Wenn die Welt aus den Fugen gerät

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© lite_2046 - iStock© lite_2046 - iStockEs dreht sich wie auf einem Karussell, doch das Lachen vergeht dem Betroffenen schnell. Schwindel ist ein komplexes Krankheitsbild. Er entsteht, wenn die Orientierung des Körpers im Raum gestört ist. Normalerweise entsteht Gleichgewicht durch ein komplexes Zusammenspiel von Sinnesorganen und Nerven. Die Sinne Ohr, Auge und Gefühlswahrnehmung der Körperperipherie nehmen Eindrücke auf, die Nerven übermitteln diese als Rauminformationen an das Gehirn. Wenn jedoch die Nerven die Informationen nicht mehr richtig übermitteln oder Sinneseindrücke „einander widersprechen“, treten Schwindelbeschwerden auf. Manchmal ist der Kreislauf die Ursache.

Verschiedene Kreisel
Symptome können sein: Drehschwindel, Schwankschwindel oder Liftschwindel. Häufig zeigt sich nur eine Art Unsicherheit. Schwindel kann auch provozierbar sein durch bestimmte Kopf- und Körperbewegungen. Für den HNO-Bereich stehen die Störungen des Ohres im Vordergrund.
Die wichtigsten peripher-vestibulären Störungen sind:

  • Vestibularisausfall (Ausfall eines Gleichgewichtsorgans) 
  • Morbus Menière 
  • benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)

Neurologen und HNO-Ärzte arbeiten häufig zusammen. Die Vestibularisprüfung beinhaltet die Untersuchung mit der Frenzel-Brille, die Prüfung der vestibulospinalen Funktionen, der Hirnnervenfunktionen und die Kleinhirn-Koordination. Daraufhin erfolgt die experimentelle Gleichgewichtsuntersuchung.

Die kalorische Prüfung erlaubt die seitengetrennte Untersuchung des Gleichgewichtsorgans. Hierbei wird der Gehörgang mit warmem und kaltem Wasser sowie Luft gespült und damit das Gleichgewichtsorgan stimuliert. Der Kopf-Impuls-Test und die vestibulär evozierten Potenziale erlauben auch eine Prüfung der Otolithenorgane.

Die Therapie des Vestibularisausfalls besteht in der Gabe von Kortison – als Tablette oder Kurzinfusion sowie der – nur kurzfristigen - Gabe schwindelhemmender Medikamente. Ferner wird häufig Krankengymnastik verordnet.

„Special“ bei Morbus Ménière
Beim Morbus Ménière kommt es anfallsweise durch ein Ödem (Wassereinlagerung) im Innenohr zu Druckgefühl im Ohr und Hörminderung sowie zu einem Ohrgeräusch – und starkem Drehschwindel durch Riss der Membranen. Therapiemöglichkeit ist zunächst die hoch dosierte Gabe des Medikamentes Betahistin. Bei Verschlimmerung - meist mit einem sehr starken Krankheitsgefühl – kann zunächst ein Paukenröhrchen in das Trommelfell eingelegt werden. In Einzelfällen wird mit dem Wirkstoff Aminoglycosidantibiotikum das Gleichgewichtsorgan ‚ruhiggestellt’. Dies kann aber mit der Gefahr einer Hörminderung verbunden sein.

„Special“ beim Benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel
Beim benignen, paroxysmalen Lagerungsschwindels gelangen kleine Kristalle aus ihrer Ruheposition vor allem in den hinteren Bogengang und rollen umher – je nach Lagewechsel. Dies löst dann – mit einer kurzen Latenzzeit – Drehschwindel unterschiedlicher Stärke aus. Charakteristisch ist, dass dieser Schwindel oft im Liegen oder nach dem Aufrichten auftritt. Durch das Befreiungsmanöver des Arztes oder die Schwindelübungen nach Brandt (durch den Betroffenen) werden diese Kristalle aus dem hinteren Bogengang befreit und zurückverlagert und dies führt zur Besserung. Eine Sonderform ist die Labyrinthitis bei akuter (vorwiegend viraler) Mittelohrentzündung oder die Bogengangsfistel bei chronischer Mittelohrentzündung.

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