Lexikon: Faszientraining

Faszien können eine entscheidende Rolle bei Rückenschmerzen spielen. (© Daniel Philipp)

Faszientraining ist eine relativ neue, moderne Trainingsform, die Verklebungen in den Faszien lösen kann und so hilft, Schmerzen zu reduzieren und die volle Muskelfunktion wiederherzustellen.


Was sind eigentlich Faszien?

Das Fasziengewebe ist ein dreidimensionales Netzwerk aus Bindegewebe, das unsere Muskeln, Knochen und weichen Organe umgibt. Die Faszien bilden eine stabile, aber elastische Struktur, die die Bewegung der Gelenke unterstützt und den Fluss der Körperflüssigkeiten leitet.

Faszien spielen in der medizinischen Diagnostik eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Behandlung von Rückenschmerzen und Muskelbeschwerden. Denn sie gelten heute als Promotoren für die Entstehung vieler Krankheiten.

Man unterscheidet je nach Vorkommen und Funktion drei Arten von Fasziengewebe:

1. Die Faszien unter der Oberhaut:

Sie werden oberflächliche Faszien genannt. Ihre Hauptaufgabe ist die Pufferfunktion. Da diese Faszienschicht über den ganzen Körper verbunden ist, wird vermutet, dass sie auch als "Kommunikationssystem" fungiert. So machen sich Beschwerden im Fuß, manchmal auch in der Schulter bemerkbar.

2. Das tiefe Fasziengewebe:

Dieses Gewebe umschließt nicht nur die Muskulatur, sondern auch Knochen und Gelenke. Des Weiteren werden auch gelenkige und muskuläre Bestandteile wie Sehnen, Bänder und Kapseln von diesem Gewebe umhüllt. Zudem sind diese Faszien mit Nervenendungen versehen, sodass das Gehirn die zahlreichen Informationen – wie Lage, Zug oder Schmerzen – übermittelt bekommt.

3. Die sogenannten "viszeralen" Faszien:

Sie sind vor allem an der Befestigung der inneren Organe beteiligt.

 

Faszien und Schmerzen

Verklebte Faszien können sich durch ausstrahlende Schmerzen bemerkbar machen.
Es gibt Hinweise darauf, dass durch Krafttraining nicht nur Mikroverletzungen in der Muskulatur hervorgerufen werden, sondern auch in den umhüllenden Faszien. Diese Mikrotraumata können über die freien Nervenendungen in den Faszien einen Schmerzreiz an das Gehirn weiterleiten.

Da das Forschungsinteresse bezüglich der Faszien in den letzten Jahren immens zugenommen hat, konnte eine weitere Funktion des Gewebes aufgedeckt werden. So sind Faszien dazu in der Lage, sich eigenständig, vollkommen unabhängig von der Muskulatur, zusammenzuziehen. Durch diese Erkenntnis lässt sich der Rückschluss ziehen, dass Faszien sich, zum Beispiel als Reaktion auf Stress, zusammenziehen können.

Dadurch wird in der weiteren Reaktionskette die Funktionsfähigkeit der Muskulatur eingeschränkt. Für Verspannungen und Schmerzen lässt sich also durchaus die Ursache nicht rein in der Muskulatur, sondern vor allem im Fasziengewebe suchen. Durch bestimmte Übungen können die Faszien wieder geschmeidig gemacht werden. Die Behandlung wird allerdings häufig als unangenehm und schmerzhaft empfunden.

 

So können Faszien trainiert werden

Faszien lassen sich trainieren, ähnlich wie Muskeln. Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf der Steigerung des Volumens oder der Kräftigung, sondern auf der Gewährleistung einer effektiven Funktion. Regelmäßiges Training verbessert die Beweglichkeit der Faszien. Verklebungen oder gar Verknotungen können so verhindert werden. Faszien können durch regelmäßiges Dehnen trainiert werden, da durch die Dehnung die Beweglichkeit des Gewebes verbessert wird.

Eine Faszienrolle ist besonders geeignet, um die Faszien zu trainieren, indem Druck- und Dehnungsreize auf das Gewebe ausgeübt werden. Dadurch wird es mit "frischer" Lymphflüssigkeit versorgt, was die Bildung von Verklebungen verhindert. Eine Massage lockert ebenfalls die verklebten Faszien. Die Querdehnung bzw. Dehnung der Muskulatur wirkt beim Faszientraining unterstützend.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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