Das jameda-Interview: 8 Fragen an Herrn Dr. med. Hans-Georg Justl

Dr. Justl

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© JustlHerr Dr. Justl praktiziert als Internist in Nürnberg. (© Justl)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Hans-Georg Justl interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Internist.

jameda: Herr Dr. Justl, was hat Sie motiviert, Arzt zu werden und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Herr Dr. Justl: Die Innere Medizin als nicht-operatives Fachgebiet ist für mich deshalb so interessant, weil die Funktionen der Inneren Organe vernetzt sind. Die Möglichkeit, Symptome durch systematisches Vorgehen bestimmten Organen zuzuordnen, ist für mich wie ein spannendes Puzzle. Auf diese Art eine Lösung für die Situation der Patienten zu finden, ist für mich auch nach vielen Jahren der praktischen Tätigkeit als Internist noch eine Herausforderung.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Herr Dr. Justl: Der Schwerpunkt Diabetes beinhaltet vielfältige Aspekte, neben der aktuellen Blutzuckerkontrolle auch die Vermeidung oder Minderung von Folgeschäden an diversen Organen.

Die ganz unterschiedlichen Tagesabläufe und Ernährungsgewohnheiten, die sich durch die berufliche und private Situation ergeben, erfordern stark individualisierte Lösungen in der Diabetes-Therapie.

Es gibt keine Standardtherapie und keinen Standardfall. Die weiteren Hormonstörungen erfordern gleichermaßen eine Hinwendung zur aktuellen Lebenssituation der Patienten. 

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Herr Dr. Justl: Professor Dr. Bruno Allolio, als mein Doktorvater während der Studienzeit 1992 bis 1998 und später als Leitender Arzt des Schwerpunktes Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Würzburg während meiner letzten Weiterbildungsphase 2007-2008.

Als bedeutsamer Hormonforscher (Schwerpunkt Nebennieren) und gleichzeitig als klinisch tätiger Arzt, der stets besonders bemüht war, in schwierigen Kankheitsfällen Lösungen zu finden, hat er mich nachhaltig beeindruckt. 

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern?

Herr Dr. Justl: Neue unblutige, kontinuierlich aufzeichnende Blutzuckermeß-Systeme ermöglichen detailliertere Analysen von Blutzuckerverläufen. Gleichzeitig sind diese sehr anwenderfreundlich und erleichtern somit den Alltag der Patientinnen und Patienten. 

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Herr Dr. Justl: Durch neue Medien ergeben sich durchaus mehr Möglichkeiten, dass sich Patienten auch ohne direkten Arztkontakt informieren und ggf. selbst helfen können.

Hierbei sollte jeder Arzt bemüht sein, den Kenntnisstand, den sich der Patient erarbeitet hat, erstmal zu respektieren. Dennoch halte ich den direkten Arzt-Patient-Kontakt und die Nutzung der langjährigen Erfahrung des behandenden Arztes in den meisten Fällen für unverzichtbar.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Herr Dr. Justl: Ich bin dankbar, einen großen Teil meiner Patientinnen und Patienten bereits seit langem kontinuierlich betreuen zu dürfen, einige schon seit 10 Jahren (seit der Niederlassung in Nürnberg 2010).

Hierbei ergibt sich über die Jahre ein besonderes Vertrauensverhältnis. Wenn diese Patienten Zufriedenheit zeigen und Dankbarkeit zurückgeben, freut mich das sehr.

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Justl: Eine extrem übergewichtige, erst 19-jährige Patientin, die im Alter von 10 Jahren ihren geliebten Vater verloren hatte und dann von ihren Klassenkameraden in besonders bösartiger Weise ausgegrenzt und verspottet wurde.

Sie wurde immer wieder mit der aus der Zeitung ausgeschnittenen und mehrfach kopiertenTodesanzeige ihres Vaters belästigt, ein unmenschliches Verhalten der Mitschüler. Diese Patientin wurde depressiv und begann, aus Trauer und Frust, immer mehr zu essen, bis sie über die Jahre 200 kg Gewicht erreicht hatte und jetzt kaum mehr auf einem Stuhl sitzen kann. Fast immer findet man bei stark übergewichtigen Patienten eine schlimme Erfahrung in der Kindheit.

Deshalb finde ich es besonders wichtig, diesen Patienten ihr Übergewicht nicht als selbst-verschuldete Situation oder nur als Folge einer übermäßigen Kalorienzufuhr vorzuwerfen. Vielmehr sollte man diese als ersten Schritt zunächst von Schuldgefühlen befreien, um eine Gewichtsreduktion zu erzielen.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Justl: So oft es geht das Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad oder zu Fuß ans Ziel kommen. Mehr Bewegung gelingt oft am besten, wenn sie in den Alltag integriert ist. Es lohnt sich sehr, positives Gesundheitsverhalten in Routinevorgänge einzubauen.

Zur Person

  • Geb. am 23.01.1970
  • Studium und Promotion an der Universität Würzburg
  • Weiterbildung Innere Medizin in Nürnberg
  • Facharztbezeichnung Innere Medizin seit 2005
  • Schwerpunktbezeichnung Endokrinologie und Diabetologie seit 2008
  • Niederlassung in eigener Praxis seit 2010
  • Verheiratet, zwei Kinder
  • Hobbies: Radfahren, Tennis

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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