Frauenherzen schlagen anders (Teil 1)

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Am 8. März diesen Jahres, dem Tag der Frau, wurde die Gleichstellung der Frau resümiert. Und tatsächlich nimmt die Rate des weiblichen Geschlechts in den Funktions- und Schaltzentralen der Wirtschaft und Politik zu. Unabhängig von der Frauenbewegung der 60er und 70er und unabhängig von den Vorschlägen sozialverträglicher Frauenquoten der neueren Zeit drängen Frauen in Führungspositionen. Typische weibliche Tugenden sind dem modernen Wirtschaftsleben z.T. kompatibler zuträglich als die des hergebrachten männlichen, harten Kurses. Dies gilt insbesondere in einer Zeit des zunehmenden Mangels an Fach- und Führungskräften. Human Resources sind derzeit die Herausforderung, wirtschaftlich wahrscheinlich mehr demanding als die nicht erneuerbarer Energieresourcen u.ä. Dies benötigt das Einfühlen in die Mitarbeiter, sozial kompetentes, auf effizientes Miteinander angelegtes Agieren, weniger der bedingungslose Weg des Rechthabenwollens.

In dieser Entwicklung des Vormarsches der Frauen sind neuere Daten aus der wissenschaftlichen Medizin interessant, die auch gerne als Gender Medicine bezeichnet werden. Da die Haupttodesursache Herzerkrankungen sind, ist ein Blick auf das Herz angezeigt. Nach neueren Erkenntnissen einer großen skandinavischen Multicenter-Studie ist hierbei der professionelle und private Stress nicht unwesentlich beteiligt (Kivimaki M, et al. Lancet 2012). Frauen haben nach dieser Studie ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Herztode durch „Job Strain“ als Männer. Seit Kurzem existieren hierzu sogar Positionspapiere wie das zur Psychokardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Und seit ein paar Jahren schon wird durch umfassende Studien belegt, dass sich Frauenherzen in verschiedener Hinsicht in ganz anderer Art bemerkbar machen. Sie haben ein anderes Ansprechen auf diagnostische Untersuchungen und werden sogar anders behandelt als das von Männern. Nun, die Herzfunktion ist zwischen den Geschlechtern ähnlich, es wird bei Herzgesunden eine dem Körperbedarf gerecht werdende Blutmenge in das Gewebe gepumpt. Dies geschieht selbstredend ein Leben lang mit 4 - 7 Litern/min., das sind ca. 7.000 Liter an einem Tag; 2,6 Mill. Liter im Jahr und ca. 210 Mill. Liter in einem Leben (80-Jährige(r)). Unter Belastung ist das Herzzeitvolumen von ca. 5 Liter/min. auf 30 Liter/min. steigerbar; also ein faszinierendes und das im Prinzip lebenswichtigste Organ überhaupt.

Günstig für Frauenherzen ist, dass diese erst in 10-jähriger Verspätung im Vergleich zu Männern der Herzinfarkt ereilt. Auch Untersuchungen zur Gefäßwanddicke und -funktion sind bei Frauen im entsprechenden Alter günstiger als bei Männern. Hierzu wird eine Schutzwirkung der weiblichen Geschlechtshormone diskutiert. Es ist belegt, dass es bei primär gesunden Frauen durch Östrogene zu einem niedrigen Spiegel von „bösem“ Cholesterin (LDL-Cholesterin), zu einer Erhöhung von schützendem HDL-Cholesterin, besseren Glukosespiegeln, geringerer Gerinnungsneigung und einer Verbesserung der Gefäßfunktion kommt. Leider kommt es aber zu einem überproportionalen Anstieg der Herzinfarktrate nach der Menopause, sodass im Endeffekt über das gesamte Leben hinweg betrachtet Frauen sogar etwas häufigere Herzinfarkte erleiden als Männer. Man hat in früheren Beobachtungsstudien den Eindruck gewonnen, dass deswegen eine Östrogeneinnahme nach der Menopause die Herzinfarktrate reduzieren könne. Leider ist dem aber - belegt durch prospektive Studien - nicht so, sodass heute bei älteren Frauen, insbesondere bei vorliegenden Hinweisen einer Atherosklerose (insbesondere bei manifester koronare Herzkrankheit), eine entsprechende Ersatztherapie mit äußerster Vorsicht zu genießen ist und eher nicht erfolgen sollte.

Weiterhin ist auch wichtig zu wissen: Bekannte und bewiesene Risikofaktoren für Gefäßverkalkung (Atherosklerose) und Herzinfarkt wirken sich bei Frauen viel gefährlicher aus als bei Männern, wenn auch die größte Zeit des Lebens bis zur Menopause ein gewisser Schutz besteht. Nach der Nurses Health Study ist das Risiko des Zigarettenrauchens bei Frauen 6-mal so hoch, das von Diabetes 3-6-fach und das von Bluthochdruck 3-fach.

Hier geht es zum zweiten Teil des Artikels. 

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (2)

tekle, 19.04.2014 - 01:20 Uhr

ich lerne Pflege und i will viel hier lernen

Antwort von Prof. Dr. med. Uwe Nixdorff, verfasst am 27.04.2014

Großartig, auch in der Pflege sollten Gender Medicine-Aspekte mehr Berücksichtigung finden. Es íst gut, dass Sie sich daher auch hierfür interessieren.

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