Schwindel kann auch psychische Ursachen haben!

Frau Schmitz

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© Schwindel und Psyche @ kuzma iStockSchwindel kann psychische Ursachen haben.Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen werten die meisten Betroffenen als Anzeichen einer körperlichen Erkrankung. Doch in rund einem Drittel der Fälle sind psychische Belastungen die Ursache dafür. Wann hat Schwindel psychische Ursachen?

Wenn körperlich alles in Ordnung ist, kann die Psyche der Verursacher des Schwindels sein:

  • Die Wirbelsäule und die Kieferstellung sind in Ordnung und der niedrige Blutdruck oder ein Nährstoffmangel bzw. die falsche Ernährungsweise wurden als Ursachen ausgeschlossen.
  • Der Hals-Nasen-Ohren Arzt und der Internist konnte nichts bei Ihnen finden.
  • Außerdem konnten Nebenwirkungen eingenommener Medikamenten ausgeschlossen werden.

Es liegt durchaus nahe, dass seelische Belastungen die körperlichen Symptome hervorrufen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Schwindel eingebildet oder gar vorgetäuscht ist: Betroffene erleben ihn genauso stark wie Menschen, bei denen ein organischer Defekt vorliegt.

Was ist eigentlich Schwindel?

Schwindelig wird wahrscheinlich jedem einmal. Wenn unser Gleichgewicht aus dem Lot gerät, kann sich das auf verschiedene Arten äußern: Mal haben wir das Gefühl, uns um die eigene Körperachse zu drehen; mal glauben wir, wie auf einem Schiff zu schwanken oder wie in einem Lift hoch- und herunter zu schweben. Auch eine eher diffuse Benommenheit oder ein "In-Watte-gepackt-Sein" bezeichnen wir als Schwindel.


Regelmäßige Schwindelanfälle

Patenten mit Schwindelanfällen fürchten sich beispielsweise davor, in der Öffentlichkeit plötzlich den Halt zu verlieren und gehen deshalb nur noch sehr selten aus dem Haus oder tun dies nur in Begleitung. Besuche im Supermarkt oder Aktivitäten jeglicher Art stellen für Sie eine unüberwindbare Herausforderung dar - Betroffene meiden aus diesem Grund neue Lebensereignisse.


Auslöser von Schwindel

Auslöser für somatoformen Schwindel gibt es viele, und sie sind sehr individuell und mit der Geschichte des jeweiligen Patienten verknüpft.

© Syda Productions - fotoliaBeziehungsprobleme und Schwindel können eventuell zusammenhängenAuslöser kann z.B. eine Angststörung oder eine Depression sein. Oftmals sind es Patienten, die in ihrer Partnerschaft, in der Familie oder im Berufsleben vor großen und als unlösbar empfundenen Schwierigkeiten stehen oder großem Druck ausgesetzt sind.

Der Auslöser ist oftmals etwas, was die Betroffenen gewaltig aus dem Gleichgewicht bringt. Die eigene Stabilität und Balance fehlt. "Halt" wird nicht mehr in sich und durch sich selbst empfunden. Die ständige Sorge, aus dem Gleichgewicht zu geraten und von diesen unangenehmen Schwindelgefühlen überrumpelt zu werden, belastet die Psyche zusätzlich.

Betroffene haben Angst, hilflos zu erscheinen, in Anwesenheit anderer zu stürzen oder beim Autofahren von Benommenheit übermannt zu werden. Hier können sich dann stillschweigend Ansätze einer Angststörung entwickeln. Wie schon erwähnt, ist es aber auch ganz oft so, dass der Auslöser des Schwindels bereits eine Angstthematik für Betroffene darstellt.


Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Betroffene können sich über ihre Angst, ihre Stresssymptome oder Depressionen bereits im Klaren sein, aber die Ursache kann auch noch tief im Unbewussten des Patienten liegen. Wichtig sind hier die Fragen nach unerklärlichen, verwirrenden Gefühlszuständen, Stimmungsschwankungen, sozialen Konflikten und belastendenden Lebensereignissen wie Scheidung, Verlust, Krankheit oder instabilem Selbstwert.

Häufig handelt es sich bei Schwindelsymptomen um ein "Teilsymptom" einer psychischen Grunderkrankung wie beispielsweise bei einer Panikstörung, phobischen Erkrankungen oder Somatisierungsstörungen.

