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Das jameda-Interview: 8 Fragen an Frau Dr. med. Katja Yazdi Rad

Dr. Yazdi Rad

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© Yazdi RadFrau Dr. Yazdi Rad praktiziert als Allgemeinmedizinerin in Frankfurt. (© Yazdi Rad)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. med. Katja Yazdi Rad interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Allgemeinmedizinerin.

jameda: Frau Dr. Yazdi Rad, was hat Sie motiviert, Allgemeinmedizinerin zu werden?

Frau Dr. Yazdi Rad: Ich habe die Homöopathie und damit das ganzheitliche Betrachten eines Menschen bereits im Medizinstudium kennengelernt. In der Allgemeinmedizin ist es ebenfalls erforderlich, ganzheitlich zu arbeiten. Hier steht der Mensch als Zusammenhang im Mittelpunkt des Interesses und nicht nur seine Einzelteile. Der Mensch ist ein Beziehungswesen, sowohl auf der Mikro- als auch auf der Makroebene. Die Allgemeinmedizin ist das ideale Fach, um den Menschen im Kontext seiner inneren Regelkreise und seiner Umwelt zu betrachten.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Frau Dr. Yazdi Rad: Die größte Freude im Praxisalltag ist, wenn ein zuvor bedrückter Mensch motiviert die Praxis verlässt, weil wir gemeinsam einen Handlungsspielraum geschaffen haben, in dem der Patient der Hauptakteur ist.

Die größte Herausforderung ist es, den Menschen dazu zu motivieren, statt der passiven Rolle gegenüber seiner Erkrankung wieder eine aktive, gestaltende Rolle zu übernehmen.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Frau Dr. Yazdi Rad: Dem Vorurteil „viel hilft viel“. Nach meiner Erfahrung ist weniger oft mehr. Damit meine ich nicht nur, dass häufig medikamentös übertherapiert wird. Ich beobachte, dass manchmal auch ein gutes Gespräch Denkblockaden oder festgefahrene Glaubenssätze lösen kann. Dadurch ist auch die Herstellung des inneren Gleichgewichtes wieder möglich.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Frau Dr. Yazdi Rad: Ratschläge von Menschen, die ähnliche Situationen nie selbst erlebt haben, werden oft als „Schläge“ empfunden. Es ist am hilfreichsten aufzuzeigen, wie sich andere Menschen in ähnlichen Situationen helfen konnten.

Auf jeden Fall rate ich immer, sich das Fenster zum Licht nie von anderen schließen zu lassen. Bei mir stirbt die Hoffnung zuletzt.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Frau Dr. Yazdi Rad: Das Wort „befolgen“ gefällt mir nicht. Ich gebe Empfehlungen auf Grundlage eines gemeinsamen Gespräches und von Untersuchungen.

Diese sollten für den Patienten umsetzbar sein. Wenn ihm etwas nicht gefällt, suche ich nach Alternativen. Ich sehe meine Behandlung als Resultat einer Teamarbeit mit dem Patienten auf Augenhöhe.

Stumpfes Befolgen von Vorgaben gehört der Vergangenheit an.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Frau Dr. Yazdi Rad: Ich würde die Präventivmedizin in den Fokus rücken. Präparate auf Pflanzenbasis mit geringeren Nebenwirkungen – am besten keinen – als Kassenleistung anbieten. Gesprächsziffern für Ärzte erstellen, damit die sprechende Medizin angemessen honoriert wird. Ärzte können auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht intensiv beraten, weil die Beratung nicht bzw. zu wenig honoriert wird. Hier liegt ein systemisches Defizit vor, das verbesserungswürdig ist.

Die berühmten Zivilisationskrankheiten könnten verhindert werden, wenn die Aufklärung über bestimmte Zusammenhängebesser wäre: gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und den relevanten Einfluss der Gedanken auf den Geist.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Frau Dr. Yazdi Rad: Verbesserungspotential gibt es vor allem bei dem häufig fehlenden ganzheitlichen Blick. Der punktuelle Blick z. B. nur auf ein Organ blendet eben den Menschen als Kontinuum aus. Für die Notfallmedizin finde ich das punktuelle Schauen absolut angebracht. In anderen Bereichen der Medizin halte ich den eingeschränkten Blick für schädlich.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Frau Dr. Yazdi Rad: Das Neue in meiner Praxis ist altes Wissen und neues Wissen zusammenzufügen. Kein Entweder-oder, sondern eine Synthese aus universitärer Medizin und Naturheilkunde.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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