Vorteile des Venenklebers in der Krampfaderbehandlung: Die Alternative

Welche Methode vereint die meisten Vorteile in der Behandlung von Krampfadern? (© bilderzwerg - fotolia)

Wenn Betroffene mit Krampfadern nach einer für sie geeigneten Methode suchen, treffen sie oft nur auf die Stripping-Operation. Dieses Verfahren erfährt in Deutschland immer noch großen Zuspruch, obwohl das Stripping in anderen europäischen Staaten nur noch als Ersatzmethode betrachtet wird.

Warum? Das liegt daran, dass es Verfahren gibt, die ohne Narkose und ohne Kompressionsstrümpfe auskommen. Das wird in diesen Gesundheitssystemen als großer Vorteil gesehen.

Welche Alternativen werden auch in Deutschland angeboten?

Sogenannte endovenöse Verfahren, wie die Laserbehandlung oder die Radiowellentherapie. Diese thermischen Verfahren verschließen die erkrankte Vene bei einer Temperatur von 120°C. Über viele Stiche wird eine mit Betäubungsmittel vermischte Kühlflüssigkeit (Tumeszenz-Lokalanästhesie) in das Bein gespritzt.

Die Patienten verlassen den OP mit einer Kompressionswickel oder einem angepassten Strumpf/Strumpfhose. Seit vielen Jahren wird durch spezialisierte Phlebologen ein weiteres Verfahren angeboten, das in diesem Artikel genauer betrachtet werden soll: der Venenkleber.

Was ist der Venenkleber und welche Vorteile hat er?

Im Prinzip werden hier ein medizinischer Kleber und ein Kathetersystem zusammengebracht, um damit die Krampfadern zu verkleben. Im Gegensatz zum Laser oder der Radiowelle entsteht bei diesem Verfahren keine Hitze und es kann auch narkosefrei eingesetzt werden.

Das bietet viele Vorteile, denn bei einem narkosefreien Verfahren sind keine Narkoserisiken zu beachten. Gesundheitliche Einschränkungen können außer Acht gelassen werden. Das betrifft Patienten mit einem Herzschrittmacher, mit einem Diabetes, mit gerinnungshemmenden Medikamenten sowie ältere Patienten. Sie können genauso behandelt werden wie jüngere und gesunde Krampfaderpatienten.

Der Patient muss auch nicht nüchtern sein und darf alle Medikamente einnehmen. Der Diabetiker kann sein Insulin spritzen und ganz normal frühstücken. Kompressionsstrümpfe müssen nicht getragen werden. Ein großer Vorteil für diejenigen, die sie selbst nicht anziehen können und dann auf den Pflegedienst angewiesen sind.

Was ist das für ein Venenkleber?

Beim Venenkleber handelt es sich chemisch um Cyanoacrylat. Die meisten kennen den Kleber als Sprühpflaster oder zum Verschluss von Wunden in der Notfallambulanz. In den 1940er Jahren entdeckt, ist er seit den 60er Jahren aus dem medizinischen Einsatz nicht mehr wegzudenken.

Er ist nicht giftig, nicht krebserregend, führt zu keinen Allergien und ganz wichtig, er ist biokompatibel, d.h., er wird vom Körper nach circa 18 Monaten vollständig abgebaut. Man kann sagen: Die Vene ist resorbiert und der Kleber abgebaut und aus dem Körper ausgeschieden.

Gibt es Langzeitbeobachtungen, die die Effektivität und Bedenkenlosigkeit nachweisen?

In einer Beobachtung während der letzten acht Jahre stellten Venenkleber-Spezialisten aus Köln, München, Hildesheim und Berlin ihre Ergebnisse auf dem diesjährigen Phlebologen-Kongress in Leipzig vor. Über 5.000 Eingriffe an fast 3.000 Patienten wurden nachverfolgt und mit den Resultaten anderer Verfahren verglichen.

Die Effektivität des Venenklebers liegt nach acht Jahren bei 96 Prozent Verschlussrate und ist damit genauso erfolgreich wie die Vergleichsverfahren (s.o.). Und dies gilt für alle Stadien, also auch für Patienten mit komplizierten Befunden.

Die Begleitwirkung, die bei dieser Studie am häufigsten dokumentiert wurde, war eine kurzzeitige, vorübergehende Rötung im Bereich der Knieinnenseite bei jedem zehnten Patienten.

Wie muss man sich den Eingriff vorstellen?

In der Voruntersuchung werden mit dem Ultraschallgerät der genaue Befund und die Vorgehensweise geklärt. Liegen Krampfadern vor und kann die Vene mit einer Sonde (Stripping-OP) oder einem Katheter (Laser/Radiowelle) durchfahren werden, kann auch immer der Venenkleber eingesetzt werden. Zum Termin kommt der Patient selbständig mit dem Auto oder zu Fuß. Während des Venenkleber-Eingriffes kann der Patient immer mit dem Behandler sprechen.