Wichtige inhaltliche Punkte der verhaltenstherapeutischen Therapie bei somatoformem Schwindel sind neben der kognitiven Umstrukturierung, körperliche Gleichgewichtsübungen, die Auslösererkennung, Wahrnehmungsübungen, Symptomverstärker, innere Fehlinerpretationen, Krankheitsverhalten (wie übertriebenen Schonung, übermäßige Gesundheitsmaßnahmen und unnötige Medikamenten- oder Nahrungsergänzungsmitteleinnahmen) sowie die Stabilisierung des Selbstwertes.

Behandlung von Schwindel © WavebreakMediaMicroBesprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Behandlungsmöglichkeiten für Sie bestehen.Wie bei allen somatoformen Erkrankungen sind zwei umfangreiche Fragen sehr interessant und helfen bei der Bewältigung der Symptome meist wie von Zauberhand weiter:

  • 1. Wozu zwingt mich das Symptom des Schwindels?
  • 2. Wovon hält es mich ab? 

Und noch drei Frage für Mutige bzw. Fortgeschrittene:

  • Spricht irgendetwas in meinem System dagegen, diese Rolle des "unsicheren und schwindeligen Menschen" loszulassen?
  • Hat es Vorteile für mich, dass ich diese "Besonderheit" habe und somit nicht zu 100 % fit bin? 
  • Wie kann ich mir diese Vorteile in meinem Leben anders zugänglich machen oder erlauben, ohne dass es der Schwindel für mich tun muss? 

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Kommentare zum Artikel (2)


15.11.2016 - 09:05 Uhr

Ich habe besonders in der Nacht - Dunkelheit...

von Johann S.

... starken Schwindel. Dieser legt sich sobald ich in einen hellen Raum trete. Tagsüber habe ich ebenfalls beim Gehen Unsicherheit - mal mehr, weniger. Ich habe Knie- und Hüftprobleme, glaube aber nicht, dass es nur davon kommt. Der Schwindel kommt nur beim Sitzen, jedoch nicht beim Sitzen im Auto. Ich würde mich auf einen Rückmeldung freuen. Mit freundlichen Grüßen, Johann S.

Frau Schmitz

Antwort vom Autor am 27.11.2016
Andrea Schmitz

Lieber Herr Johann S., vielen Dank für Ihren Kommentar. Bitte beachten Sie, dass ich hier natürlich nicht aufgrund der wenigen Zeilen etwas wirklich fachkundiges antworten kann. Dafür benötigt es ein paar Stunden bei einem Psychotherapeuten, der erst mal mit Ihnen zusammen aufdeckt, wie, wann und wo der Schwindel besonders stark und wann er fast gar nicht vorhanden ist. Spontane Fragen an Sie fallen mir trotzdem direkt ein und diese möchte ich Ihnen gerne weitergeben: Haben Sie vielleicht irgendwann mal eine Erfahrung gemacht, die in Dunkelheit oder nachts passierte und die Sie unsicher oder ängstlich gemacht hat? Fühlen Sie sich in irgendeinem Bereich Ihres Lebens gerade im Dunkeln? oder tappen Sie im Dunkeln? oder wissen Sie möglicherweise nicht wie Sie irgendetwas noch weiter aushalten können? Gibt es irgedetwas zu verändern in Ihrem Leben? Sie "trauen" sich aber nicht? oder was hält Sie eingeschlossen? ... Unsicherheiten in der Ruhe und in der eigentlich "ruhigen Nacht"...? Wohlbefinden bei Freiheit und Beweglichkeit (Auto) und bei Helligkeit...? Was möchte in Ihrem Leben endlich bewegt, verändert und gesehen werden? Ans Licht gebracht werden? ... :-) Ich hoffe, dass Ihnen der ein oder andere Impuls eine neue Perspektive schenken konnte und drücke Ihnen die Daumen Ihren Schwindel annehmen zu können und mal zu warten, was dieses Symptom Ihnen "denn sagen möchte". :-) Welche Botschaft hat Ihr Schwindel für Sie ganz persönlich im Gepäck? Herzliche Grüße aus Mönchengladbach, Ihre Andrea Schmitz

08.11.2016 - 16:46 Uhr

Hallo, ich leide seit ca 10 Jahren an Schwindel...

von Christian Z.

