqualitätsbestimmung aufsuchen und die Frau einen Frauenarzttermin vereinbaren, um ihren Hormonhaushalt testen zu lassen. Daraus ergeben sich in den meisten Fällen Anzeichen für die richtige Diagnose.  

© contrastwerkstatt - fotoliaHeutzutage gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, den Kinderwunsch dennoch zu erfüllen (© contrastwerkstatt - fotolia)Die Behandlungsmöglichkeiten hängen von der Ursache ab. Gegen Hormonstörungen gibt es spezielle Therapien, gegen Potenzstörungen verschreibt der Arzt entsprechende Medikamente. Im Zeitalter der künstlichen Befruchtung ist es auch möglich, das Sperma des Partners in die Gebärmutter einzuführen oder die Eizellen und das Sperma außerhalb des Körpers zu behandeln und in die Gebärmutter einsetzen.

Der Beitrag der Homöopathie wird heftig debattiert. Manche sind davon überzeugt und verschreiben Globuli, Tees oder Tinkturen, andere lehnen sie wegen wissenschaftlich nachgewiesener Wirkungslosigkeit ab.

Wenn Sie selbst etwas tun wollen, sollten Sie auf Ihr Körpergewicht achten, sich gesund und vitaminreich ernähren, auf Drogen, Rauchen und Alkohol verzichten, ausreichend schlafen und Stress vermeiden.  

Fazit

Sie wünschen sich Kinder, warten aber schon seit ein bis zwei Jahren auf Nachwuchs? Gehen Sie zum Arzt und lassen Sie sich untersuchen. Es gibt unzählige Gründe, die eine Zeugungsfähigkeit erklären. Viele sind heilbar, so dass heutzutage 40 Prozent der bislang unerfüllten Kinderwünsche verwirklicht und die Frauen trotzdem schwanger werden können.

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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