Schnarchen: Wie die Diagnostik abläuft

Frau Zweifel

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© zinkevych - FotoliaSchnarchen kann nicht nur die Beziehung belasten, sondern auch mit Atemaussetzern verbunden sein (© zinkevych - Fotolia)In vielen deutschen Schlafzimmern ist es nachts nie still: Rund 60 Prozent aller Männer und 40 Prozent aller Frauen über 60 Jahre schnarchen. Das nächtliche Rasselkonzert ist zwar harmlos, kann aber mit Atemaussetzern einhergehen, die wiederum gefährlich werden können. Wann der Besuch beim Arzt zu empfehlen ist und wie Ärzte bei der Diagnostik vorgehen, wollte jameda von Frau Zweifel wissen, die sich auf Schlafmedizin spezialisiert hat.

jameda: Schnarchen ist keine Krankheit. Wann sollten Betroffene trotzdem zum Arzt?
Frau Zweifel: Weil Schnarchen ein Symptom für schlafbedingte Atmungsstörungen wie zum Beispiel obstruktive Schlafapnoe sein kann, sollten die Symptome immer von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt oder einem Lungenarzt abgeklärt werden.

jameda: Welche Fragen stellt der Arzt im Anamnese-Gespräch?
Frau Zweifel: Der Arzt fragt nach den Symptomen des Patienten: Neben dem Schnarchen können zum Beispiel Tagesmüdigkeit, häufiges nächtliches Wasserlassen und unruhige Beine („Restless Legs“) auftreten.

jameda: Wie unterscheidet der Arzt eine krankhafte Schlafapnoe von reinem, nicht behandlungsbedürftigem Schnarchen?
Frau Zweifel: Nach genauer Untersuchung der Nase, des Rachens und der Atemwege bekommen die Patienten in der Regel ein ambulantes Polygraphiegerät mit nach Hause, das sie über Nacht anlegen. Es besteht aus einer Fingersonde, die während des Schlafes die Sauerstoffsättigung, mögliche Atemaussetzer sowie Schnarchgeräusche aufzeichnet.

© Frau ZweifelFrau Zweifel mit Team (© Frau Zweifel)jameda: Die Polysomnographie gilt als Goldstandard in der Diagnostik schlafbezogener Atmungsstörungen. Im Schlaflabor werden Atemfluss, Herzrhythmus und andere Körperfunktionen gemessen, um ein Schlafprofil des Patienten zu erstellen. Welche Patienten sollten diese Untersuchung in Anspruch nehmen?  
Frau Zweifel: Eine Polysomnographie sollten alle Patienten in Anspruch nehmen, die an einer leichten Schlafapnoe mit Tagessymptomatik leiden. Tagessymptomatik heißt in diesem Fall Tagesschläfrigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsschwäche oder häufiger Sekundenschlaf im Straßenverkehr. Des Weiteren sollte jeder Patient mit mittlerer oder schwerer Schlafapnoe eine Polysomnographie erhalten, auch wenn keine Tagesymptomatik vorliegt.

jameda: Wie viele Schnarcher erhalten schließlich die Diagnose „Schlafapnoe“?
Frau Zweifel: Es gibt keine genau Zahlen darüber, wie häufig die Schlafapnoe tatsächlich auftritt – nicht jeder „Schnarcher“ geht zum Arzt. Man schätzt aber, dass rund zwei bis vier Prozent der erwachsenen Gesamtbevölkerung zwischen 30 und  60 Jahren von der Schlafapnoe betroffen sind. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Vor allem Übergewichtige sind betroffen: Rund 80 Prozent der Patienten mit Schlafapnoe-Syndrom sind zu dick.

jameda: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei diagnostizierter Schlafapnoe?
Frau Zweifel: Es gibt verschiedene Formen der Therapie. Der Goldstandard ist die CPAP-Therapie. Bei dieser Form trägt der Patient nachts eine Gesichtsmaske, die kontinuierlich Luft in den Rachen pumpt. Eine andere Möglichkeit sind zahnärztlich angefertigte Schienen, sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene. Und als dritte Möglichkeit gibt es dirverse chirurgische Verfahren wie zum Beispiel das Setzen von Unterzungenschrittmachern.

jameda: Kommt die Kasse für die Kosten auf?
Frau Zweifel: Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten der Diagnostik einer Schlafapnoe und der CPAP-Therapie.

jameda: Was können Patienten tun, die zwar schnarchen, aber keine Schlafapnoe haben?
Frau Zweifel: Reine Schnarcher brauchen keine weiteren Untersuchungen. Sie können sich aber beispielsweise an einen Zahnarzt wenden, der auf Schlafmedizin spezialisiert ist. Der Zahnarzt fertigt eine spezielle Schiene an, mit der man das nächtliche Schnarchen deutlich reduzieren kann.

jameda: Vielen Dank für das Interview!

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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