Gesundheitsrisiko Hitze: Hohe Temperaturen und Medikamente

Die Hitze hat Einfluss auf die Wirksamkeit von Medikamenten (©lunamarina - fotolia)

Deutschland ächzt unter der Hitze und genießt die heißen Stunden am See und am Meer. Allerdings bergen die hohen Temperaturen auch besondere Gefahren für uns alle. Speziell ältere Menschen und Kleinkinder können durch die hohen Temperaturen gefährdet sein.

Vorsicht vor Hitzeschlag und Sonnenstich

Zu den bekanntesten Hitzeschäden gehören der Sonnenstich und der Hitzeschlag. Es gibt jedoch auch hitzebedingte gesundheitliche Symptome wie Krämpfe, Erschöpfungszustände bis hin zu einem Kollaps. Treten folgende Symptome auf, sollten Sie umgehend einen Arzt rufen: Krämpfe in Armen und Beinen, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit und Anzeichen einer Austrocknung wie Mattigkeit oder Schwindel.
Schützen Sie sich und beugen Sie einem Sonnenstich oder Hitzeschlag vor, indem Sie

  • Erhöhten Flüssigkeitsbedarf decken: mindestens 2-3 Liter am Tag trinken – ideal sind Mineralwasser, Kräutertees oder verdünnte Fruchtsäfte. Nicht auf den Durst warten – „auf Vorrat trinken“. 
  • den Mineralverlust Ihres Körpers durch salzhaltige Lebensmittel ausgleichen.
  • Sportliche Aktivitäten oder eine Arbeit im Freien möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden legen.
  • leichte, lockere Kleidung tragen und auf UV-Schutz achten.
  • Direkte Sonneneinstrahlung meiden: Tragen Sie im Freien eine leichte Kopfbedeckung. Cremen Sie sich ausreichend mit Sonnencreme ein.
  • Kinder nicht zu lange direkter Sonneneinstrahlung aussetzen, sich mit Sonnencreme schützen sowie eine den Körper bedeckende leichte Kleidung und Kopfbedeckung tragen. Ähnliches gilt auch besonders für ältere Menschen.

Muss ich meine Medikamente anders einnehmen, wenn es so heiß ist?

Auch auf die Wirksamkeit von Medikamenten haben die Temperaturen einen starken Einfluss. Einerseits müssen Medikamente vor großer Hitze geschützt werden, da diese dadurch in ihrer Wirkung schwächer oder unwirksam werden können. Andererseits können bei hohen Temperaturen besondere Nebenwirkungen der sonst vertrauten und bewährten Medikamente auftreten.

Hitze für wenige Tage kann zu einem Abfall des Blutdrucks führen. Daraus ergibt sich noch kein Grund für eine Änderung der blutdrucksenkenden Medikamente – aber für Ihr Verhalten. Hitze und direkte Sonne meiden! Sie sollten den Blutdruck in dieser Zeit regelmäßig messen. Nur ein längerer Aufenthalt in tropischem Klima kann eine medikamentöse Neueinstellung durch Ihren Arzt notwendig machen.

Auch gesunde Menschen leiden unter starker Hitze. Nicht jedes neu hinzugekommene Symptom muss also immer mit einer Verschlechterung im Sinne einer medikamentösen Nebenwirkung zu tun haben. Allein aus diesem Grund sollten sie ihre bisherige Dosierung nicht selbstständig verändern, sondern sollten dies mit Ihrem Arzt besprechen.
Menschen, die „hitzeempfindlich“ oder krank sind und deshalb Medikamente einnehmen müssen, sollten schon beim Verdacht auf hitzebedingte Beschwerden einen kühleren Ort aufsuchen.

Achtung: Diese Medikamente verhalten sich bei Hitze anders

In der aktuellen Literatur finden sich nur wenige Angaben zu Nebenwirkungen von Medikamenten, die durch Hitze ausgelöst werden können. Bei erhöhter Umgebungstemperatur reagiert der Körper mit gezielten Anpassungsmechanismen, welche mit bestimmten Medikamenten ungewöhnliche Symptome hervorrufen können.
Vorsicht ist bei Einnahme folgender Medikamente geboten: Antibiotika generell, entwässernde Tabletten (z.B. bei Nierenproblemen), Cholesterinsenker, Herzmittel (Betablocker), Antiepileptika, Neuroleptika, Antihistaminika, Antidepressiva, Medikamente gegen neurologische Krankheiten (z.B. Morbus Parkinson), Schilddrüsenmedikamente, Mittel gegen Bluthochdruck, Medikamente zur Erhöhung der Hirnleistung (Vorsicht bei Kindern, die bei ADHS-Symptomatik Methylphenidat einnehmen!). Viele dieser Mittel können unter Sonneneinstrahlung auch zu Hautreaktionen führen. In jedem Fall ist der Arzt zu konsultieren, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

Medikamente, die zu hitzebedingten Nebenwirkungen führen können:

