3 Selbsthilfe-Tipps bei Tinnitus

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© pathdoc - fotoliaStändige Ohrgeräusche wie bei einem Tinnitus können erhebliche Auswirkungen auf die Psyche haben (© pathdoc - fotolia)Etwa vier Millionen Menschen leiden alleine in Deutschland unter Ohrgeräuschen. Die meisten von ihnen sind schlecht oder gar nicht versorgt. Dabei kann man auch einen chronischen Tinnitus gut behandeln. 

Heute weiß man, dass Tinnitus die Folge einer fehlerhaften Hörverarbeitung ist. Statt die Störsignale zu unterdrücken, die aufgrund von geschädigten Sinneszellen im Innenohr entstehen, verstärkt sie die Hörverarbeitung. Das passiert besonders infolge akuter Schädigungen des Ohres, z.B. durch einen Hörsturz oder Lärm, Verspannungen des Kiefergelenks oder durch übermäßigen Stress.

Da ein einmal wahrgenommener Tinnitus selbst auch wieder Stress verursacht, entsteht so ein folgenreicher Teufelskreis, der unbehandelt zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität führt. Nicht wenige Betroffene entwickeln im Laufe der Zeit deshalb auch psychische Probleme, Schlafstörungen, Angstzustände oder Depressionen. Das muss aber nicht sein.

Drei Selbsthilfe-Maßnahmen für Tinnitus Patienten

Mit drei Maßnahmen kann die Hörverarbeitung im Rahmen einer individuellen, strukturierten Therapie dazu gebracht werden, den Tinnitus zu unterdrücken:

  1. Eine erste Hilfe bieten leise Natur- oder Hintergrundgeräusche. Sie verhindern, dass der Tinnitus allzu präsent ist und durchbrechen den Teufelskreis aus Ohrgeräuschen und Stress.
  2. Verspannungen sind wie ein Lautstärkeknopf für den Tinnitus. Umgekehrt führen Entspannungsmaßnahmen dazu, dass die Ohrgeräusche leiser werden. 
  3. Da die Hörverarbeitung die Aufgabe hat, wichtige Geräusche zu verstärken und unwichtige zu unterdrücken, spielt vor allem auch die innere Einstellung gegenüber dem Tinnitus eine wichtige Rolle. Je mehr man ihn bekämpft und für je lebensbestimmender man ihn hält, desto wichtiger nimmt man ihn und desto mehr verstärkt ihn die Hörverarbeitung. Eine kognitive Verhaltenstherapie kann hier helfen, solche schädlichen Einstellungen Schritt für Schritt durch nützliche zu ersetzen und damit den Tinnitus im Idealfall zum Verschwinden bringen.

Wie lange dauert die Therapie?

Da es sich bei der Behandlung um einen Lernprozess handelt, dauert sie in der Regel mehrere Monate. Dafür verbessern sich durch sie aber auch regelmäßig die Beschwerden. Durchgeführt wird sie in spezialisierten HNO-Praxen, Tinnitus-Ambulanzen und neuerdings auch online als mobile App. In Einzelfällen kann bei sehr starken psychischen Beschwerden auch ein Klinikaufenthalt oder eine Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll sein. 

Da Fehlinformationen leider sehr verbreitet sind, sollte man seine Informationen sorgfältig auswählen und nur seriösen medizinischen Quellen mit wissenschaftlichem Hintergrund trauen.

Zusammengefasst sollten Patienten mit Tinnitus drei Dinge vermeiden: Stille, Stress und Google.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


27.03.2018 - 14:00 Uhr

Sehr geehrter Herr Walter, ich habe es seit...

von Patientin X

... einer Woche, also frisch und abstellbar, wenn ich ihrem Artikel glauben schenken darf.. können Sie mir bitte eine solche Praxis hier in der Nähe nennen? (Stockach nähe Bodensee) Ich war beim ortsansässigen HNO Arzt und der meinte, man könne gar nichts machen, Cortisongaben sind out, das war früher mal. ich soll halt nicht so dran denken. wo gibt eine Praxis mit systematischer Hörverarbeitung oder eine Tinnitus-Ambulanz? ich finde per "google" keine. mit freundlichen grüßen, ganz verzweifelt, Patientin X


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