Das jameda-Interview: 9 Fragen an Frau Dr. med. Julia Middelhoffinfo_plain_20gr

Frau Dr. Middelhoff praktiziert in der Emma Klinik in Seligenstadt. (© Emma-Klinik)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Frau Dr. med. Julia Middelhoff interessante Fragen zu ihren Erfahrungen als Ärztin.

jameda: Frau Dr. Middelhoff, was hat Sie motiviert, Ärztin zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Frau Dr. Middelhoff: Der Gedanke, die Menschen durch eine Operation heilen zu können, hat mich schon immer fasziniert. Viszeralchirurgie ist ein unglaublich breites Gebiet, es erfordert fundierte Kenntnisse über Anatomie, Physiologie und vor allem ein gutes Verständnis der Zusammenhänge in unserem Körper.

Durch aufmerksames Zuhöhren gelingt es meist bereits, eine Verdachtsdiagnose zu äußern. Durch die körperliche Untersuchung ergibt sich dann ein konkreteres Bild und man kann auch ggf. moderne Technik zur Diagnosesicherung einsetzen.

Die Behandlung besteht aus drei Säulen: perioperative Diagnostik, Operation und Nachbehandlung. Alle drei sind gleich wichtig. Der Behandlungserfolg hängt von allen drei gleichermaßen ab. Das hat mich schon immer begeistert.

Der Schwerpunkt "Phlebologie" kam zunächst ganz zufällig dazu. In meiner Assistenzarztzeit am Klinikum wurde ich auch im Rahmen der Ausbildung auf einer gefäßchirurgischen Station eingesetzt. Dort wurden hauptsächlich Patienten mit Durchblutungsstörungen behandelt. Ich sah aber auch bei ganz vielen Menschen die klassischen Krampfadern und deren Spätfolgen, die eigentlich eher nur am Rande mitbehandelt wurden. Der Leidensdruck der Patienten war meist recht hoch. Aber es gab zu wenig Behandler im ambulanten Bereich, an die sich die Patienten wenden konnten.

Nachdem ich mich noch eine Weile in meiner Freizeit mit dem Thema beschäftigt hatte, war es für mich klar, dass man auf diesem interessanten Gebiet definitiv mehr tun sollte und so machte ich die 18-monatige Schwerpunktausbildung zum Phlebologen.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Frau Dr. Middelhoff: Mein Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der stadiengerechten Varizenchirurgie. Die operativen Behandlungsmöglichkeiten sind vielfältig, es geht dabei nicht nur um die optische Verbesserung, die vom Patienten natürlich meistens als vordergründig empfunden wird. Sondern auch um die Funktionsverbesserung durch Ausschalten insuffizienter Venenkreisläufe.

Für die richtige Operationsplanung ist es unumgänglich, eine sorgfältige Diagnostik voranzustellen. Ich nehme sie natürlich selbst vor und plane gemeinsam mit dem Patienten alle weiteren Schritte.

Nicht immer ist eine Operation sinnvoll und der Erfolg hängt maßgeblich auch von der Mitarbeit des Patienten ab. Ein partnerschaftliches Arzt-Patienten-Verhältnis ist das Entscheidende.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Frau Dr. Middelhoff: Alles Gute ist nie beieinander. In meiner klinischen Laufbahn durfte ich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten und alle hatten ihre Stärken und Schwächen, ich natürlich auch. Ich habe immer versucht, mir das Positive abzuschauen und anzueignen. Auch die Negativbeispiele sind im Leben nützlich.

Die technisch exzellenten Operateure waren nicht immer bessere Ärzte und andersrum genau so. Neben dem Bestreben, sich manuell stets zu verbessern, sollte man die Fähigkeit, mit dem Patienten vernünftig und verständlich reden zu können, nie außer acht lassen. Da ist man sein Leben lang zur persönlichen Weiterentwicklung angehalten.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Frau Dr. Middelhoff: Die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran, auch in der Arztpraxis. Manchmal ist es Segen und Fluch zugleich, wenn zum Beispiel nach den letzten Updates das ganze System zusammenbricht und man einfach in keine Patientenakte mehr reinschauen kann.

Aber es ist schon sehr komfortabel mit den elektronischen Patientenakten zu arbeiten. Es spart viel Zeit. Ich bin gespannt auf die elektronische Gesundheitskarte. Wenn sie uns die lästigen Befundanforderungen von anderen Fachärzten ersparen würde, wäre es eine echte Erleichterung.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Frau Dr. Middelhoff: Die größte Herausforderung, nicht nur auf meinem Fachgebiet, sondern allgemein in der Medizin, besteht darin, dem Patienten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Die Technologien entwickeln sich rasant und man muss stets up to date sein, um mithalten zu können.

Da ist man bestrebt, sich stetig fortzubilden, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Wobei nicht jede neue Erfindung eine Verbesserung bedeutet. Man muss kritisch bleiben, sich dem Neuen aber keinesfalls verschießen. 

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Frau Dr. Middelhoff: Ich begleite meine Patienten über Jahre bis Jahrzehnte. Die Krampfadererkrankung ist genetisch bedingt und schreitet fort. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist, dass man fast immer etwas machen kann, um die Beschwerden zu lindern. Ich versuche immer, die Ziele und entsprechenden Therapien gemeinsam mit dem Patienten festzulegen, um sicherzugehen, dass wir die gleiche Vorstellung haben.

Das erspart Enttäuschungen und schafft eine gute partnerschaftliche Beziehung. Ich denke, dass es auch von den Patienten als angenehm empfinden wird. Die Zeiten, in denen der Arzt alles von oben herab diktiert, sind längst vorbei. 

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Frau Dr. Middelhoff: Da die Erkrankung chronisch ist, sehe ich natürlich meine Patienten in regelmäßigen Abständen, auch zu Kontrolluntersuchungen. In einigen Fällen entsteht eine persönliche Beziehung. Es hat ein wenig etwas von einer allgemeinmedizinischen Praxis, was bei den Fachärzten aus chirurgischen Fachrichtungen recht selten ist.  

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Frau Dr. Middelhoff: Es gibt immer wieder Erlebnisse, die für immer im Gedächtnis bleiben. Dramatische Fälle aus dem Klinikalltag, die einen sein Leben lang nicht mehr loslassen, positive Erlebnisse in der Praxis, über die man immer wieder schmunzeln muss.

Das macht unser Dasein als Mediziner aus. Es gibt keinen Alltag, denn jeder Tag ist anders und jeden Tag erlebt und lernt man etwas Neues dazu.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Frau Dr. Middelhoff: Ich bin ein wahrer Verfechter der Vorsorge. Viele Dinge sind nicht so schlimm und viele Erkrankungen sind heilbar, wann man sie rechtzeitig entdeckt. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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