Gassi gehen schützt das Herz (Teil 2)

© gemphotography_iStock

Der Wolf lebt im Rudel und der Mensch auch. Wird ein Individuum aus dem Rudel heraus gelöst und auf sich allein gestellt, wird es krank. Soziale Isolation wird dies genannt. Man könnte denken, ein Mensch, der allein und ohne Sozialkontakte lebt, hätte „seine Ruhe“ und weniger Stress, aber das Gegenteil ist der Fall.

Der Mensch hat den Wolf zum Haustier gemacht. Aus ihm wurde der Hund. Seit mehreren zigtausend Jahren profitieren Mensch und Hund von ihrer Partnerschaft. Im ersten Teil dieses Beitrages standen die positiven Gesundheitseffekte für beide durch vermehrte gemeinsame körperliche Aktivität im Vordergrund. Es gibt einen weiteren Aspekt in der Partnerschaft zwischen Mensch und Haustieren: Die günstige Auswirkung auf die Psyche.

Der Umgang mit einem Haustier ist eine wichtige Form der sozialen Unterstützung für den Mensch. Für die Partnerschaft unter Menschen ist seit langer Zeit bekannt: Verheiratete haben nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall größere Heilungschancen als Alleinstehende. Eine schon 1980 veröffentlichte Verlaufsbeobachtung zeigte Ähnliches für die Partnerschaft mit einem tierischen Gefährten: Bei Patienten nach einem Herzinfarkt war die Sterblichkeit innerhalb eines Jahres in der Gruppe der Haustierbesitzer (überwiegend Hundebesitzer) 4-fach geringer als bei denjenigen ohne Haustier. Dieser drastische Unterschied könnte unter anderem durch die Tatsache erklärt werden, dass stabile Partnerschaften vor Depressionen schützen.

Menschen mit Depressionen erleiden häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle und anders herum besteht nach einem Herzinfarkt ein deutlich erhöhtes Risiko eine Depression zu entwickeln. Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung der medizinischen Disziplin der „Psychokardiologie“. Patienten, die ein Haustier haben, entwickeln nach einem Herzinfarkt seltener eine Depression. Hunde und Katzen werden zu therapeutischen Zwecken mit Erfolg bei Demenz-Patienten herangezogen. Das hat soweit geführt, dass Roboter-Katzen entwickelt wurden (immer verfügbar, pflegeleicht), mit denen an Demenz erkrankte Pflegeheimbewohner spielen konnten. Dieser Ansatz wurde dann aber glücklicherweise nicht weiter verfolgt.

Haustier-„Liebhaber“ können auch besser mit Stress umgehen. Man hat dies durch wissenschaftliche Untersuchungen mit psychologischen Stress-Tests klar zeigen können. Unter psychischem Druck haben Tierbesitzer niedrigere Puls- und Blutwerte und eine geringere Ausschüttung von Stresshormonen als diejenigen ohne Haustier. Dabei gab es unter den Tierhaltern noch einen Unterschied, je nachdem, ob der tierische Liebling während der Stress-Tests anwesend war, oder nicht. Der (tierische) Freund in erreichbarer Nähe gibt Sicherheit.

Zwar sind Hunde und Katzen unter den menschlichen Gefährten deutlich in der Mehrzahl, man hat die günstigen Effekte auf die „gestresste“ Psyche aber auch für Vögel, Fische und Reptilien, ja selbst für Schimpansen nachgewiesen. Psychischer Stress und krankhafte Veränderungen der Arterien hängen eng zusammen (siehe „Psychischer Stress und Blutgefäßalterung“ bei Jameda).

Fazit: Die Beziehung zu einem Tier kann einen günstigen Effekt auf die seelische Gesundheit haben. Das wiederum kann helfen, Herz- und Kreislauferkrankungen zu verhindern. Idealerweise ist es für beide Seiten eine positive Beziehung. Tierpsychologen wissen: Auch Hunde und Katzen haben ein „Seelenleben“.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 1

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (0)

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?