Wann ist die Herzrhythmusstörung lebensbedrohlich?

Prof. Dr. Andresen

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© lightwavemedia - fotoliaNicht jede Herzrhythmusstörung ist lebensbedrohlich (© lightwavemedia - fotolia)Die Funktion unseres Herzens

Damit unsere Organe (Gehirn, Leber, Lunge, Darm, Muskel etc.) funktionieren können, brauchen sie ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe. Dies geschieht über das Blut, das in einem weit verzweigten Netzwerk von Blutgefäßen (Kreislauf) die Organe durchströmt, angetrieben durch eine Pumpe: Unserem Herzen. Dieses Herz besteht aus 4 von einem Muskel umgebenden Hohlräumen, den Herzkammern. Durch das Zusammenziehen des Muskels (Kontraktion) wird das Blut in die Gefäße gepumpt und durch die Entspannung (Relaxation) wieder angesaugt.

Damit sich der Herzmuskel zusammenziehen und wieder entspannen kann, bedarf es eines kleinen Stromstoßes - einer elektrischen Erregung. Sie geht von dem Sinusknoten aus, der sozusagen unser natürlicher Schrittmacher im Herzen ist. Ca. 70mal/ min, 100.000mal am Tag erregt der Sinusknoten unseren Herzmuskel. 100.000mal am Tag zieht sich daraufhin der Muskel zusammen und pumpt damit pro min 5 l, also pro Tag 7 Tonnen Blut durch unseren Kreislauf.

Wann ist eine Rhythmusstörung lebensbedrohlich?

Der Sinusknoten verrichtet seine Schrittmacher-Tätigkeit ohne „jegliches Aufsehen“ in stetiger Regelmäßigkeit. Bei Aufregung oder körperlicher Belastung ein wenig schneller, manchmal auch ein wenig langsamer (in der Ruhe oder im Schlaf), aber immer so, dass man den Herzschlag eigentlich nicht spürt.

Wenn dieser regelmäßige Sinus-Rhythmus gestört ist, sprechen wir von Herzrhythmusstörungen. Herzrhythmusstörungen können entstehen in den beiden Vorhöfen sowie in den beiden Herzkammern. Sie können für die einen völlig unbemerkt bleiben, andere empfinden sie als ausgesprochen lästig. Anderen wiederum haben unter den Rhythmusstörungen erhebliche Beschwerden wie Angina pectoris (Brustenge), Luftnot oder körperliche Schwäche. Bei wiederum anderen sind sie verantwortlich für einen Schlaganfall und können sogar zum plötzlichen Tod führen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang dann von „lebensbedrohlichen“ Rhythmusstörungen und meinen damit zum einen die Kammertachykardie und zum anderen das Kammerflimmern.

Was sind Extrasystolen und die Kammertachykardie?

Wie oben beschrieben, bestimmt der Sinusknoten den Takt unseres Herzens. Grundsätzlich aber ist jede Muskelzellen im Herzen in der Lage eine elektrische Erregung abzugeben. Da es dem Herzmuskel egal ist, woher die elektrische Erregung kommt, zieht er sich auch infolge einer „anormalen Erregung“ zusammen. Da eine solche Erregung quasi außer der Reihe „Extra“ auftritt, sprechen wir von einem Extraschlag (gleich Extrasystole). Da dieser Extraschlag aus der Kammer (Ventrikel) kommt, sprechen wir von einer Kammer- Extrasystole (ventrikuläre Extrasystole).

Extrasystolen, die von der Herzkammer stammen, können gefährlich, sogar lebensbedrohlich werden. Dann nämlich, wenn eine oder mehrere Zellen nicht nur einzelne, sondern hintereinander in sehr schnellen Taktfolgen Impulse abgeben, die den Herzmuskel quasi zwingen, sich in ebenso hoher Geschwindigkeit zusammenzuziehen. Das Herz fängt an zu rasen. Im EKG erkennt man ein plötzliches Ansteigen der elektrischen Impulse (Kammertachykardie). Je nachdem wie hoch die Impulsrate ist, kann sich der Herzmuskel nur noch unvollständig zusammenziehen und wieder entfalten. Entsprechend wird weniger Blut in den Kreislauf gepumpt, der Blutdruck sinkt ab. Je schneller das Herz bei einer Kammertachykardie schlägt, umso bedrohlicher ist dies für den Patienten.

Was spürt der Patient?

Das Ausmaß der Beschwerden hängt wesentlich von der Frequenz der Kammertachykardie ab. Aber auch von dem Zustand des Herzmuskels und dem Zustand der Hirngefäße. In aller Regel gilt dabei: Solange das Herz „nur“ 160-180/min schlägt, wird der Patient außer einem Herzrasen nur ein allgemeines Unwohlsein verspüren. Beträgt die Frequenz jedoch 200-220/min, kommt es durch den Abfall des Blutdrucks zu einer körperlichen Schwäche, häufig begleitet von Schweißausbruch, Engegefühl in der Brust, Luftnot und Todesangst.

