Das jameda-Interview: 9 Fragen an Herrn Dr. med. Julian Bewarderinfo_plain_20gr

Herr Dr. Bewarder praktiziert als Hals-, Nasen-, Ohrenarzt in Hamburg. (© Bewarder)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Julian Bewarder interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Hals-Nasen-Ohrenarzt.

jameda: Herr Dr. Bewarder, was hat Sie motiviert, Hals-Nasen-Ohrenarzt zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Herr Dr. Bewarder: Da mein Vater HNO-Arzt ist und ohrchirurgisch tätig war, wurde ich bereits in jungen Jahren auf dieses Spezialgebiet aufmerksam gemacht. Das führte auch dazu, dass ich früh im Studium ein Praktikum in der HNO-Klinik der Uniklinik Göttingen absolvierte, um mir ein genaueres Bild von diesem Fach zu machen.

Während dieses Praktikums lernte ich meinen Doktorvater Professor Canis kennen, der sich im Bereich der Mittel- und Innenohrforschung einen Namen gemacht hatte. Ich begann noch im Studium meine Doktorarbeit unter seiner Obhut in der HNO-Abteilung der Uniklinik Göttingen.

In dieser Arbeit verglich ich in einer klinischen Studie das Hörergebnis konventioneller Hörgeräte mit implantierbaren Mittelohrhörgeräten. Nach dem Staatsexamen 2014 begann ich schließlich als Assistenzarzt in der HNO-Klinik.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Herr Dr. Bewarder: Meine Spezialgebiet innerhalb der HNO-Heilkunde ist Otologie. Dazu zählt neben der ohrchirurgischen Tätigkeit (Trommelfelloperationen, Gehörgangsoperationen, Mittelohroperationen, Anlegeplastik abstehender Ohren) auch die Diagnostik und Therapie bei Hörstörungen, Schwindel, Tinnitus und Druckproblemen im Mittelohr.

Durch meine breite universitäre Ausbildung der letzten sieben Jahre umfasst mein Tätigkeitsschwerpunkt sämtliche HNO-chirurgischen Eingriffe. Dazu zählen Nasen-OPs (Nasenscheidewand-, Nasennebenhöhlen-, Nasenmuscheloperationen), Speicheldrüsentumor- und Speichelsteinoperationen sowie Kehlkopf- (z. B. Stimmlippen) und Halsoperationen (z. B. Lymphknotenentfernungen).

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Herr Dr. Bewarder: In meiner Kindheit habe ich mit meinen Geschwistern häufig in der HNO-Praxis meines Vaters gespielt und dort auch schon erste Hörtestselbstversuche durchgeführt. Bei der Zungenbändchendurchtrennung meiner Schwester durfte ich bereits im jungen Alter von 10 Jahren assistieren. Meine HNO-Karriere wäre daher ohne meinen Vater nicht vorstellbar.

20 Jahre später kamen weitere Vorbilder aus dem Bereich der Ohrchirurgie dazu. Sie prägten maßgeblich mein großes Interesse auf dem Gebiet der Ohrchirurgie: Miklos Tóth. Mein Oberarzt an der Uniklinik in Hamburg Eppendorf zeigte mit alles, was ich heute über das Ohr weiß, und entfachte die otologische Leidenschaft in mir.

Weitere Ohrchirurgen, die ich mein Vorbild nenne würde und denen ich bei der Arbeit zusehen durfte, sind Mario Sanna in Italien – eine Ikone auf dem Gebiet der Akustikusneurinomchirurgie sowie Robert Vincent in Südfrankreich, einem der besten Mittelohrchirurgen in Europa.

Alle haben gemeinsam, dass sie Schüler des weltweit bekanntesten Ohrchirurgen Ugo Fisch (†2019) sind und dessen ohrchirurgische Philosophie weiter in der Welt verbreiten.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Herr Dr. Bewarder: Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitsbereich, sei es Telemedizin, elektronischer Arztausweis, elektronische Patientenakte, Online-Verknüpfungen mit anderen Praxen sowie ärztlichen oder nicht-ärztlichen Kollegen. Außerdem die zunehemende Modernisierung und Qualitätsverbesserung der Geräte, sei es das Audiometer für die Hörtestungen oder das Operationsmikroskop.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Herr Dr. Bewarder: Wie in den meisten anderen Fachgebieten bleibt die frühzeitige Erkennung und Therapie von bösartigen Erkrankungen auch im fortgeschrittenen Stadium eine große Herausforderung der Zukunft.

