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Das jameda-Interview: 10 Fragen an Dr. med. Amir S. Naderi

Dr. Naderi

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© Dr. med. Amir S. NaderiDr. med. Amir S. Naderi praktiziert als Internist in einer Privatpraxis in Hamburg (© Dr. med. Amir S. Naderi)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Amir S. Naderi interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Internist.


jameda:
Herr Dr. Naderi, was hat Sie motiviert, Internist zu werden?

Herr Dr. Naderi: Unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist das Resultat eines komplexen Zusammenspiels von Prozessen, das weit mehr ist als das Funktionieren von Zellen und Organen. Das Denken der Menschen, Ihre Lebensweise, die Genetik, ihre Gewohnheiten, Stressfaktoren, soziale und kulturelle Faktoren, Glaubensbekenntnisse und viele weitere Faktoren spielen eine wichtige Rolle, damit wir uns gesund fühlen.

Im Rahmen meiner sechsjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin in den USA und in Deutschland hatte ich die Möglichkeit an exzellenten Universitätskliniken und Krankenhäusern sehr viel über Menschen verschiedener Kulturen und sehr vielen Krankheiten zu lernen. In den letzten Jahren konnte ich durch Hypnose, autogenes Training sowie weiterer Methoden erfahren, wie maßgebend unser Denken unsere Gesundheit beeinflusst. Internist zu werden war für mich die Möglichkeit, ein fundiertes Basiswissen zu erlangen, um Menschen ganzheitlich helfen zu können.


jameda:
Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Dr. Naderi: Ich habe über 10 Jahre an Universitätskliniken sowie anderen Krankenhäusern als Arzt gearbeitet. Diese Zeit war für mich sehr lehrreich, da eine stationäre Behandlung von Patienten recht komplex sein kann. Seit 3 Jahren praktiziere ich nun in meiner Privatarztpraxis. Im Vergleich zum Krankenhaus gefällt mir, dass ich meine Patienten immer wieder sehe und sie langfristig behandeln kann.

Während es bei der Behandlung von Patienten im Krankenhaus um die Behandlung einzelner Krankheitsbilder ging, geht es in der ambulanten Versorgung darum, Patienten langfristig zu behandeln. Hierbei ist es erst möglich Menschen in möglichst vielen Facetten kennenzulernen. Ich bin davon überzeugt, dass ich als Arzt einem Patienten nur helfen kann, wenn ich ihn verstanden habe. Dies ist in der ambulanten Medizin einfacher als in der stationären Versorgung von Patienten.


jameda:
Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis? 

Herr Dr. Naderi: Ich entsinne mich nicht, in der Praxis Vorurteilen begegnet zu sein. Ein häufiges Missverständnis ist jedoch, dass Patienten der Ansicht sind, dass viele Krankheiten im Krankenhaus besser behandelt werden können. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass wir in der ambulanten Medizin eine solide Diagnostik durchführen können und auch unsere Patienten sehr gut ambulant behandeln können.

Nehmen Sie als Beispiel: Eine intravenöse Antibiotikatherapie würde die Durchführung von Funktionstests, welche den Stoffwechsel betreffen, notwendig machen. Häufig werden Patienten hierfür in die Klinik eingewiesen. In meiner Praxis kann ich diese Leistungen sowie viele weitere ärztliche Leistungen ambulant einbringen. Bei schwer kranken Patienten konnte ich durch regelmäßige Hausbesuche beispielsweise viele Krankenhausaufenthalte vermeiden.


jameda:
Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Herr Dr. Naderi: Schmerz ist nicht Schmerz und Leid ist nicht leid. Unsere Wahrnehmung davon, was Schmerz und Leid sind, hängt ganz von unserer Denkstruktur ab. Auch die Toleranz von Schmerz und Leid ist zu einem gewissen Maße modifizierbar. Wenn es um chronische Schmerzen oder chronische Krankheiten geht, reicht es bei weitem nicht aus Patienten nur Medikamente zu verschreiben.