Eine noch höhere Frequenz führt zum weiteren Absinken des Blutdrucks und damit Abnahme der Blutversorgung, vor allem des Gehirns. Der Patient wird benommen und droht bewusstlos zu werden. Schlägt das Herz noch schneller, kann es sich gar nicht mehr schnell genug zusammenziehen und entfalten. Wir sprechen dann nicht mehr von einer Kammertachykardie, sondern von Kammerflimmern. Der Kreislauf bricht komplett zusammen, es fließt kein Blut mehr - auch nicht in das Gehirn. Wir sprechen von einem Herz-Kreislaufstillstand.
Der Patient wird in wenigen Sekunden bewusstlos und verstirbt in den folgenden Minuten (sog. plötzlicher Herztod), wenn er nicht sofort wiederbelebt wird.

Häufigkeit des plötzlichen Herztodes

In Deutschland erliegen pro Jahr etwa 60.000 Menschen einem plötzlichen Herztod. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem akuten Herz-Kreislaufstillstand eine rechtzeitige Wiederbelebung (Reanimation) zu überleben, ist auch heute noch sehr gering. Von 100 Menschen, die einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand erleiden, werden lediglich 8 erfolgreich wiederbelebt. 92 können nicht mehr gerettet werden.

Wer ist gefährdet plötzlich zu versterben?

In ¾ aller plötzlichen Todesfälle liegt eine Herzkranzgefäß-Erkrankung vor, in weiteren 15% eine Erkrankung des Herzmuskels. Die Herzkranzgefäß-Erkrankung ist dem Patienten häufig nicht bewusst. So wussten nur 45% einer Gruppe von erfolgreich wieder belebten Patienten, dass sie früher mal einen Herzinfarkt gehabt haben. Auch Symptome wie Angina pectoris oder eine Herzschwäche hatten lediglich 38%.
Viel seltener bilden Herz- Klappenerkrankungen oder angeborene Herzfehler die Grundlage für plötzlich auftretendes Kammerflimmern.

Wie erkenne ich einen plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand und was ist zu tun?

Wenn ein Mensch plötzlich zu Boden stürzt und bewusstlos wird, d.h. er abrupt nicht mehr ansprechbar ist, die Augen „verdreht“, nicht mehr atmet oder nur noch röchelt, dann sind das Zeichen einer plötzlich aussetzenden Durchblutung des Gehirns. Wenn er dann nicht in wenigen Sekunden wieder wach wird, handelt es sich um einen Herz-Kreislaufstillstand.
Es ist sofort der Rettungsdienst über die Telefonnummer 112 zu alarmieren. Bis dieser eintrifft, muss man Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen. Nur so hat der Patient eine Chance gerettet zu werden.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


29.01.2017 - 16:41 Uhr

Ich hatte am 9. Dezember 2015 einen Unfall. Ich...

von Julius E.

... fiel mit voller Wucht mit meinem Brustkorb auf einen am Boden liegenden 30x40 cm großen sehr harten Gegenstand. Seitdem hat sich meine Herzfrequenz verändert. Ich verspüre bis zu 32 Schläge pro Minute und Atemnot. Welcher Kardiologe kann mir helfen?

Prof. Dr. Andresen

Antwort vom Autor am 10.04.2017
Prof. Dr. med. Dietrich Andresen

Dass es durch ein sog. Barotrauma (heftiger SChlag z.B gegen die Brust) zu Herzrhythmusstörungen kommen kann, ist in der medizinischen Fachliteratur vielfach beschrieben worden. Mir ist sogar ein Patient bekannt, der durch einen heftigen Faustschlag einen kurzen Herzstillstand erlitten hat und deshalb wiederbelebt werden mußte.. Nicht bekannt ist mir , dass die möglichen Rhythmusstörungen so lange anhalten. Ich vermute auch eher, dass Ihre langsam Herzschlagfolge nicht Folge des damaligen Traumas, sondern nur in zeitlichem Zusammenhang damit steht. Das sollte aber letztlich durch einen Kardiologen geklärt werden. Sie fragen nach einem: Da kann Ihnen jeder helfen. Ich wünsche Ihnen alles Gute und bin mit freundlichem Gruß Prof. Dr. D Andresen

26.05.2016 - 11:16 Uhr

Leider fehlen bei dem Artikel von Prof. Andresen...

von Dagmar M.

... Seite 2 und 3. Können Sie mir die beiden Seiten etxra zumailen? Vielen Dank im Voraus, v. D. M.


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