Screening auf Präeklampsie im ersten Trimester der Schwangerschaft

Dr. Steinhard

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© Free-Photos - pixabayBereits in frühen Phasen der Schwangerschaft kann ein Screening Informationen über eine Präeklampsie bringen. (© Free-Photos - pixabay)Die Präeklampsie ist eine ernste Erkrankung schwangerer Frauen. Sie zählt zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, also Schwangerschaftserkrankungen mit erhöhtem Blutdruck. Frauen mit Präeklampsie haben zusätzlich häufig Eiweiß im Urin und zeigen übermäßige Wasseransammlungen im Gewebe. 

Wie häufig kommt eine Präeklampsie vor?

Eine Präeklampsie tritt bei bis zu fünf Prozent aller Schwangeren auf, die zum ersten Mal ein Kind erwarten. Bei Mehrgebärenden, also Schwangeren, die bereits ein oder mehrere Kinder geboren haben, beträgt das Präeklampsie-Risiko nur noch ca. 0,5 Prozent.

Interessanterweise steigt es aber wieder, wenn Mehrgebärende einen neuen Lebenspartner haben und mit diesem erstmals ein Kind bekommen. Auch wenn der Abstand der folgenden Schwangerschaft (mit demselben Partner als Kindsvater) über fünf Jahre beträgt, steigt das Risiko wieder an. Das deutet darauf hin, dass bei der Krankheitsentstehung auch immunologische Faktoren beteiligt sind.

Welche Folgen können durch eine Präeklampsie eintreten?

Je früher in der Schwangerschaft eine Präeklampsie auftritt, desto größer ist die Gefahr, dass sie einen schweren Verlauf nimmt und für Mutter und Kind gefährlich wird. Zum einen durch das Frühgeburtsrisiko für das Neugeborene und zum anderen durch die möglichen Organschädigungen für die Mutter.

Ohne Behandlung kann die Erkrankung sich zu einer Eklampsie weiterentwickeln. Dabei auftretende Krampfanfälle können für die Schwangere als auch das Ungeborene lebensbedrohlich werden.

Die Präeklampsie geht häufig mit einer plazentabedingten Unterversorgung des Ungeborenen einher. Die Neugeborenen haben dann ein Geburtsgewicht unter der Norm und können potentiell Entwicklungsstörungen aufweisen.


Risikofaktoren für eine Präeklampsie: Beispiele

  • familiäre Veranlagung (wenn etwa die Mutter der Schwangeren oder die Schwester ebenfalls eine Präeklampsie hatte)
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Präeklampsie in einer vorangegangenen Schwangerschaft
  • bereits bestehender Bluthochdruck vor der Schwangerschaft
  • Spätgebärende (> 40 Jahre)
  • Nierenerkrankungen
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Antiphospholipidsyndrom (eine seltene Autoimmunerkrankung)
  • Fehlbildungen des Ungeborenen mit z. B. einem Hydrops fetalis, Chromosomenstörungen des Feten (z. B. Trisomien)
  • künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, ICSI) beziehungsweise bei Eizellspende (dann deutlich erhöht)

So kann eine Screening-Untersuchung helfen

Der derzeit beste Ansatz zur Abschätzung des individuellen patientenspezifischen Risikos im sogenannten Erst-Trimester-Screening ist eine Kombination aus der Bewertung von mütterlichen Faktoren und Biomarkern. 

Der Algorithmus der Fetal Medicine Foundation London (FMF-London) zur Einschätzung des Risikos wurde in einer Studie mit 58.884 Schwangerschaften geprüft. Anschließend wurde er basierend auf einer Studie mit 120.492 Schwangerschaften aktualisiert.

Neben einer genauen Erhebung der mütterlichen Anamnese (Krankengeschichte) und der Abfrage von Schwangerschaftskomplikationen der Mutter der Schwangeren werden derzeit folgende Biomarker für die Risikoberechnung genutzt:

© and.one - fotoliaSprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt über die Möglichkeiten einer Screening-Untersuchung. (© and.one - fotolia)11. bis 14. Schwangerschaftswoche:

  • Gebärmutterarterien-Pulsatilitätsindex (Doppler-Ultraschall)
  • Mittlerer arterieller Druck (Blutdruckmessung der Schwangeren)
  • Serum-Plazenta-Wachstumsfaktor (Placenta Growth Factor, PlGF im Blut der Schwangeren)

Mit dem vorhandenen Algorithmus lassen sich 90 % der frühen Präeklampsien und 75 % der späten Präeklampsien (in den letzten Wochen der Schwangerschaft) vorhersagen. Ein auffälliges Screening-Ergebnis ist in 10 % der Schwangerschaften zu erwarten.

Aktuelle Studien zeigen: Wenn bei den als „auffällig“ bewerteten Schwangerschaften noch vor der 16. Schwangerschaftswoche mit der Einnahme von einmal täglich niedrig dosierter ASS (Acetylsalicylsäure, Dosis 100-150 mg, einmal abends) begonnen wird und das bis zur 36. SSW fortgesetzt wird, kann das Risiko bis 90 % bei der frühen und bis zu 60 % bei der späten Präeklampsie reduziert werden.

Außerdem ist die Verweildauer der Neugeborenen auf eine Intensivstation im Vergleich zum nicht behandelten Kollektiv um 70 % reduziert. 

Zusätzlich reduziert ASS in der Risikogruppe das Auftreten eines untergewichtigen Neugeborenen um 73 % in der Gruppe der Frühgeburten unter der 32. Schwangerschaftswoche und um 40 % in der Gruppe unter der 37. Schwangerschaftswoche.

Aufgrund dieser Studienergebnisse sagt Prof. Nicolaides, London:

"Es gibt heutzutage keine Rechtfertigung mehr für eine weitere Verzögerung bei der Umsetzung von Strategien zur Vorhersage und Prävention von PE in der klinischen Routine!"1

Eine Risikobestimmung kann man bei zertifizierten Ärzten im Rahmen des sogenannten Erst-Trimester-Screenings durchführen lassen. Der behandelnde Frauenarzt kann hierzu beraten.


Wichtig zu beachten

ASS ist in der Schwangerschaft nicht zugelassen. Der Einsatz von ASS in der Schwangerschaft ist ein sogenannter Off-Label-Einsatz. Eine Einnahme muss ausreichend ärztlich begründet sein. Nebenwirkungen und Kontraindikationen sind unbedingt zu beachten!

Keine Einnahme von ASS in der Schwangerschaft ohne ärztliche Indikation, Aufklärung und Überwachung!

Quellen:

Nicolaides KH and Wright D; Ultrasound in Obstetrics and Gynecology; 2019; 54:564-565.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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