  • Medikamente mit Wirkung auf den Wasser und Mineralienstoffwechsel
    Diuretika, vor allem Schleifendiuretika (Furosemid, Piretanid), die zu verstärktem Flüssigkeitsverlust führen
  • Medikamente mit Wirkung auf die Nieren
    Nichtsteroidale Antirheumatika (Acetylsalicylsäure > 500mg/Tag)
    Antirheumatika (Coxibe)
    Antihypertonika (ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Inhibitoren, Renin-Inhibitor, Beta-Blocker)
    Antibiotika (vor allem Sulfonamide, Virostatika)
  • Medikamente, deren Wirkung sich durch eine Dehydratation (Flüssigkeitsverlust) verändern kann
    Psychopharmaka (Lithiumsalze)
    Antiarrhythmika (Beta-Blocker und andere)
    Herzglykoside (Digoxin, Antiepileptika, Orale Antidiabetika)
    Lipidsenker (Cholesterinsenker)
  • Medikamente mit Einfluss auf die zentrale Temperaturregelung
    Neuroleptika: Phenothiazin-, Thioxanthen-, Azaphenothiazin-, Butyrophenon-Derivate, Serotonin-Agonisten: Ondansetron
  • Medikamente mit Einfluss auf die periphere Temperaturregelung 
    Antihistaminika (Bamipin, Clemastin, Dimetinden)
    Medikamente gegen Morbus Parkinson (Biperiden, Trihexyphenidyl, Spasmolytium: Butylscopolaminiumbromid)
    Neuroleptika (Chlorpromazin, Triflupromazin, Levomepromazin)
  • Anticholinergika mit Verschlechterung der Thermoregulation
    trizyklische Antidepressiva
    H1-Antihistaminika
    Medikamente gegen Morbus Parkinson (Biperiden, Trihexyphenidyl, Spasmolytium: Butylscopolaminiumbromid)
    Asthma-Mittel (Ipratropiumbromid)
    Neuroleptika (Phenothiazin-, Thioxanthen-, Azaphenothiazin-, Butyrophenon-Derivate, Risperidon)
  • Periphere Vasokonstriktoren
    Sympathomimetika (Clembuterol)
    Migränemittel (Ergotamine, Triptane)
  • Medikamente, welche das Herzminutenvolumen beeinflussen 
    Diuretika, die zu Volumenverlust führen
    Betablocker, die zu einer verringerten Herztätigkeit führen
  • Medikamente, welche zu einer erhöhten Körpertemperatur führen können 
    Neuroleptika
    Serotoninagonisten
    Serotonin-Reuptake-Hemmer (Citalopram, Fluoxetin, Sertralin, Escitalopram)
    andere Antidepressiva (Imipramin, MAO-Hemmer, Venlafaxin, Triptane, Buspiron)
    Schilddrüsenhormone
  • Medikamente, welche über eine Blutdrucksenkung zu einer Minderdurchblutung führen können
    Antihypertonika (ACE-Hemmer, Sartane, Renin-Inhibitoren, Calciumkanalblocker, Betablocker, Diuretika, Alphablocker, Nitrate)
  • Medikamente, welche die Hirnleistung verbessern können, z.B. Konzentration, Leistungsfähigkeit, Wachheit 
    Zentral wirkende Sympathomimetika (Methylphenidat)
    Psychstimulans (Modafinil)
    Antidementika (Piracetam, Memantin)
    SSRI (Citalopram, Fluoxetin)
  • Medikamente, deren Wirkung durch Hitze beschleunigt werden kann 
    Schmerzpflaster (schnellere Wirkung kann zu Überdosierung führen)
    Insulin (schnellere Wirkung, deshalb am besten kühl transportieren)
  • Medikamente, deren Wirkung durch Hitze verringert oder unwirksam werden kann
    Asthma-Sprays
    Kontrazeptiva („Pille“)
    Zäpfchen und Säfte sind besonders empfindlich
  • Medikamente, die durch Sonneneinwirkung zu Hautreaktionen führen können: Fragen Sie Ihren Arzt, ob neu verordnete Medikamente fototoxische Reaktionen auslösen können. Eventuell können Sie diese Medikamente abends einnehmen
    Diuretika (Hydrochlorothiazid, Furosemid, Bendroflumathiazid, Amilorid, Ethacrinsäure, Triamteren, Spironolacton, Xipamid)
    Nicht-steroidale Antiphlogistika (Naproxen, Ketoprofen, Tiaprofensäure, Piroxicam, Diclofenac, Phenylbutazon, Mefanaminsäure, Indometacin, Ibuprofen)
    Rheumasalben
    Antibiotika (Sulfamethoxazol/Trimethoprim, Sulfasalazin, Ciprofloxacin, Enoxacin, Lomefloxacin, Ofloxacin, Norfloxacin, Oxytetracyclin, Tetracyclinwe, Doxycyclin, Minocyclin, Isoniazid, Gentamycin, Griseofulvin, Nitrofurantoin)
    Antidepressiva (Amitriptylin, Trimipramin, Nortriptylin, Desipramin, Imipramin, Doxepin, Clomipramin) 
    “Herzmittel” (Amiodaron, Nifedipin, Chinidin, Captopril, Enalapril, Fosinopril, Ramipril, Hydralazin, Simvastatin) 
    Antiepileptika (Carbamazepin, Lamotrigin, Phenobarbital, Phenytoin, Topiramat, Valproinsäure)
    Antihistaminika (Diphenhydramin, Loratadin) 
    Hormone (Corticosteroide, Estrogene, Progesterone, Spironolacton)
    Johanniskraut

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (1)

Peter B., 09.08.2021 - 16:17 Uhr

Guten Tag, ist bekannt, ob ASS 100 bei höheren Temperaturen (30 Grad oder mehr im Schatten) die Blutverdünnung erhöht?

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