Deutschlands größtes Arzt-Patienten-Portal

Komplikationen durch Venenkleber: wie können diese behandelt werden?

Dr. Netzer

von
verfasst am

© contrastwerkstatt - fotoliaWie kann man vorgehen, wenn die Behandlung mit einem Venenkleber zu Komplikationen geführt hat? (© contrastwerkstatt - fotolia)Seit 2012 ist in Deutschland ein Cyanoacrylatkleber zum Verschluss oberflächlicher Venen an den Beinen zugelassen. Der Kleber ist chemisch und physikalisch sehr ähnlich dem typischen „Sekundenkleber“ aus dem Baumarkt.


Das Behandlungsverfahren

Am zu behandelnden Bein wird eine Vene punktiert (meist am körperfernen Oberschenkelende) und ein dünner Katheter bis ans Ende der kranken Vene vorgeschoben. Dieses Venenende liegt an der Stelle, an welcher die  oberflächliche Vene in die entsprechende tiefe Vene eintritt.

Unter Ultraschallkontrolle werden dann kleine Mengen Kleber abgegeben und der Katheter dabei schrittweise zurückgezogen. Die Vene wird so verschlossen.

Das Klebeverfahren wird als Alternative zur herkömmlichen Operation („Stripping“) und den thermischen Abtragungsverfahren (Radiowelle/Radiofrequenz, Laser, Dampf) angeboten.

Es liegen naturgemäß noch keine Langzeitstudien über die Venenklebung vor, aber die ersten Mehrjahres-Nachbeobachtungen haben positive Ergebnisse erbracht.

Welche Komplikationen können auftreten?

In den geklebten oberflächlichen Venen sind keine relevanten Komplikationen zu erwarten. Anders sieht es aus, wenn der Klebstoff versehentlich in die inneren, tiefen Venen gerät.

Während die oberflächlichen Venen beim Menschen in großer Zahl (redundant) vorliegen, und deshalb auch kranke Venen einfach entfernt werden können, sind die größeren und großen inneren Venen immer nur einzeln vorhanden: jede Störung an diesen lebenswichtigen Gefäßen kann schwerwiegende Folgen haben.

Es sind in Deutschland mittlerweile mehrere Fälle dokumentiert, bei denen Venenkleber versehentlich in diese inneren Venen gelangte, und dort verblieb, denn der harte Kunststoffkleber kann nicht vom Körper abgebaut werden.

Welche Folgen hat das für den Betroffenen?

Jede Unregelmäßigkeit der Wandstruktur eines Blutgefäßes kann zur Bildung von Blutgerinnseln führen. Diese Gerinnsel können entweder direkt am Ort der Entstehung einen Venenverschluss auslösen (Thrombose), oder mit dem Blutstrom weiter zum Herzen und von dort in die Lungenarterien geschwemmt werden, wo sie zur Lungenembolie führen.

Lungenembolien zählen allgemein zu den häufigsten Todesursachen in den Sterberegistern.

Auch kann der Kleber selbst zu einer so starken Behinderung des Blutflusses in Richtung Herz führen, dass das betroffene Bein einen krankhaften Blutstau erleidet.

Wie kann man solche Komplikationen behandeln?

Es liegt noch zu wenig Erfahrung vor, um eine allgemeine Behandlungsempfehlung geben zu können.

Im Einzelfall muss entschieden werden, ob der fälschlich ins tiefe Venensystem geratene Kleber belassen werden kann oder operativ entfernt werden muss. Gerade die operative

Entfernung von Kleber im Bereich der Beckenvenen stellt die Gefäßchirurgie hier vor eine große neue Herausforderung.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
6
Interessante Artikel zum Thema „Venen, Krampfadern & Besenreiser”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Kommentare zum Artikel (1)


28.04.2019 - 16:05 Uhr

für mich war der Kommentar sehr hilfreich. Jetzt...

von Wilfriede P.

... weiß ich schon wieder nicht, was ich mit meinen Krampfadern machen soll.


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete

Ärzte für spezielle Behandlungsgebiete

jameda Behandlungsgebiete