Das jameda-Interview: 9 Fragen an Prof. Dr. med. Günter Görge

Prof. Dr. Görge

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Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Prof. Dr. Görge interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Internist.

jameda: Herr Prof. Dr. Görge, was hat sie motiviert, Internist zu werden?

Prof. Dr. Görge: Eigentlich wollte ich zu Beginn meines Studiums Orthopäde und Sportmediziner werden. Im sogenannten Untersuchungskurs lernte ich aber einen beeindruckenden, sehr guten Internisten und Kardiologen kennen. Innere Medizin ist ein sehr breites Fach, das finde ich noch immer spannend.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie  die größten Herausforderungen?

Prof. Dr. Görge: Die größte Freude ist gleichzeitig die größte Herausforderung: Wenn man bei einem Patienten etwas wirklich Wichtiges bewirken kann. Sei es eine neue Diagnose oder das Erreichen eines besseren Umgangs mit einer chronischen Krankheit.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Prof. Dr. Görge: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Oft ist die Aufmunterung und die Unterstützung besonders wichtig und hilft mehr als pausenloses Ermahnen. Außerdem kommt es oft auf das „Drumherum“ an, die Organisation von Hilfe und Unterstützung im Alltag.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Prof. Dr. Görge: Ich frage mich, was ich da falsch gemacht habe. Habe ich den Patienten nicht verstanden?

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Prof. Dr. Görge:  Bessere Verzahnung der Versorgungsebenen und angemessene Vergütung der „sprechenden Medizin“.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Prof. Dr. Görge: Sicher individuell sehr verschieden und ich bin mit den Verbesserungen bei mir persönlich schon genug beschäftigt, da brauche ich den Kolleginnen und Kollegen nicht auch noch gute Ratschläge zu geben.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Prof. Dr. Görge: Fortschritt besteht entweder aus Innovation, also etwas ganz Neuem, oder in der neuen Kombination von Bekanntem zu etwas Nützlichem, wie z.B. beim Smartphone. Ich bin eher der Typ „Smartphone“: Ich bevorzuge eine Kombination von aktueller Medizintechnik und leitlinienkonformer Medizin, um daraus für den einzelnen Patienten eine optimale Diagnostik und Therapie abzuleiten.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Prof. Dr. Görge: Einen jungen Familienvater mit Verdacht auf Herzinfarkt, der nicht in die Klinik wollte, weil er unbedingt zum 4. Geburtstag seiner Tochter wollte, doch ins Krankenhaus eingewiesen zu haben. Kaum im Krankenhaus, erlitt er einen Herzstillstand bei Kammerflimmern, konnte aber erfolgreich wiederbelebt werden - ohne Folgeschäden.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Prof. Dr. Görge: Steht schon in der Bibel: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Wir vergessen leider oft den zweiten Teil des Satzes. Da geht es um Achtsamkeit. Achtsamkeit ist der Ausgangspunkt für alles Gute für uns selber.

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