Der Hörsturz-Gibt es eine Alternative zu Tabletten und Infusionen?

Herr Stoll

von
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© pathdoc - fotoliaDie Behandlung des Hörsturzes (© pathdoc - fotolia)Der Hörsturz ist eine ohne erkennbare Ursache plötzlich auftretende, in der Regel einseitige Schallempfindungsschwerhörigkeit cochleärer Genese von unterschiedlichem Schweregrad bis hin zur Ertaubung. Schwindel und/oder Ohrgeräusche können zusätzlich auftreten.

Die Therapie des Hörsturzes

Sowohl unter HNO-Kollegen als auch in Foren im Internet gibt es kontroverse Meinungen zur besten Therapie eines Hörsturzes. In der aktuellen S1-Leitlinie wird die systemische, hochdosierte Glukokortikoidtherapie, also die Kortisongabe durch Infusion, empfohlen. Bei manchen Menschen muss man systemische Nebenwirkungen vermeiden, z.B. bei sehr alten Menschen oder Diabetikern. Ist dies der Fall oder stellt sich unter Infusionen kein Therapieerfolg ein, empfiehlt sich die intratympanale Kortisoninjektion.

Die intratympanale Kortisoninjektion

Bei der intratympanalen Kortisoninjektion wird ein hochdosiertes Kortisonpräparat durch das betäubte Trommelfell direkt ins Mittelohr injiziert und gibt seine Wirkung unmittelbar an das erkrankte Innenohr ab. Das oftmals gefürchtete Kortison mit seinen systemischen Nebenwirkungen gelangt bei dieser Applikationsart nicht in den Blutkreislauf. Die intratympanale Kortisoninjektion ist daher auch bei Herzkranken, sehr alten Patienten und Diabetikern geeignet!

Die intratympanale Kortisoninjektion ist auch eine Behandlungsmöglichkeit bei akuten Ohrgeräuschen (Tinnitus), M. Meniere und therapieresistenten Schwindelbeschwerden.

Vor Therapiebeginn muss mit dem Patienten die Problematik des "off-label-use" besprochen werden. Kortison wird bei Hörstürzen zwar oft erfolgreich eingesetzt, ist für diese Erkrankung jedoch nicht offiziell zugelassen. In seltenen Fällen kann es zu Entzündungen am Trommelfell kommen.

Die intratympanale Kortisoninjektion ist eine wertvolle Therapiealternative, wenn eine Infusionstherapie nicht möglich ist, nicht gewünscht wird oder nicht den erhofften Erfolg bringt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (4)


21.08.2018 - 15:46 Uhr

Guten Tag. Ich habe gestern einen Hörsturz...

von Linda

... erlitten. Nach Hörtests scheint das rechte Ohr so gut wie taub zu sein. Da ich bei zwei vergangenen Kontakten mit Cortison sehr extreme Nebenwirkungen hatte, gab mir der Arzt Betahexin (1-1)mit. Ich soll in acht Wochen wiederkommen und hoffen, dass die Taubheit abklingt. Ist das so in Ordnung? Kortison kommt leider wirklich nicht in Frage... Ist das andere aber sinnbringend? Ich bin erblich bedingt mit einem sehr unruhigen Immunsystem ausgestattet und leide unter Störungen im Stoffwechsel. Ich möchte ungern Mittel einnehmen, die weniger helfen als schaden. Doch natürlich habe ich auch große Angst vor bleibender Taubheit, habe ich doch ohnehin seit längerer Zeit mit Tinnitus und Gehöreinschränkungen zu leben. Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen, Linda