... und Übelkeit, aber nur in gewissen Situationen. Es fing in einer Disco an. Anfangs kam der Schwindel immer nur in der Disco, dann auch auf Straßenfesten (Weinfeste, kirmes etc. ), jetzt sogar beim Sport und einigen Freizeitaktivitäten. Die Verhaltenstherapie, die ich schon seit ca. einem Jahr besuche, schlägt nicht an, hat es sogar noch verschlimmert! MRT, HNO, EKG, Blutzucker - alles ok! Bevor ich in eine solche Situation rein gehe, denke ich vorher schon über den Schwindel & Übelkeit nach, sodass das dann auch zwangsläufig passiert, weil ich vorher schon Angst habe. Was kann ich machen, dass die Angst verloren geht bzw. wie kann ich solche Gedanken vermeiden? Gibt es extra Spezialisten, die sich ausschließlich nur mit Schwindel und Übelkeit befassen? Ich glaube ja an eine Hypnotherapie, aber auch da gibt es viele Ärzte, die viel erzählen, woran ich nicht glaube und vor allem kostet das auch sehr viel Geld. Ich würde mich über Ihre Rückmeldung freuen. Vielen Dank & mit freundlichen Grüßen, Christian Z.

Frau Schmitz

Antwort vom Autor am 12.11.2016
Andrea Schmitz

Hallo Herr Christian Z., vielen Dank für Ihr Kommentar. Was Sie tun können, damit Ihre Angst geht? Das werden Sie durch Ihre Therapie schon wissen, oder? :-) Konfrontation. Stellen Sie sich kontinuierlich genau den angstbestzten Situationen,damit sich durch Wiederholungen Ihr Programm im Gehirn verändern kann. Weg von "Hilfe-Schwindel-Modus" hin zu "es ist ok, ich stelle mich und halte die Angst-Schwindel-Gefühle aus". Dann wird die Angst und die Schwindel-Symptomatik automatisch weniger. "Vermeiden" hält aufrecht und macht die Angst und den Schwindel und die Übelkeit immer stärker, "Konfrontation" mindert mit der Zeit jede Angst und die damit verbundenen Symptome. Ihr Schwindel und Ihre Übelkeit ist "nur" das Symptom einer dahinter stehenden Angstthematik. Gehen Sie durch den Schwindel und die Übelkeit durch. Etablieren Sie eine neue innere Haltung ab sofort: Die Symptome dürfen ja ruhig da sein, sie hindern mich aber nicht mehr daran in die Disco, auf Feste, zum Sport etc zu gehen. Ich überwinde mich es trotzdem zu tun." Sie zeigen verschiedene Symptomatiken, die an eine Agoraphobie denken lassen. Bedenken Sie immer "Sie haben die Macht über Ihre Gedanken und Gefühle, nicht andersrum. Kämpfen Sie sich dadurch. Jeden Tag einen kleinen überschaubaren Schritt weiter. 1. Üben, üben und nochmals üben führt zum Erfolg und 2. die Akzeptanz und Annahme Angst und des Schwindels. Nehmen Sie es an, verlieren Sie eine eventuelle Haltung von "weg, weg, weg du doofe Angst und du unangenehmer Schwindel (und Übelkeit)!" hin zu "es ist ok, dass Angst und Schwindel da ist, beides darf da sein und jetzt lerne ich wieder euch zu bestimmen und nicht ihr über mich." Es sind "nur" Gedankenmuster in Ihrem Gehirn, die automatisch ablaufen. Diese können Sie selbst steuern und verändern. Durch eine gute Verhaltenstherapie ist dies sehr gut erreichbar. Setzen Sie sich wieder ans Steuer Ihres Kopfes. :-) Jeder Verhaltenstherapeut ist ehrlich gesagt Spezialist auf diesem Gebiet. Übelkeit, Schwindel und Angst sind mit die häufigsten und sehr gut und erfolgreich behandelbare Symptomatiken. Es reicht leider nur nicht 1x die Woche zur Therapie zu gehen und nichts aktiv in seinem Denken, Fühlen und Verhalten zu verändern. Jeden Tag. Das ist mit Arbeit und Disziplin verbunden. Veränderungen bringen nicht das Wissen darüber, sondern nur das Tun. :-) Sie schaffen das! Erstellen Sie sich täglich ab sofort eine kleine Aufgabenliste, in der Sie morgens erfassen, in der Sie einen kleinen weiteren aktiven Schritt festlegen, um sich der Angst und dem Schwindel auszusetzen. Sie darf kommen, er darf kommen, Sie lernen jetzt damit umzugehen und die Angst und den Schwindel auszuhalten und ihn dann dadurch zu überwinden. So schwindet beides mit der Zeit und Sie haben ein neues angstbefreites Muster in Ihrem Gehirn etabliert und das alte in ein viel günstigeres verändert! Viel Erfolg dabei! Ihre Andrea Schmitz


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