Krampfadern: Von der Diagnose zur Therapie

Bei der Behandlung mit dem Venenkleber sind weder eine Narkose noch ein Kompressionsstrumpf notwendig. (© tibanna79 - fotolia)

Am 10. und 11. September 2021 fand der diesjährige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie im Eurogress Aachen statt. Deutsche und internationale Experten für die Diagnostik und Therapie von Krampfadern haben sich zum Austausch getroffen und über neue Möglichkeiten und Verfahren diskutiert. Auch die Industrie war mit Apparaten, Kompressionsstrümpfen und Kathetern vertreten.

Krampfaderleiden und venöse Veränderungen in der Phlebologie

Dr. Fuchs aus Köln gab eine Zusammenfassung der Neuerungen in den letzten Jahrzehnten und die Einordnung für die betroffenen Patienten. Die Diagnose eines Krampfaderleidens ist klinisch und apparativ ohne großen Aufwand gestellt. Ein Großteil der Betroffenen muss keinerlei Beschwerden, wie Wadenkrämpfe, Schwellungen, Beinschmerzen, offene Stellen, gerötete und juckende Hautveränderungen haben. Obwohl sich die Venen unter der Haut ganz eindeutig sichtbar schlängeln – sogenannte Krummadern oder in neuerer Zeit Krampfadern genannt.

Natürlich gibt es auch viele Betroffene, die sich aus ästhetischen Gründen zur Verödung von Besenreisern beim Phlebologen vorstellen. Mittlerweile leidet jeder zweite Europäer unter venösen Veränderungen.

Die Tiefe Beinvenenthrombose hat in diesem Zusammenhang überhaupt nichts mit der Diagnose Krampfadern zu tun. Sie tritt bei Verletzungen, nach Operationen und längerer Bettlägerigkeit, aber auch bei Gerinnungsstörungen auf und wird ganz anders behandelt.

In der Regel findet sich eine familiäre Anamnese. Heißt das, dass wir unseren Vorfahren für unsere Krampfadern danken können?

Dr. Fuchs referierte über die Veränderungen in den letzten 30 Jahren. Es hat mittlerweile schon an vielen Stellen ein Umdenken stattgefunden. Nur in Deutschland wird die chirurgische Sanierung, die sogenannte Stripping-Operation, noch als Goldstandard bezeichnet. Dies jedoch nicht von den Ärzten, sondern von den Kostenträgern, den gesetzlichen Krankenkassen.

Endovenöse Verfahren als Alternative

In Europa, sogar weltweit, werden die endovenösen Verfahren als Therapie der ersten Wahl betrachtet. Sie sind schonender und ermöglichen den Patienten eine viel schnellere Erholungszeit. Endovenös heißt, dass die Krampfader durch einen in die Krampfader vom Unterschenkel eingebrachten Katheter mit Hitze (Laser oder Radiowelle) oder durch eine Verklebung behandelt wird.

Die Erholungszeit ist sehr kurz. Beim Venenkleber wird nicht einmal eine Narkose oder ein Kompressionsstrumpf benötigt. All diese nichtinvasiven Verfahren führen zu hervorragenden Ergebnissen und machen den Chirurgen im Prinzip überflüssig. Die vorgetragenen chirurgischen Verfahren zum Klappenersatz oder zur Anlage eines inneren Kompressionsstrumpfes, einem Kunststoff-Flicken um die Vene, sind experimenteller Art und ihr Einsatz rechtfertigt in keiner Weise die möglichen Risiken für den Patienten.

Die Vorteile weniger invasiver Verfahren und die Reaktion der Gesundheitspolitik

Die anwesenden Experten waren sich einig, dass bei den Kostenträgern ein Umdenken hin zu den weniger invasiven Verfahren stattfinden muss. Insbesondere auch unter dem Aspekt, dass sie bei gleicher Effektivität wirtschaftlicher sind. Es gibt gesetzliche Krankenkassen, die ihre Versicherten an dieser Entwicklung durch sogenannte Integrierte Versorgungsverträge teilhaben lassen. Der jetzige Gesundheitsminister von NRW, Herr Karl-Josef Laumann, hat zu seiner Zeit als Patientenbeauftragter der Bundesregierung gesagt, der Patient entscheidet, was er bekommen möchte. Notfalls wechselt er einfach die Krankenkasse. So hat es der Gesetzgeber den Krankenkassen vorgegeben.

Die Ergebnisse sind für alle Verfahren gleich. Dr. Fuchs konnte für sich und seine Patienten nur festhalten: Wenn die Resultate mit dem Venenkleber genauso hervorragend sind wie bei allen anderen Methoden, warum soll der Patient dann eine Narkose bekommen und Strümpfe tragen? Beides benötigt er beim Venenkleber jedenfalls nicht.

Also sind Diagnose und Therapie bei der Behandlung der Krampfadern klar und deutlich. Die Einzigen, die hier umdenken müssen, sind die großen gesetzlichen Krankenkassen. Warum das in den letzten 20 Jahren noch nicht geschehen ist, konnte keiner der Experten beantworten. Der Patient muss es entscheiden und gegebenenfalls wechseln. Dann wird ein Umdenken stattfinden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

Christa P., 21.10.2021 - 12:45 Uhr

Vor über 10 Jahren habe ich Krampfadern über die Radiowellen-Methode entfernen lassen. Ohne Narkose, ohne Schmerzmittel, eine örtliche Betäubung entlang der Ader, kein Strumpf danach. Keinerlei Blutergüsse, wie sie beim Stripping oft entstehen. Die Kurz und schmerzlos und erfolgreich. Als gesetzlich versicherte musste ich die Methode selbst bezahlen. Das tat weh, denn ich musste tief in die Tasche greifen. Jetzt, 2021 muss ich am anderen Bein Krampfadern entfernen lassen. Mein Frust, die DAK favorisiert immer. Noch das Stripping-Verfahren, obwohl das letztlich nicht wirklich günstiger ist ( eine Nacht in der Klinik, Narkose und die Nachsorge). Das frustriert mich, denn ich kann den Eingriff nicht erneut selbst bezahlen. Was kann tun? Ich werde auf jeden Fall den Online-Beitrag von Dr.Fuchs an die DAK weiterleiten. Warum nur tun sich Deutschland’s Gesundheitskassen so schwer , auch für ihre gesetzlich Versicherten, wissenschaftlich inzwischen bestens erforschte Verfahren zu genehmigen, und zur Verfügung zu stellen. Danke also für den Artikel! Herzlichst Christa P.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 23.10.2021

Sehr geehrte Frau Christa P., die internationalen Richtlinien haben sich verändert. Hieran sind die Krankenkassen nicht gebunden. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung empfiehlt den Versicherten, eine Krankenkasse auszusuchen, die Ihre Vorstellungen teilt. Mit besten Grüßen Dr. Fuchs

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