Tinnitus kann auch psychische Ursachen haben

Frau Hohmann

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© Andrzej Wilusz - fotoliaDepressionen und Tinnitus hängen oftmals zusammen (© Andrzej Wilusz - fotolia)

Es wird vermutet, dass unterschiedlichste Ursachen Tinnitus auslösen können. Haben Fachärzte alle körperliche Ursachen bereits ausgeschlossen, sollten sie auch die psychischen Komponenten in Betracht ziehen.
 


Kann Tinnitus psychische Ursachen haben?

Psychische Ursachen werden zumeist belächelt und nicht ernst genommen - oft gehen psychische Erkrankungen wie Depressionen, Burnout-Syndrom oder Angsterkrankungen jedoch miteinander einher. Bei Menschen mit hohem Leidensdruck, die bereits in einer Tinnitus-Klinik behandelt werden, lässt sich häufig auch eine Depression feststellen. D

ie Grenzen sind jedoch schwimmend, denn es ist unklar, ob die Depression erst durch den Tinnitus aufgetreten ist, oder ob eine ängstlich-depressive Persönlichkeitsstruktur dazu geführt hat.


Emotional-kognitive Verarbeitung

Warum entwickeln manche Menschen überhaupt einen Tinnitus und andere nicht? Manche überhören den Ton auch einfach. Die Lerntheorie zeigt einen Zusammenhang zwischen Tinnitus und Hörverarbeitung. Manche Menschen haben sich daran gewöhnt, einen Dauerton wahrzunehmen - das ist für sie ein normales Hintergrundgeräusch.

Bei anderen Betroffenen entsteht enormer Leidensdruck, der durch negative Bewertungen noch verstärkt werden kann.

Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, niedriger Frustrationstoleranz und Neigung zu negativen Gedankenmuster sind anfälliger für einen Tinnitus. Aber auch soziale Isolation kann die Tinnitus-Wahrnehmung verstärken. Entsteht ein Tinnitus durch emotionalen Stress, kann er sehr schnell zu Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche bis hin zu psychischen Erkrankungen führen.


Tinnitus und Angst 

©Fotolia-74334672Die Angst vor dem Tinnitus lässt die Geräusche oftmals noch stärker wirken (©Fotolia-74334672)Ein Tinnitus kann gerade von Menschen, die ängstlich auf körperliche Signale fixiert sind, als Alarmsignal wahrgenommen werden. Diesen Personen fällt es oft schwer, sich an den chronischen Tinnitus zu gewöhnen.

Betroffene machen sich zunehmend Gedanken über den Tinnitus und horchen ständig auf den Ton im Ohr. Dadurch kann es zu einer Verstärkung des Signals im Hörzentrum des Gehirns kommen. Es entsteht dann ein hohes Maß an psychischer Belastung, Stresshormone werden ausgeschüttet und der Ton wird noch lauter wahrgenommen - der Teufelskreis beginnt von vorne und führt zu einem negativen Lernprozess.


Psychosomatik und Tinnitus

Die Psychosomatik beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Leib (Soma) und Seele (Psyche). Sind körperliche Erkrankungen ausgeschlossen, sollten auch psychosomatische Ursachen untersucht werden.

Der leibliche Ausdruck eines Problems wird Somatisierung genannt. Bei der Somatisierung werden seelische (unbewusste) Konflikte in körperliche Symptome umgewandelt, die eine gewisse seelische Entlastung für den Betroffenen hat. Bei einer Angsterkrankung können dies beispielsweise Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern, Herzrasen sein, oder eben auch ein Tinnitus. Oft haben körperliche Störungen einen Symbol-Charakter, wie folgendes Beispiel darstellt

Tinnitus bei Überlastung

  • Was möchte ich nicht mehr hören?
  • Wo möchte ich nicht mehr gehorchen?
  • Wem höre ich nicht mehr zu?

Tinnitus mit Schwindel, der aus dem Gleichgewicht bringt

  • Wo hat der Betroffene das Gefühl, aus dem Gleichgewicht zu geraten?
  • Was ist jetzt anders als zuvor? Lebenssituation oder Schicksalsschläge?
  • Was hat den wirklichen Bedürfnissen nicht entsprochen?

Eine Ursachenforschung auf der psychischen Ebene kann hier hilfreich sein, um die Verbindung zu dem belastenden Lebensereignis oder auch unbewussten Konflikten herzustellen.
 

Tinnitus und Neurose

Es sollte auch immer eine Neurose in Betracht gezogen werden. Neurose ist ein Konzept aus der Psychoanalyse und beschreibt, den mehr oder weniger erfolgreichen Versuch frühkindlich seelische Konflikte zu kompensieren und begleitende Gefühle wie Angst, Trauer oder Wut abzuwehren, und zu vermeiden. Misslingt dies, wird ggf. ein krankhaftes Symptom entwickelt, wie beispielsweise der Tinnitus.

Aus tiefenpsychologischer Sicht wurden bei Tinnitus-Patienten oft depressive und zwanghafte Persönlichkeiten bzw. Persönlichkeitsstrukturen beobachtet.


Tinnitus, Depression und Zwang

Ist ein Mensch an einer Depression erkrankt, sucht er die Schuld bei sich selbst, verurteilt sich dafür, fühlt sich ohnmächtig, minderwertig, und vieles mehr - so auch beim Tinnitus. Dies kann für die Betroffenen zu einem solch hohen Leidensdruck führen, dass sie schließlich depressiv werden bzw. dies kann auch Ausdruck einer depressiven Persönlichkeit sein.

© Viktor_Gladkov - iStockStress bei der Arbeit oder im Alltag kann einen Tinnitus auslösen (© Viktor_Gladkov - iStock)Eine Depression ist auch oft die Erkrankung der Fleißigen - sie opfern sich häufig für den Beruf und die Familie auf. Aber eine Depression kann auch Ausdruck unterdrückter Wut sein - das Pfeifen könnte hier ein Alarmsignal darstellen.

Zwanghafte Menschen haben ein überstarkes Kontrollbedürfnis, und erleben Ohrgeräusche als unbeherrschbar und unkontrollierbar. Dies wird zusätzlich als großer Stressfaktor erlebt.

Für Betroffene könnte ein Weg der Behandlung sein, seelischen Ursachen auf den Grund zu gehen, lernen, unterdrückte Gefühle zu bewältigen sowie auch das Erlernen eines positiven und entspannten Umgangs mit den Ohrgeräuschen, gerade bei Patienten mit chronischem Tinnitus.

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