Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. Klaus Hoffmann

Dr. Hoffmann

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© Dr. HoffmannHerr Dr. med. Hoffmann ist Hautarzt in Bochum (© Dr. Hoffmann)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Klaus Hoffmann interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Hautarzt.

jameda: Herr Dr. Hoffmann, was hat Sie motiviert, Hautarzt zu werden?
Herr Dr. Hoffmann: Das Fach des Hautarztes ist sicherlich das Fach mit der breitesten chirurgischen und internistischen Ausbildung und dies hat mich von jeher gereizt. Eigentlich heißt es ja Dermato- und Venerologie, was so viel heißt wie Haut- und Geschlechtskrankheiten - damit sind die immunologischen Erkrankungen automatisch schon mit in der Facharztausbildung beinhaltet. Gleichzeitig ist der häufigste Krebs des Menschen der Hautkrebs, das heißt, operative Fähigkeiten sind für den Dermatologen ein absolutes „Muss“ - dies gilt gerade für das Gesicht und das Fettgewebe. Ich habe zudem noch die Venenheilkunde, die Allergologie, spezielle medikamentöse Therapien, die Notfallmedizin sowie die Labormedizin als weitere von der Ärztekammer anerkannte Zusatzbezeichnungen erworben. Letztlich war es also die Breite des Faches, die mich in die Dermatologie gebracht hat.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Herr Dr. Hoffmann: „Alles das, was einem Spaß macht, ist keine Arbeit!“ hat mal ein kluger Mensch gesagt. Die Breite des Faches ist es, die meine tägliche Herausforderung darstellt. Nichtsdestotrotz ist es aber so, dass man sich irgendwann spezialisieren muss – für mich ist das die ästhetisch operative Medizin. Mit der Grundausbildung im Bereich der Immunologie und der operativen Kenntnisse konnte ich mich genau dort verwirklichen, wo es mir Spaß macht. Dadurch, dass ich an einer Universitätsklinik geblieben bin, war ich zudem nicht wie andere meiner Kollegen irgendwelchen finanziellen Zwängen unterlegen - anders gesagt, als Angestellter im wissenschaftlichen System kann man sich ausschließlich dem Patienten widmen und muss nur in zweiter Linie finanzielle Dinge beachten. Dies nimmt einem selbst viel Druck und kommt letztendlich dem Arzt-Patientenverhältnis zu Gute. Ist das Arzt-Patientenverhältnis gut, ist das Arbeiten stressfrei und bereitet viel Freude.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?
Herr Dr. Hoffmann: Das häufigste Vorurteil, das Dermatologen gegenüber vorgebracht wird, ist, dass ihr Fach sehr breit aufgestellt ist. Diese Behauptung kann aber für alle Fächer gelten. Kein plastischer Chirurg kann das ganze Spektrum Brüste, Nasen, Ohren, Facelifts usw. operieren, denn auch er wird sich spezialisieren müssen – und so muss es letztendlich auch der Dermatologe machen. Der Dermatologe hat demnach Spitzenniveau im Bereich der Phlebologie, der Allergologie oder eben im OP - alles gleichzeitig zu betreiben, ist jedoch überaus schwierig. Wenn man aber dem Patienten klarmacht, dass eine gewisse „Subspezialisierung“ vorhanden ist, gewinnen sie an Vertrauen und dies macht die Behandlung für beide Seiten überaus angenehm.

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen?
Herr Dr. Hoffmann: Im ärztlichen Tun gibt es immer wieder Dinge, die auch den Arzt belasten. So können wir gerade jetzt, wenn wir schwerstverbrannte Patienten aus Kriegsgebieten bekommen, nicht allen mit der Laserbehandlung ihrer Narben helfen. Schon gar nicht innerhalb von ein oder zwei Sitzungen. Gerade Patienten, die schwerst traumatisiert sind, haben aber ein großes Durchhaltevermögen. Andere Patienten, die mit allerhöchstem Anspruchsdenken an den Arzt herantreten und glauben, dass der „Halbgott Arzt“ alles schaffen kann, werden natürlich auch bisweilen enttäuscht. Gern benutze ich das Beispiel, dass wir bereits auf den Mond fliegen können, aber es an guten Medikamentne gegen Haarausfall, Warzen und Schnupfen fehlt. Wir können diese zwar behandeln, aber nicht heilen. Spätestens hier wird vielen Patienten klar, dass Medizin eben doch nicht so einfach ist, wie häufig suggeriert wird.