Hierbei spielen die Arzt-Patienten-Bindung sowie das Arzt-Patienten-Verhältnis eine sehr große Rolle. Neben der fachlichen Kompetenz eines Arztes spielen hierbei im Genesungsprozess echte Empathie, eine sorgfältige Behandlung sowie viele weiteren Faktoren eine zentrale Rolle. Meine Empfehlung ist, dass jeder Patient sich einen Arzt seines Vertrauens aussucht, wobei die fachliche Kompetenz eines Arztes allein zwecks Behandlung chronischer Erkrankung nicht ausreichend ist.


jameda:
Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Dr. Naderi: Es kommt vor, dass Patienten Medikamente nicht einnehmen. Aufgrund meines Vertrauensverhältnisses teilen mir die Patienten das offen mit. Ich nehme das zum Anlass mir mehr Zeit zu nehmen, um ihre Entscheidung besser zu verstehen und sie besser aufzuklären. Wie gesagt lässt es sich von Vornherein vermeiden, wenn zu Beginn einer Therapie bereits ein ausführliches Gespräch stattgefunden hat. Darin sollte man als behandelnder Arzt vor der Verordnung von Medikamenten auf diese Punkte eingehen.


jameda:
Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Dr. Naderi: Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist für den Heilungsprozess von großer Bedeutung. Dieses Vertrauensverhältnis kann nur langsam aufgebaut werden, wobei das Zuhören, das Verstehen eines Menschen, eine ausführliche körperliche Untersuchung sowie anschließend notwendige Zeit um Fragen zu beantworten hierbei eine große Rolle spielen. Demnach würde ich dem ärztlichen Gespräch und der körperlichen Untersuchung für das Gesundheitssystem einen größeren Stellenwert einräumen, wenn ich das könnte. Eines der wesentlichen Gründe, warum ich die Entscheidung getroffen habe privatärztlich zu praktizieren ist, dass ich mir in meiner Sprechstunde hierfür die notwendige Zeit nehmen kann.


jameda:
Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Naderi: Diese Frage lässt sich nicht pauschalisieren, da jeder Arzt fachlich sowie persönliche Stärken sowie Schwächen hat.


jameda:
Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Dr. Naderi: Die Geräte in meiner Praxis entsprechen dem neuesten technischen Standard. Ich denke nicht, dass ich mich hierdurch von anderen modernen Praxen unterscheide. In 80 % der Fälle kann ich durch Erhebung der Anamnese, eine ausführliche körperliche Untersuchung sowie ein Standardlabor, Ultraschall und EKG die Diagnose stellen. Der Einsatz anderer Geräte in meiner Praxis ist seltener erforderlich. 

Somit liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit nicht in der Gerätemedizin, sondern in den Gesprächen mit meinen Patienten, der körperlichen Untersuchung, dem Vertrauensverhältnis, dem außerordentlichen Service meiner Praxis sowie der guten Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsdienstleistern in meinem Netzwerk, denen ich Vertrauen schenke.

Wenn ich in diesem Zusammenhang eine Analogie anbringen darf: Vergleichen Sie die Musik eines Virtuosen, der auf einem mittelmäßigen Instrument spielt und vergleichen Sie die Melodie mit einem Hobbymusiker, der sich eine Stradivari geleistet hat. Gute Ärzte diagnostizieren und therapien mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln. Daher zolle ich vielen Kollegen in Entwicklungsländern, die weniger technische Möglichkeiten haben, aber gelernt haben, gut zu diagnostizieren und zu therapieren, hohen Respekt.


jameda:
Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Naderi: Ja, natürlich! Im Laufe der Jahre ereignet sich in den vielen tausend Patienten-Arzt-Beziehungen, die ich hatte, doch so einiges, an das man sich erinnern kann.


jameda:
Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Herr Dr. Naderi: Kurz und knapp: Bewegung ist Leben. Körperliche Betätigung ist essenziell für unsere psychische und körperliche Unversehrtheit. Ein weiteren Gesundheitstyp, den ich habe, ist: Alles in Maßen, die Dosis macht das Gift (frei zitiert nach Paracelsus).


Zur Person

Dr. Amir Naderi ist Facharzt für Innere Medizin und Nierenheilkunde. Er absolvierte seine Weiterbildung an international normierten Universitätskliniken in den USA sowie in Deutschland. Neben einer fundiert schulmedizinischen Behandlung legt er großen Wert auf eine ganzheitliche Behandlung seiner Patienten.


© Dr. med. Amir S. NaderiPrivatpraxis Dr. med. Amir S. Naderi in Hamburg (© Dr. med. Amir S. Naderi)Zur Praxis

Dr. Amir Naderi praktiziert in seiner privatärztlichen Praxis in Hamburg Nienstedten. Zusammen mit seinen beiden Geschwistern leitet er die Elbpraxis. Herr Dr. Naderi ist sowohl hausärztlich internistisch als auch fachärztlich nephrologisch tätig. Zu seinen Schwerpunkten gehören die Behandlung von Bluthochdruckerkrankungen, Nierenerkrankungen, Vorsorge und Check-up-Untersuchungen, Konfliktbewältigung sowie eine ganzheitliche Medizin.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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