Eine gute interdisziplinäre Diagnostik aufgrund einer soliden Forschungsbasis kann die Lebensqualität der Betroffenen verbessern und zugleich mögliche Folgeerkrankungen verhindern.

Durch den soziodemographischen Wandel werden HNO-Kliniken und HNO-Praxen zunehmend mit diesen Erkrankungen konfrontiert. Die Zusammenarbeit zwischen Kliniken und Praxen – auch auf interdisziplinärer Ebene – wird immer wichtiger und stellt eine große Herausforderung für die Zukunft dar.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Herr Dr. Bewarder: Ich würde mich als einen ruhigen, emphatischen und verständnisvollen Arzt beschreiben, der problemorientiert mit dem Patienten gemeinsam nach Lösungen sucht. Die Patienten können meinen Therapievorschlägen vertrauen, da ich über eine breitflächige Erfahrung in der Therapie und Diagnostik von HNO-Erkrankungen verfüge und auch mit modernsten diagnostischen Mittel vertraut bin.

Zudem besitze ich einen hohen chirurgischen Erfahrungsschatz mit breiter universitärer Ausbildung. Die Therapie nach den aktuellsten Erkenntnissen der Wissenschaft steht bei mir an erster Stelle.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Herr Dr. Bewarder: Ich schätze es, wenn Patienten sich auf den Arztbesuch vorbereiten, Vorbefunde und anderen relevante Unterlagen mitbringen und gemeinsam mit dem Arzt in einem konstruktiven Gespräch die ideale Therapie gefunden wird. 

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Bewarder: Das Schöne an dem Beruf ist, dass man täglich mit vielen Patienten in Kontakt steht und jeden Tag viele neue Patienten kennenlernt. Häufig tauscht man sich mit den Patientinnen und Patienten in dem kurzen Gespräch auch über Beruf oder Hobbies aus und lernt viel dazu. Dadurch ergeben sich viele schöne Situationen und fast jeden Tag ein besonderes Patientenerlebnis.

Das Highlight meiner letzten Woche war eine 103 Jahre alte Patientin, die mit ihrer 80-jährigen Tochter vorstellig wurde. Beide informierten sich über eine Hörgeräteversorgung. 

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben? 

Herr Dr. Bewarder: Neben den bekannten alten Gesundheitstipps wie gesunde Ernährung, Bewegung, wenig Alkohol und keine Zigaretten empfehle ich eine ausgewogene Work-Life-Balance und wenig Stressspitzen.

Belastungen von Arbeit und Leben sollten durch persönliche Freuden und schöne Momente der Freude ausgeglichen werden. Ein Ungleichgewicht und zu viel Stress können zu Verspannungen und dadurch bedingt zu Durchblutungsstörungen führen. Sie sind wiederum nicht selten Ursache für einen Hörsturz oder Tinnitus und hätten häufig vermieden werden können.   

Zur Person

Ich habe mein Studium der Humanmedizin an der Georg-August-Universität in Göttingen absolviert und 2015 meine ärztliche Approbation erhalten.

Die Weiterbildung zum Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde erfolgte zunächst für zwei Jahre in Göttingen und anschließend an der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf. 2014 schloss ich sie mit der Anerkennung durch die Ärztekammer ab.

Bis 2021 war ich an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf als HNO-Facharzt tätig und habe mich speziell auf die Ohrchirurgie, aber auch Nasen- und Speicheldrüsenchirurgie fokussiert.

Chirurgische Weiterbildungen im Ausland (2018 Frankreich, Clinique Causse, Dr. med. Robert Vincent, 2020 Italien, Gruppo otologico, Prof. Mario Sanna) halfen mir, meine chirurgischen Fähigkeiten zu verbessern.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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