Das jameda-Interview: 10 Fragen an Herrn Dr. med. Johannes Müller-Steinmann

Dr. Müller-Steinmann

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© Müller-SteinmannHerr Dr. Müller-Steinmann praktiziert als Hautarzt in Kiel. (© Müller-Steinmann)Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. Müller-Steinmann interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Hautarzt.

jameda: Herr Dr. Müller-Steinmann, was hat Sie motiviert, Hautarzt zu werden?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Die Haut ist das einzige Organ des menschlichen Körpers, bei dem wir Ärzte in vielen Fällen auf einen Blick erkennen können, um welche Erkrankung es sich handelt. Gleichzeitig sehen wir – und auch die Patienten – direkt die Erfolge einer Behandlung. Patienten können so quasi beobachten, wie sich ihre Probleme bessern.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Besonders schön ist es, Patienten zu helfen, die seit vielen Jahren mit Hauterkrankungen zu kämpfen haben und dann endlich eine wirkungsvolle Behandlung erhalten. Oft werden Therapien jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen, sodass die Patienten dafür selbst aufkommen müssen. Zum Beispiel bei Laserbehandlungen gegen Rosacea oder Nagelpilz. Und das, obwohl diese Therapien langfristig wirkungsvoll sind.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Es gibt immer wieder Patienten, die sich wundern, dass ich innerhalb weniger Minuten sehen kann, an welcher Erkrankung sie leiden. Das liegt aber einfach an meiner jahrelangen Erfahrung. Ich erkenne eine Neurodermitis oder allergische Reaktion sofort – dafür braucht es in der Regel keine aufwändigen Tests. Auch die Therapie ist oft einfacher, als viele denken. Meist müssen die Patienten jedoch mitarbeiten und auf ihre Ernährung und die richtige Hautpflege achten.

© Müller-SteinmannDer Empfangsbereich des Hautarztzentrums Kiel. (© Müller-Steinmann)jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen? 

Herr Dr. Müller-Steinmann: Viele Erkrankungen klingen nur vollständig ab, wenn die Patienten ihren Lebensstil anpassen. Eine gesunde Ernährung oder der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel sowie Genussmittel können bei einer Therapie genauso wichtig sein wie Medikamente oder Salben. Daran erinnere ich meine Patienten regelmäßig und versuche, sie zu motivieren.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Es gibt immer wieder Patienten, denen es sehr schwerfällt, zum Beispiel auf Zigaretten oder die geliebte Schokolade zu verzichten. Dann muss ich sie motivieren und Unterstützung anbieten. Wenn jemand meinen Rat nicht befolgen möchte oder sich weigert, die verordnete Salbe zu benutzen, versuche ich, die Gründe herauszufinden. In einigen Fällen sind jedoch auch mir als Arzt die Hände gebunden.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Herr Dr. Müller-Steinmann: In Deutschland ist es so, dass ich als Arzt pro Kalenderjahr nur eine bestimmte Summe für all meine gesetzlich versicherten Patienten ausgeben darf. Das soll dazu dienen, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen zu begrenzen. Das bedeutet: Jedes Rezept, das ich ausstelle, jede Behandlung, die ich durchführe und jeder Test, den ich anordne, wird von diesem Budget abgezogen. Das würde ich ändern und die Budgetierung aufheben, sodass ich jedem Patienten gerecht werden kann – wie er es verdient.

jameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Ärzte sollten sich gegenüber neuen Methoden öffnen und ihren Patienten ein breites Behandlungsspektrum anbieten – auch über die kassenärztlichen Leistungen hinaus. Patienten sind heutzutage besser informiert und kommen oft mit einem großen Vorwissen in die Praxis. Sie haben also auch das Recht auf Behandlungen, die über den Goldstandard herausgehen.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Wir haben in unserer Praxis acht verschiedene Lasergeräte, mit denen wir eine Vielzahl von Hautproblemen behandeln können. Darunter fallen z.B. Erkrankungen wie Couperose, Rosacea, Nagelpilz, Warzen und heller Hautkrebs. Zudem haben wir uns auf ästhetische Behandlungen mit Lasern, Botulinumtoxin, Hyaluron-Fillern und selbstauflösenden Fäden spezialisiert. Damit bieten wir unseren Patienten ein Rundum-Paket an dermatologischen Therapien an.

© Müller-SteinmannHerr Dr. Mülle-Steinmann während einer Laser-Behandlung. (© Müller-Steinmann)jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Da gibt es zwei: Eine Patientin klagte über Schwäche und Müdigkeit, unter der sie schon seit Jahren litt. Letztendlich haben wir dann eine Borreliose festgestellt und erfolgreich mit Antibiotika behandelt. Danach war die Patientin überglücklich und wieder gesund.

Eine andere Patientin war sehr unzufrieden mit ihrem müden Aussehen. Wir behandelten sie mit Hyaluron-Fillern. Danach sah sie deutlich wacher und frischer aus. Als sie das Ergebnis im Spiegel sehen konnte, weinte sie vor Glück. Die Behandlung dauerte nur wenige Minuten, aber das Ergebnis hat ihr Leben verändert.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Herr Dr. Müller-Steinmann: Jeder kann selbst sehr viel dazu beitragen, lange gesund und fit zu bleiben. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol sowie viel Bewegung. Damit können Patienten nicht nur ihr Herz stärken, Diabetes vorbeugen und Übergewicht verhindern, auch die Haut wird es danken. Weiterhin sollten Sie gerade im Sommer immer an einen Sonnenschutz denken. Denn die UV-Strahlung ist für 80 Prozent der Hautalterung verantwortlich und begünstigt krankhafte Veränderungen der Haut. Also: Immer schön eincremen!

 

Zur Person

Dr. med. Johannes Müller-Steinmann ist seit über 20 Jahren als Hautarzt in Kiel aktiv. Er ist Ärztlicher Leiter des Hautarztzentrums Kiel und Ärztlicher Direktor der "Vitaklinik – Klinik für Dermatologie". Außerdem ist er Autor zahlreicher medizinischer Ratgeber und bildet Ärzte in Techniken der ästhetischen Dermatologie aus.

Zur Praxis

Vom Allergietest bis zur Therapie einer Schuppenflechte ist das ganze Spektrum hautärztlicher Behandlungen möglich. Weiterhin bietet die Praxis moderne Verfahren, die über die kassenärztlichen Leistungen hinausgehen, wie Lasertherapien und ästhetische Behandlungen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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