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Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. Florian Mertens

Dr. Mertens

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© MertensHerr Dr. Mertens praktiziert als Hals-Nasen-Ohrenarzt in Bamberg. (© Mertens)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Florian Mertens interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Hals-Nasen-Ohrenarzt.

jameda: Herr Dr. Mertens, was hat Sie motiviert, HNO-Arzt zu werden?

Herr Dr. Mertens: Nach einigen Jahren in der Inneren Medizin wollte ich mich beruflich verändern und in ein operatives Fach wechseln. Die HNO-Heilkunde mit ihrem breiten Umfang konservativer und operativer Therapie hat mich da fasziniert. Den Wechsel von der Inneren Medizin habe ich dann auch niemals bereut. Die HNO-Heilkunde bietet außerdem ein breites Patientenspektrum, vom Säuglingsalter bis zum Rentenalter.

Und wahrscheinlich liegt es auch ein kleines bisschen an den Genen. Mein Urgroßvater, mein Großvater sowie mein Großonkel waren HNO-Ärzte. Leider habe ich von diesen nur meinen Großvater als Kind kurz kennenlernen dürfen. Die anderen sind lange vor meiner Geburt verstorben.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Dr. Mertens: Am meisten Freude macht es, Patienten entweder kurzfristig helfen zu können oder – bei schwereren Erkrankungen – gemeinsam den Weg zu gehen und sich am Schluss mit dem Patienten zusammen über den Erfolg der Therapie zu freuen.

Herausfordernd ist sicherlich, im oft hektischen Praxisalltag nichts zu übersehen. Gerade in der HNO-Heilkunde können beispielsweise Krebserkrankungen meistens sehr früh diagnostiziert werden. Daher können sie auch langfristig durch die entsprechende Therapie geheilt werden.


jameda:
 Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in der Praxis?

Herr Dr. Mertens: Eigentlich erlebe ich insgesamt sehr selten Vorurteile. Sicherlich ist der ein oder andere Patient, der selten oder noch nie beim HNO-Arzt war, ein bisschen aufgeregt, was da an Untersuchungen und Behandlungen „auf ihn zukommt“. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, alle Schritte kurz zu erklären, ist es kein Problem.

Ein Vorurteil, das mir ab und zu begegnet, ist, dass Hörgeräte „ja eh nix bringen“. Umso mehr freut es mich dann, wenn ich Patienten einige Zeit später wiedersehe, die völlig begeistert von dem Hörerlebnis und glücklich sind, wieder mehr am Leben teilnehmen zu können.


jameda:
 Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?

Herr Dr. Mertens: Stimmt, manche Krankheiten verlangen viel Durchhaltevermögen und ich kann die Frustration von manchen Patienten nur zu gut nachempfinden. Ich weise in diesen Situationen immer auf die Teilerfolge hin und versuche dem Patienten Mut zu machen, dass wir uns gemeinsam auf dem richtigen Weg befinden.


jameda:
 Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Dr. Mertens: Ich frage dann erstmal nach, woran es liegt. Vielleicht ist es ja einfach „Schusseligkeit“, die dazu führt, ein Medikament nicht einzunehmen oder nicht in der erforderlichen Dosis.

Manchmal stellt sich auch heraus, dass ein Patient an Nebenwirkungen einer Therapie leidet, sich aber nicht traut, darüber zu sprechen.

Gelegentlich konnte ich dem Patienten auch die Wichtigkeit und den Sinn der Therapie bisher nicht vermitteln. Ich versuche dann, nochmal genau zu erklären, warum welches Medikament eingenommen werden sollte, was wir damit erreichen wollen und warum es wichtig ist.
Mein Appell an alle Patienten: Wenn Sie mit Medikamenten nicht zurechtkommen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.


jameda:
 Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als erstes tun?

