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Kognitive Verhaltenstherapie: Tinnitus-Behandlung ohne Medikamente

Dr. Walter

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© Dr. Uso WalterJe mehr Aufmerksamkeit dem Tinnitus gewidmet wird, desto schwerer wird es, ihn loszuwerden. (© Dr. Uso Walter)Chronischer Tinnitus entsteht durch eine Fehlfunktion der Hörverarbeitung, die durch Hörverluste, Stressfaktoren oder Verspannungen im Kiefergelenksbereich ausgelöst wird. Da der Tinnitus selber auch wieder Stress verursacht, kommt es häufig zu einem Teufelskreis, der für die Betroffenen nur schwer zu kontrollieren ist.

Dennoch gibt es heute gute Möglichkeiten, auch einen chronischen Tinnitus noch erfolgreich zu behandeln. Denn ob ein Tinnitus stört oder nicht, entscheidet sich nicht im Ohr, sondern vor allem im Kopf. Und hier spielt vor allem die innere Einstellung gegenüber dem Tinnitus eine wichtige Rolle.

Verhaltenstherapie in der Tinnitus-Behandlung

Die europäischen Leitlinien empfehlen daher neben einer Hörverbesserung bei Hörverlusten vor allem eine kognitive Verhaltenstherapie. Mit ihr lassen sich die unterbewussten Einstellungen, die den Tinnitus verstärken und den Leidensdruck erhöhen, erkennen und durch hilfreiche ersetzen.

Da es sich hierbei um Lernprozesse handelt, ist eine individuelle, mehrmonatige Behandlung als ambulante psychologische Verhaltenstherapie erforderlich. Alternativ dazu gibt es ein Übungsprogramm in Form einer verhaltenstherapeutischen Tinnitus-App.

Ergänzt werden sollte die verhaltenstherapeutische Behandlung durch eine ausführliche Beratung, Entspannungsanleitungen und die Behandlung von Begleitbeschwerden. Dazu zählen Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis), SchlafstörungenKiefergelenksprobleme und Ohrerkrankungen.

Wie genau funktioniert die Verhaltenstherapie?

Warum aber funktioniert eine kognitive Verhaltenstherapie so gut und andere Verfahren, wie Medikamente, Noiser oder eine reine Beratung, nicht? Das liegt an der Hörverarbeitung, deren Aufgabe es ist, wichtige Geräusche zu verstärken und unwichtige zu unterdrücken.

Findet man seinen Tinnitus ganz schrecklich und versucht ihn zu bekämpfen und loszuwerden, nimmt man ihn wichtig. In der Folge verstärkt er sich. Gelingt es einem, ihn nicht mehr für wichtig zu halten, sondern zu akzeptieren, wird die Hörverarbeitung ihn unterdrücken. 

Da es sich hierbei jedoch um unterbewusste Haltungen und Einstellungen handelt, hilft die Einsicht in diese Zusammenhänge alleine noch nicht viel weiter. Psychologische Verfahren aus der Verhaltenstherapie sind aber durchaus in der Lage, Veränderungen im Bewusstsein des Patienten zu bewirken. Das ist auch der Grund, warum HNO-Ärzte nach der ersten Abklärung des Tinnitus und den notwendigen diagnostischen und HNO-therapeutischen Maßnahmen schnell an ihre Grenze kommen: Ein chronischer Tinnitus ist kein Problem des Ohres, sondern der Hörverarbeitung im Kopf.

Die Grafik zeigt noch einmal die Zusammenhänge: Alle Geräusche, die vom Ohr weitergeleitet werden, werden von der Hörverarbeitung gefiltert. Nur die wichtigen werden bewusst. Auch die eigenen Ohrgeräusche durchlaufen diese "Filterfunktion". Stress (der Blitz oben im Bild) oder eine negative Bewertung (der Like-not-Button unten im Bild) wirken als Stressoren auf die Hörverarbeitung. Sie stuft das entsprechende Geräusch als wichtiger ein und verstärkt es.

 

Fazit

Für betroffene Patienten heißt das: Bei einem Tinnitus sollte der erste Gang immer der zum HNO-Arzt sein. Dieser kann dann nach Abklärung des Ohres und dem Ausschluss behandlungsbedürftiger Erkrankungen die entsprechende Therapie veranlassen. Das kann bedeuten, dass er den Patienten entweder zu einem Psychologen schickt oder ihm eine verhaltenstherapeutische Tinnitus-App empfiehlt.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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