© Dr. Hoffmann PraxisEin Einblick in die Praxis: Das moderne Wartezimmer (© Dr. Hoffmann Praxis)jameda: Wie reagieren Sie, wann Die merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?
Herr Dr. Hoffmann: Patienten folgen normalerweise einem Therapieplan immer dann, wenn sie ihn verstehen. Ich bin Gutachter an verschiedenen Landgerichten und stelle immer wieder fest, dass die Aufklärung von Patienten, obwohl diese im Patientenrechtegesetz deutlich in ihren Anforderungen präzisiert ist, nicht immer gut ist. Natürlich gibt es auch die Patienten, die alleine schon aufgrund ihres Alters oder anderer Erkrankungen nicht verstehen können, warum das eine oder das andere für sie besser ist. Wir lösen das, indem wir dem Patienten geradezu Anweisungen „Step by Step“ mitgeben. Bei einer vorwiegenden Tätigkeit im Bereich der Ästhetik haben wir auch den Luxus, dass wir es uns leisten können, über eine halbe Stunde lang aufzuklären und im Zweifelsfall die Aufklärungen sogar zu wiederholen. Die sogenannte „Non-Compliance“, das heißt, dass Patienten unseren Ratschlägen nicht folgen, ist aber eher selten.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?
Herr Dr. Hoffmann: Das Erste, was ich im Gesundheitssystem ändern würde, wäre mehr Transparenz und Ehrlichkeit zu schaffen. Das System ist chronisch unterfinanziert. Gerade wenn ich in mein Heimatbundesland Nordrhein-Westfalen schaue, muss ich erkennen, dass die Krankenhäuser einen Investitionsstau haben, der ins Unermessliche geht. Gleichsam ist die Personalausstattung gerade im Pflegebereich viel zu niedrig. Die Gebührenordnung für Ärzte ist seit vielen Jahren nicht angepasst worden. Um diese Missstände wissen die Politiker, sie drücken sich aber hier Entscheidungen zu treffen. Wenn ich die Macht hätte, würde ich den Bürgern klarmachen, was tatsächlich jetzt und auch in der Zukunft möglich ist und sie an jeglichen Entscheidungen beteiligen. Sicher ist, dass die „Vernebelungspolitik“, die derzeit betrieben wird, so nicht weitergehen kann. Im Bereich der Ärzteschaft hat sich in den letzten Jahren dennoch viel getan. Es gibt beispielsweise mittlerweile eine festgeschriebene Fortbildungspflicht und die Kooperation mit Firmen ist sogar strafgesetzlich geregelt. Zudem gibt es mittlerweile festgeschriebene Regeln für Versicherungen, Dokumentationen und ähnliches.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?
Herr Dr. Hoffmann: Ärzte sollten in ihrem Spezialbereich eine regelmäßige Fortbildung nachweisen müssen. Diese gibt es bereits im Bereich der Schönheitsmedizin in Bezug auf Filler, Botox, Laser etc., aber auch regelmäßige Fortbildungen im allgemeinen Bereich wie z.B. der Notfallmedizin, im Labor etc. sollten nachgewiesen werden müssen. In diesen Bereichen könnte die regelmäßige Auffrischung von Facharztprüfungen und die Erhöhung von Subspezialitäten wie z.B. Schönheitsmedizin mit einer zertifizierten Fortbildung verbessert werden.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?
Herr Dr. Hoffmann: Ich habe die große Freude, dass Zentrum für Lasermedizin des Landes Nordrhein-Westfalen zu leiten. Ich darf daher an die 30 verschiedene Laser benutzen und habe alles an nichtinvasiver Fettentfernung zur Verfügung - von Kälte, Hitze, Radiofrequenz bis hin zu minimalinvasiven Lasertherapien, etc. Diese maximale technische Ausstattung im Bereich der Ästhetik war auch einer der Gründe, warum ich an der Universitätsklinik Bochum geblieben bin. Letztlich ist die gute Ausstattung in der täglichen Arbeit und das Arbeiten am Limit der technischen Möglichkeiten, die die Forschung derzeit hergibt, ein Vorzug, der neben der Kollegialität im Team sehr wertvoll ist.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?
Herr Dr. Hoffmann: Natürlich gibt es immer wieder Patienten, die man nicht vergisst. Natürlich insbesondere diejenigen, die besonders glücklich sind. Die weinende Patientin, die nach einer Gesichtsoperation keine Narben mehr hat, der syrische Flüchtling, der nach 10 Lasertherapien seinen Hals und seinen Arm wieder bewegen kann oder aber die glückliche Mutter, deren Kind ein Feuermal aus dem Gesicht mit Hilfe eines Farbstofflasers entfernt worden ist. Diese kleinen täglichen Highlights sind es auch, die den Arztberuf meines Erachtens nach so attraktiv machen.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Herr Dr. Hoffmann: Ich werde immer wieder gefragt, wie lange denn die Operationen oder die Behandlung generell, die ich an den Patienten durchführe, halten. Meine Antwort ist dabei relativ einfach: Sagen Sie mir, wie oft Sie Urlaub machen, wie gesund Sie leben, wie gesund Sie essen, wieviel Stress Sie haben, ob Sie Alkohol trinken oder rauchen, ob Sie regelmäßige Pausen machen, ob Sie regelmäßig und gesund schlafen sowie ob Sie Ihre Haut pflegen. Es gibt nicht den einen Gesundheitstipp, es gibt nicht die eine Diät, die zu Ihrem Ziel führt. Es ist letztendlich die gesamte Lebensführung, die man im Griff haben muss. Diese führt dann am Ende des Tages sowohl zu einer besseren Gesundheit, aber auch zu einem besseren ästhetischen Erscheinungsbild. Kein Schönheitschirurg kann jemanden, der raucht, trinkt, nicht schläft, keinen Urlaub macht und 16 Stunden arbeitet, auf Dauer schön machen. Dies wird uns lediglich von gewissen Hollywoodstars vorgegaukelt, sobald aber das Make-Up ab ist oder aber ein Journalist ein wahres Foto schießt, werden wir mit der grausamen Wahrheit konfrontiert.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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