Herr Dr. Mertens: Es gibt viele Dinge, die meiner Meinung nach geändert werden sollten. Um ein Beispiel zu nennen: Die Deckelung der Honorare und die Auszahlung der Honorare mehrere Quartale später sollte dringend geändert werden zugunsten eines transparenten Systems. Denn nur so haben wir als Ärzte Planungssicherheit. Ein niedergelassener Arzt ist ein kleiner bis mitttelständiger Unternehmer, der auch Verantwortung für seine Angestellten trägt. Und es gibt viele weitere derartige Beispiele, sowohl im ambulanten als auch stationären Sektor.

Alles in allem aber, das möchte ich an dieser Stelle auch betonen: Wir haben – und das wird in diesen Diskussionen häufig vergessen – in Deutschland ein Gesundheitssystem, um das uns viele Menschen auf der Welt beneiden.


© MertensDer Empfangsbereich der HNO-Praxis am Bruderwald. (© Mertens)jameda:
 Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Mertens: Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen, das gilt natürlich auch für uns Ärzte. Und das ist ja auch ganz gut so. Also kann man das nicht so pauschal sagen.
Aber ein häufiger Kritikpunkt von Patienten ist, dass ihr Arzt mit ihnen zu wenig über ihre Erkrankung spricht. Sicherlich ist das auch dem System geschuldet, das uns oft nicht die Zeit lässt, die wir uns wünschen, aber wir Ärzte sollten darauf achten, dem Patienten in verständlicher Weise seine Erkrankung und die Behandlung zu erklären.


jameda:
 Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapien oder Geräte, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Dr. Mertens: Wir versuchen, immer auf „Höhe der Zeit“ zu bleiben. Beispielsweise haben wir erst kürzlich ein neues und modernes Endoskopiesystem gekauft, um damit hochaufgelöste Bilder von den Stimmbändern oder dem Inneren der Nase zu machen.

Wir bieten bei Hörsturzpatienten, die schwerer betroffen sind, mittlerweile die sog. Intratympanale Cortisontherapie an, d. h. es wird ein Medikament mit einer hauchdünnen Kanüle direkt in das Mittelohr gespritzt, um so direkt am Innenohr wirken zu können.


jameda:
 Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Mertens: Ich habe vor einiger Zeit eine junge Frau behandelt, die sich wegen Schwindelbeschwerden an mich gewendet hat. Einen innenohrbedingten Schwindel konnte ich nicht feststellen und auch sonst waren die Beschwerden eher uncharakteristisch und bereits etwas besser. Trotzdem hatte ich ein „schlechtes Bauchgefühl“ und habe der Patientin eindringlich eine Kernspintomographie des Gehirns empfohlen. Zuerst war die Patientin etwas skeptisch, weil nicht allzu lange zuvor bereits eine Tomographie erfolgt war, die unauffällig gewesen war.

Letztlich konnte ich die Patientin überzeugen und das Ergebnis war ein höchst bösartiger Tumor im Gehirn. Glücklicherweise allerdings in einem ganz frühen Stadium, so dass die Patientin erfolgreich operiert und behandelt werden konnte. Hätte ich nicht auf „meinen Bauch“ gehört und die Untersuchung nicht veranlasst, dann wäre die Patientin mit Sicherheit bereits verstorben.


jameda:
 Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Mertens: Zunächst einige allgemeine, aber doch wichtige Ratschläge: Meiden Sie Rauchen, treiben Sie regelmäßig Sport und trinken Sie wenig Alkohol. Auch Übergewicht steht am Anfang vieler schlimmer Erkrankungen. Beispielsweise Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall.

Speziell als HNO-Arzt und Phoniater: Benutzen Sie keine Wattestäbchen zur Reinigung des Gehörgangs und schützen Sie Ihr Gehör vor starkem Lärm.

An die „Stimmprofis“ (Sänger, Schauspieler, Lehrer): Wenn die Stimme Probleme macht, kommen Sie lieber frühzeitig zur Untersuchung, bevor eine dauerhafte Stimmstörung auftritt.

Und zum Schluss an alle Mamas und Papas: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind vielleicht nicht richtig hört oder gar Probleme mit der Sprachentwicklung hat, darf man das nicht auf die leichte Schulter nehmen („Das wächst sich aus.“), sondern es sollte dringend abgeklärt werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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