Venenkleber gegen Krampfadern: Was passiert damit in unserem Körper?

Dr. Fuchs

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©fotolia-88501616-zlikovecUnschöne Krampfadern lassen sich mit Venenkleber behandeln! (©fotolia-88501616-zlikovec)Patienten fragen sich häufig, was mit dem Venenkleber in ihrem Körper passiert, wenn ihre Krampfadern damit verschlossen wurden.

  • Ist der Venenkleber giftig? Nein.
  • Ist er krebserregend? Nein.

Beim Venenkleber handelt es sich um einen Cyanacrylat-Kleber, der 1942 im Labor entdeckt wurde. Seit 1958 beschäftigte sich der Ordinarius der Klinik für Kinderchirurgie an der Universität Heidelberg, Professor Dr. Walter Heiss, mit dem Kleber als Wundklebstoff und seiner Verwendung bei neuen Operationstechniken.

 

Was ist das Besondere am Venenkleber?

Es wurde bereits damals festgestellt, dass der Cyanacrylat-Kleber aufgrund seiner hervorragenden Wirksamkeit nicht mit herkömmlichen Klebstoffen verglichen werden kann. Die Verwendung von Substanzen, Materialien oder Medikamenten bei Kindern unterliegt erfahrungsgemäß noch viel höheren Nutzungskriterien und intensiveren Zulassungskontrollen.

Die „Zeit“ berichtete bereits Anfang der siebziger Jahre von diesem höchst wirksamen Ein-Komponenten-Kleber. Es handelt sich bei dem Kleber um eine klare, dünnflüssige chemische Verbindung, die bereits bei Raumtemperatur aushärten kann, wenn sie mit Feuchtigkeit in Verbindung kommt. Dieser Vorgang ist nach wenigen Sekunden abgeschlossen. Daher spricht man auch von „Super Glue“ oder zu Deutsch „Sekundenkleber“.

Nicht nur Kinderchirurgen verwenden diesen Kleber, der Einsatz ist vielseitig. Es werden mit dem Kleber nicht nur Unfall- und Operationswunden verklebt, sondern auch Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten. Weitere Möglichkeiten sind der Einsatz im Körper bei der Blutstillung an Milz, Leber und Gehirn. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Seit 1998 dürfte der Kleber vielen bekannt sein, denn er kam als Sprühpflaster auf den Markt.

 

Der Eingriff

©fotolia-62825543-tibanna79Kompressionsstrümpfe sind bei der Behandlung mit Venenkleber nicht notwendig! (©fotolia-62825543-tibanna79)Wie beim Blutabnehmen wird unter Zuhilfenahme eines Ultraschallgerätes die Krampfader punktiert und der Kleber-Katheter in die richtige Position gebracht. Die Vene wird dann unter Druck mit dem Ultraschall alle drei Zentimeter mit einem Klebepunkt verklebt, d.h., sie wird verschlossen.

Damit ist das Problem der Krampfader beseitigt. Das Blut strömt nicht mehr falschherum ins Bein zurück. Die verklebte Krampfader wird vom Körper wie ein Bluterguss aufgelöst. Nur dauert dies wesentlich länger. Üblicherweise dauert dies über ein Jahr.

Davon bemerkt der Patient jedoch nichts und eine Narkose oder Kompressionsstrümpfe sind beim Eingriff nicht erforderlich!


Aber was passiert nun mit dem Kleber?

Er wird vom Körper langsam und vollständig abgebaut. Stoffwechselbedingte Umbauprozesse führen dazu, dass der Kleber in Zwischenprodukte verwandelt wird.

Ein Teil dieser Produkte verlässt den Körper als Wasser oder als Kohlendioxid über die Atemluft. Die restlichen Substanzen sind wasserlöslich und werden über die Niere ausgeschieden. Am Ende ist die Krampfader verschwunden und der Kleber auch!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


04.07.2018 - 07:29 Uhr

Sehr geehrter Dr. Fuchs, gibt es aus Ihrer Sicht...

von Heike

... Fälle, in denen die Verwendung des Venenklebers nicht möglich ist, z.B. wegen fortgeschrittener Varikosis mit stark geschlängelten Venen? Ist dann nur ein Stripping möglich/sinnvoll, oder sehen Sie auch alternative Behandlungsmöglichkeiten. (Stammvene wurde bereits entfernt)

Dr. Fuchs

Antwort vom Autor am 04.07.2018
Dr. med. Jörg Fuchs

Sehr geehrte Frau Heike XY, eine wichtige Frage, die immer wieder gestellt wird. Der Venenkleber ist immer möglich, wenn andere Verfahren möglich sind. Wenn ein Stripping möglich ist: Ja. Wenn der Laser möglich ist: Ja. Wenn die Radiowelle möglich ist: Ja. Alle diese Verfahren, also auch der Venenkleber, funktionieren unter der Voraussetzung, dass noch eine Stammvene, Beinvorderseite oder Wade, vorhanden ist. Was kann der Venenkleber noch mehr? Er läßt sich auch punktuell in Leiste oder Kniekehle einspritzen, wenn ein Rezidiv vorliegt. Alle anderen Krampfadern, also Seitenäste primär oder als Rezidiv, lassen sich entsprechend den Empfehlungen der Fachgesellschaften mit Schaum veröden. Meine Prämisse: Keine Risiken durch eine Vollnarkose oder die nicht zugelassene Tumeszenzlokalanästhesie eingehen. Keine Belästigung des Patienten durch überflüssige Kompressionsstrümpfe. Keine Einschränkung durch die Jahreszeit, geht also auch im Sommer. Fazit: Minimale Belästigung des Patienten bei hervorragenden Ergebnissen in der Krampfaderbehandlung. Wodurch: Durch den Venenkleber. Für wen? Für jeden Betroffenen. Mit Gesetzlichen Versicherungen werden endovenöse Eingriffe über Sonderverträge abgerechnet. Melden Sie sich sehr gerne.


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