Ginkgo könnte Gehirnschäden nach Schlaganfall verhindern

Silvia Müller

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©gandolf-Fotolia©gandolf-FotoliaHirnschädigung tritt nach einem Schlaganfall sehr häufig auf. Wissenschaftler der renommierten Johns Hopkins Universität in den USA fanden durch Tierversuche heraus, dass Ginkgo Hirnschäden nach einem Schlaganfall verhindern oder reduzieren kann.

Die Wissenschaftler teilten in einem Bericht in der Fachzeitschrift Stroke mit, dass ihre Arbeit vorherige Beweise begründet, dass Ginko Biloba eine Kaskade von Ereignissen auslöst, die freie Radikale neutralisieren, die dafür bekannt sind, Zelltod zu verursachen.

"Es ist immer noch ein großer Sprung vom Gehirn von Nagetieren hin zum Gehirn von Menschen, aber diese Ergebnisse sind eine starke Empfehlung, dass weitere Forschung über die schützende Wirkung von Ginkgo gerechtfertigt ist." sagte Prof. Sylvain Doré, Forschungsleiter der Abteilung Anästhesiologie und Intensivmedizin. "Wenn weitere Arbeit das bestätigt, was wir gesehen haben, dann könnten wir theoretisch eine tägliche Einnahme von Ginko für Leute mit hohem Schlaganfallrisiko als präventive Maßnahme gegen Hirnschäden empfehlen."

In der Studie gaben die Wissenschaftler Ginko Biloba EGb 761 - eine Laborqualitätsform des Extraktes - normalen Mäusen und HO-1 betäubten Mäusen, das sind Mäuse, denen das Gen fehlt, welches das Enzym Häme Oxygenase-1 (HO-1) produziert. HO-1 verstoffwechselt Häme, ein herkömmliches Eisenmolekül, das im Blut gefunden wird, in Kohlenmonoxyd, Eisen und Biliverdin (Grünes Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin). HO-1 ist dafür bekannt, als Antioxidant aufzutreten und hat in Tiermodellen eine schützende Wirkung gegen Entzündung gezeigt.

Doré und sein Team gaben den Versuchstieren oral 100 Milligramm pro Kilogramm des EGb 761 Extraktes einmal täglich über einen Zeitraum von sieben Tagen, bevor sie einen Schlaganfall bei den Tieren einleiteten, indem sie die Arterie zu einer Seite des Gehirns kurz blockierten.

Nach der Herbeiführung des Schlaganfalls wurden die Hirnfunktion und die Schädigung des Gehirns der Mäuse überprüft. Ein solcher Test umfasst zum Beispiel das Laufverhalten, ein anderer Test die Reaktion auf externe Stimuli. Ähnliche Tests wurden an Mäusen durchgeführt, die kein Ginkgo Extrakt erhielten.

Die Neuroverhaltensfunktion wurde vor der Studie, eine Stunde, zwei Stunden und 22 Stunden nach dem Schlaganfall mittels einer Vierpunkteskala durchgeführt: (1) kein Defizit, (2) Vorderpfotenschwäche, (3) Unfähigkeit, Gewicht auf der beeinträchtigten Seite zu ertragen, (4) keine spontane motorische Aktivität.

Die Ergebnisse zeigten, dass normale Mäuse, die vorbehandelt waren, zu 50,9 % weniger neurologische Fehlfunktionen hatten und 48,2% schmälere Areale mit Hirnschäden aufwiesen, als unbehandelte Mäuse. Diese positiven Auswirkungen zeigten sich nicht bei den HO-1 betäubten Mäusen.

"Unser Ergebnis deutet darauf hin, dass ein Element oder einige Elemente in Ginkgo tatsächlich Gehirnzellen während eines Schlaganfalls schützen“, sagte Doré.
In den USA erleiden ungefähr 700 000 Menschen im Jahr einen Schlaganfall (Inzidenz Deutschland 137 Ereignisse / 100.000 Einwohner), Von diesen haben 87% einen ischämischen Schlaganfall (Schlaganfall durch Gefäßverschluss), der durch eine blockierte Arterie im Gehirn eintritt. Einige der Hirnschädigungen rühren ganz einfach daher, dass kein Blut in die Hirnzelle gelangt. Es ist jedoch bekannt, dass ein verstärktes Auftreten von freien Radikalen am Ort des ischämischen Schlaganfalls - wenn der Thrombus sich aufgelöst hat und der Blutzufuhr wieder stattfindet - ebenfalls ein Hauptgrund dafür ist, dass Schäden an den Hirnzellen auftreten. Freie Radikale sind toxische Sauerstoffmoleküle, die produzierten werden, wenn Zellen absterben. Laut Doré und seinem Team erhöht Ginkgo die HO-1 Werte und die antioxidativen Eigenschaften dieses Enzyms, freie Radikale in den umliegenden Arealen um einen ischämischen Schlaganfall zu eliminieren.
Die einzige derzeitige Behandlung für einen ischämischen Schlaganfall besteht darin, den Blutpfropf mit einem Gewebe- Plasminogenaktivator oder anderen Mitteln zu eliminieren. Dies bietet jedoch keinen wirklichen Schutz gegenüber Zellschäden, die auftreten, wenn der Blutfluss wiederhergestellt ist.

"Ginkgo ist lange bekannt für seine positive Wirkung auf das Gehirn und wurde in Europa und Asien sogar gegen Gedächtnisverlust verschrieben“, sagte Doré. Jetzt haben wir ein Verständnis darüber, wie Ginko möglicherweise arbeitet, um die Neuronen vor Schaden zu schützen.

Ursprünglich aus China stammend, wächst der Ginkgobaum in erster Linie als schattenspendender Baum in Australien, Südostasien, Europa, Japan und Nordamerika. Er hat eine graue Rinde und erreicht eine Höhe von 35 Metern und einen Durchmesser von 3 bis 4 Metern. Er hat jedes Jahr abfallende, fächerartige Blätter, die grün, graugelb, braun oder schwärzlich sind.

 

Übersetzung:
Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 23. Oktober 2008

Literatur:
Johns Hopkins Medicine, Media Relations and Public Affairs, Press Release: Mouse Studies suggest daily dose of Ginkgo may prevent brain cell damage after a stroke, Oct. 9, 2008

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (2)


02.11.2008 - 13:02 Uhr

Das dachte ich auch Sabrina. Vorallem deswegen,...

von Silvia K. Müller

... weil solche Hirnschäden enorme Folgen haben. Manche lassen sich nicht kompensieren und führen zu weitreichenden körperlichen Einschränkungen im Alltag. Hoffen wir, dass die Erkenntnisse aus der Studie weiter verfolgt und rasch in der Praxis umgesetzt werden.

27.10.2008 - 07:53 Uhr

Das sind wirklich sehr interessante...

von Sabrina

... Forschungsergebnisse. Erstaunlich welche besondere Wirkungskraft in Ginkgo steckt. Mittel aus der Natur sollten intensiver zum Einsatz kommen, anstatt sich nur auf die chemischen Wirkstoffe zu konzentrieren. Ich persönlich habe mit Naturheilpräparaten immer gute Erfahrungen gemacht, die Nebenwirkungen sind auch im Vergleich zu konventioneller Medizin, gering. Dass Ginkgo Hirnschädigungen nach einem Schlaganfall reduzieren bzw. sogar verhindern kann, sehe ich als eine Sensation.


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