Herr Stoll

Antwort vom Autor am 22.08.2018
Sebastian W. Stoll

Liebe Linda, das ist ein sehr komplexer Fall, den Sie da schildern. Eine Antwort hier im jameda-Forum kann sicherlich kein persönliches Arzt-Patienten-Gespräch ersetzen, aber vielleicht helfen Ihnen ein paar Gedanken bei der Wahl der weiteren Schritte. Ein Hörsturz, der eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit hervorruft und damit per defitionem kommunikativ beeinträchtigend ist, sollte aus unserer Sicht schnell und umfassend therapiert werden. Sollte eine systemische Therapie (Tabletten/Infusionen) mit Kortison nicht möglich sein, bliebe z.B. die intratympanale Injektion, die eben keine systemischen Nebenwirkungen hervorruft. Auch eine stationäre Infusionstherapie wäre zu diskutieren, da bei Ihnen ja internistische Besonderheiten vorliegen. Betahistin ist ein Medikament, welches vornehmlich bei Schwindel und M. Meniere-Erkrankungen eingesetzt wird. Da bei diesen Erkrankungen, ähnlich wie beim Hörsturz, die Ursache im Innenohr vermutet wird, wird Betahistin selten auch bei Hörsturzen angewendet. Bei solch fulminanten Hörsturzen wie bei Ihnen würden wir im Verlauf eine MRT-Diagnostik empfehlen. Evtl. lohnt es sich auch, der „Immun/Stoffwechselstörung“ weiter nachzugehen. Aus Ihren Zeilen liest man eine gewisse Verunsicherung heraus. In einem solchen Fall empfehlen wir immer, nochmal das Gespräch mit dem behandelnden Kollegen zu suchen. Auch eine Zweitmeinung halte ich für völlig gerechtfertigt bei so einem komplexen Fall. Sie können sich gerne an mich oder unsere Praxis wenden, wenn wir in Ihrer Nähe sind. Ich wünsche Ihnen alles Gute und vor allem gute Besserung!! S. Stoll

20.11.2015 - 12:49 Uhr

Sie können sich bei Fragen zur intratympanalen...

von Sebastian Stoll

... Cortisoninjektion gerne an unsere Praxis wenden, auch per email, wenn ein Besuch aus entfernungstechnischen Gründen nicht möglich ist. stoll-hno@gmx. net Ich werde gerne versuchen, Ihnen einen Rat zu geben. Beste Grüße aus Dortmund. S. Stoll

20.11.2015 - 10:21 Uhr

Kortison ist in meinen Augen (von der Wirkung her)...

von Kurt

... wie ein Placebo. Nach diversen Hörstürzen und Medikationen kann ich nur Entspannung und Stressabbau empfehlen. Alles Andere hat bisher nichts gebracht und seitdem ich mir Ruhepausen gönne, ist der "Teufel" ausgetrieben. Geld dafür ausgeben ist nur für den Arzt interessant!

Herr Stoll

Antwort vom Autor am 11.07.2017
Sebastian W. Stoll

1. Ich empfehle die Leitlinie der Deutschen HNO-Gesellschaft zum Thema Hörsturz. Eine Kortisontherapie wird von den führenden Spezialisten in Deutschland empfohlen. 2. Den Vorwurf, dass wir uns an Hörsturzpatienten bereichern wollen, weise ich zurück.

19.11.2015 - 11:06 Uhr

Ich stehe vor der Entscheidung mir die...

von Doris

... intratympanale Injektionen geben zu lassen. Habe Bedenken wegen Schmerzen beim Stechen, ob es überhaupt hilft, da die Kortisiontherapie in Form von Spritzen und Tabletten auch schon keinen Erfolg erzielten. Gesamtkosten lägen dann bei ca.420 €.

Herr Stoll

Antwort vom Autor am 23.11.2015
Sebastian W. Stoll

Sie können sich bei Fragen zur intratympanalen Cortisoninjektion gerne an unsere Praxis wenden, auch per email, wenn ein Besuch aus entfernungstechnischen Gründen nicht möglich ist. stoll-hno@gmx.net Ich werde gerne versuchen, Ihnen einen Rat zu geben. Beste Grüße aus Dortmund. S. Stoll


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