Nach dem Eingriff steht der Patient auf, zieht sich an und tut das, was er möchte. Es gibt keine Einschränkungen.

Worin bestehen die Vorteile des Venenklebers?

  • keine Narkose, daher keine Einschränkungen in der Durchführbarkeit
  • keine Kompressionsstrümpfe
  • nicht nüchtern sein müssen
  • sofort mobil und ohne Einschränkungen

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 30

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (10)

Carola B., 06.09.2021 - 02:20 Uhr

Guten Tag, ich leide unter Krampfadern. Derzeit habe ich dadurch eine Thrombose die ausheilen muss. Danach möchte ich die Krampfadern behandeln lassen. Ich bin gesetzlich Versichert. Übernimmt diese Leistung die Kasse oder muss ich es selbst bezahlen? Wenn ja, mit welcher Summe muss ich rechnen? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Beste Grüße Carola B.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 06.09.2021

Sehr geehrte Frau Carola B., endovenöse Behandlungen der Krampfadern können über sogenannte Integrierte Versorgungsverträge abgerechnet werden, wenn Sie in der richtigen gesetzlichen Krankenversicherung Mitglied sind. Nicht alle GKV nehmen daran teil. Dann kann der Betroffene seine Kasse wechseln, sagt der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, und dann funktioniert es. Ansonsten entstehen für die Behandlung eines Beines Kosten von circa 2100 € für den Eingriff. Beste Grüße aus Köln - Dr. Fuchs

Sylvia H., 27.08.2021 - 13:20 Uhr

Ich habe aktuell Krampfadern an beiden Beinen und möchte kein Stripping! Wo kann ich mich bzgl. Ihren Behandlungsmethoden des Venenklebers in Augsburg hinwenden? Und kann hier eine Abrechnung über die Krankenkasse vorgenommen werden, oder werden ausschließlich Privatpatienten angenommen? LG Sylvia

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 30.08.2021

Sehr geehrte Frau Sylviy H., in München finden Sie zwei Venenkleber-Zentren. Ob hier die Abrechnung über die Krankenkasse stattfinden kann, läßt sich nicht beantworten. Ich empfehle Ihnen eine Videosprechstunde bei mir, so dass sich alle Fragen schnell und sicher beantworten lassen. Die Videosprechstunde können sie über mein jameda-Portal vereinbaren. Beste Grüße - Dr. Fuchs

Krause, 18.05.2021 - 18:06 Uhr

Ihr Artikel hat sehr klar die Vorteile des Venenklebers aufgezeigt. Da ich eine Krampfader am rechten Oberschenkel habe, welche sehr häufig Schmerzen verursacht, würde ich gerne diese Behandlungsmethode wagen. Laut Ihrer Aussage gibt es einen Kollegen von Ihnen in Hildesheim. Wie heißt dieser Kollege? Damit ich mit Ihn in Verbindung setzen kann.

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 19.05.2021

Sehr geehrter Herr/Frau Krause, suchen sie bitte im Internet unter Medical Prevention Center Hildesheim, Drs. Thum. BG aus Köln - Dr.Fuchs

Ulla G., 23.02.2021 - 15:14 Uhr

Das hört sich für mich phantastisch an! Aber: Ich bin schon 78 J. alt, und meine Unterschenkel haben an den Innenseiten plattenartige Verhärtungen, geht das dann auch noch? Mehrere Venenstrippings habe ich hinter mir, sie liegen ca 28 J. zurück. Meine Probleme werden derzeit von versch. Ärzten auf defekte Venen zurückgeführt. Gibt es in Berlin einen Arzt, der diese Behandlung, die Sie hier darstellen, durchführen kann? Danke für eine Antwort!

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 27.02.2021

Guten Morgen Frau G., in Berlin gibt es Saphenion an der Friedrichstrasse. Herr Dr. Zierau wird Ihnen gerne weiterhelfen. Wie immer sollte vor einer vernünftigen Therapie auch eine vernüftige Diagnostik stattfinden. Grüße aus Köln Dr. Fuchs

Gretel S., 25.01.2021 - 14:10 Uhr

Wo kann ich mir die Venenkleber Methode machen lassen?

Antwort von Dr. med. Jörg Fuchs, verfasst am 26.01.2021

Sehr geehrte Fraau Gretel S., weiteres erfahren Sie auf meinem Jameda-Profil oder unter gefaessmedizin-plus.de oder venenkleber.koeln Gerne begrüße ich Sie in meiner Praxis in Köln. Falls Sie nicht in der Nähe wohnen, es gibt auch Zentren in Berlin/Rostok, München und Hildesheim. Beste Grüße, Dr. Fuchs

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?