Differenzierte Therapie von Krampfadern

Dr. Müller

von
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© DragonImages - FotoliaUm Krampfadern zu entfernen gibt es auch andere Möglichkeiten als sie schmerzhaft zu ziehen (© DragonImages - Fotolia)Noch vor ca. 15 Jahren war das Herausziehen der Krampfadern die nahezu einzige Behandlungsmethode. Sie wurde in den allermeisten Fällen im Krankenhaus durchgeführt, fast immer in Vollnarkose.

In den letzten Jahren haben sich die therapeutischen Möglichkeiten rasant verändert. Im Wesentlichen war das möglich, weil die Diagnostik beim Krampfaderleiden mittels hochauflösendem farbkodiertem Ultraschall eine zuvor nicht gekannte Dynamik des Blutflusses und auch kleinste anatomische Besonderheiten sichtbar macht. Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel, wie sie vor 15 Jahren noch üblich waren, sind heute nicht mehr gebräuchlich.

Welche Behandlungsalternativen gibt es?

Im Gefolge der verfeinerten Diagnostik setzte auch ein Umdenken bei der Therapie ein. So war neben der Entwicklung der "endoluminalen", also "von innen" wirkenden Behandlungsmethoden, wie z.B. Radiowellen und Laser, in den 2000er Jahren das venenerhaltende CHIVA-Verfahren als neue Behandlungsmethode "auf dem Markt".

Während sich CHIVA in Deutschland nicht wirklich durchsetzen konnte - die Methode ist heute auf wenige ausgewählte Indikationen beschränkt - entwickelten sich die endoluminalen Verfahren rasant weiter.

Neben den thermischen sind mittlerweile auch chemische Verfahren etabliert, die den zur Refluxausschaltung notwendigen Stammvenenverschluss bewirken. Der große Vorteil der endoluminalen Verfahren liegt darin begründet, dass große Schnitte nicht mehr nötig sind.

Die Katheter werden ultraschallgesteuert per Punktion eingebracht, also praktisch schnittfrei. Darüber hinaus wird die "Traumatisierung" des Beines von innen durch das nicht selten sehr blutige Herausziehen der Vene vermieden. Auch die postoperative Bestrumpfung kann bei den modernen Verfahren deutlich kürzer oder in bestimmten Fällen ganz entfallen.

Da Krampfadern unabhängig vom Therapieverfahren nicht selten wiederkehren, ist eine Stammvenenbehandlung nicht immer nötig oder möglich. In diesen Fällen wird heute häufig die ultaschallgesteuerte Mikroschauminjektion angewandt. Dabei handelt es sich um ein sehr schonendes und wirkungsvolles Verfahren, das auch erst durch den hochauflösenden Ultraschall möglich wurde.

Was ist die beste Behandlung?

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass eine qualitativ hochwertige Krampfadertherapie heute ohne Farbduplexsonographie undenkbar ist. Aus der reichhaltigen Palette der Therapien muss das für den Patienten und seinen Befund ideale Verfahren individuell ermittelt werden. Nur ein einziges Therapieverfahren zur Auswahl zu haben, wird der Ungleichheit des Krankheitsbildes heute nicht mehr gerecht.

Das Ziehen der Adern ist heute in nahezu allen Fällen vermeidbar. Für stationäre Behandlungen gibt es keine medizinischen Gründe mehr. Alle Eingriffe lassen sich auch bei älteren Patienten, problemlos ambulant durchführen. Voraussetzung dafür ist eine gute Organisation der Einrichtung und selbstverständlich große Erfahrung und Kompetenz des Arztes.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


04.07.2018 - 07:13 Uhr

Sehr geehrter Dr. Müller, ich welchen Fällen...

von Heike

... ist aus Ihrer Sicht die Stripping- Methode nicht vermeidbar? Mir wurde von 20 Jahren die Hauptvene durch Stripping entfernt und jetzt von einem Gefäßchirurgen gesagt, dass wegen ausgeprägter Rezidivvarikosis ein anderes Verfahren als Stripping nicht möglich ist bzw. nicht erfolgreich sein würde. Ich suche relativ verzweifelt nach einer Alternative und wäre für eine Antwort sehr dankbar. Vielen Dank im Voraus Heike S.

Dr. Müller

Antwort vom Autor am 05.07.2018
Dr. med. Lothar Müller

Hallo Frau Heike S., das Stripping entfernt die Stammvene. Ein "erneutes" Stripping ist bei einer Rezidivvarikosis daher naturgemäß nicht möglich, es sei denn, es wurde die Stammvene ganz oder teilweise nicht entfernt. Es gibt ganz sicher eine Möglichkeit, Ihr Problem schonend, also ohne erneutes Stripping mit Leistenschnitt etc. zu behandeln, allerdings muss ich dafür den Befund kennen. Gerne schaue ich ihn mir an. Grüsse Dr. L. Müller


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