Das jameda-Interview: 10 Fragen an Prof. Dr. Schneider

Prof. Dr. Schneider

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© Schneider© Schneiderjameda: Prof. Dr. Schneider, was hat sie motiviert, Internist zu werden?

Prof. Dr. Schneider: Seit meiner Zeit in Frankfurt als Student interessieren mich das Herz, seine unglaubliche Leistungsfähigkeit und seine Erkrankungen. Allein die Tatsache, dass das Herz pro Minute ca. 5 l Blut pumpt und das z.T. mehr als 100 Jahre lang, fasziniert mich bis heute. Die Innere Medizin ist extrem vielfältig, weshalb ich mich sehr früh auf die Kardiologie, also auf Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen spezialisiert habe. Ein Fachgebiet, in dem in den letzten Jahren besondere Fortschritte in Diagnostik und Therapie erzielt wurden. Diese Fortschritte individuell für den Patienten zu nutzen, halte ich für meine Lebensaufgabe.

jameda: Was macht Ihnen im Praxisalltag am meisten Freude? Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Prof. Dr. Schneider: Am meisten Freude bereitet es mir, wenn es gelingt, eine therapeutische Beziehung zum Patienten aufzubauen, d.h. auf die individuellen Beschwerden und Sorgen des Patienten auch eine individuelle Antwort zu finden, die den Patienten hilft und entlastet. Das ist natürlich auch zugleich die größte Herausforderung. Auch nach all den Jahren im Berufsalltag sehe ich es als besonderes Privileg des Arztes an, dass Patienten ihre Beschwerden, Nöte und Sorgen mit mir teilen wollen.

jameda: Welchen Vorurteilen begegnen Sie häufig in Ihrer Praxis?

Prof. Dr. Schneider: Ganz persönlich spüre ich manchmal, dass die Patienten skeptisch sind, wenn sie meinen Professorentitel sehen, da sie häufig denken, dass ein Professor nur sehr abstrakt und in Klauseln formuliert und keine Nähe zulassen kann. Von diesem Vorurteil kann ich die meisten Patienten innerhalb weniger Minuten befreien.

 

jameda: Manche Krankheiten und Therapien sind unangenehm und verlangen viel Durchhaltevermögen vom Patienten. Was raten Sie Patienten in solchen Situationen

Prof. Dr. Schneider: In der Tat gibt es Krankheiten, die vom Patienten sehr viel Durchhaltevermögen verlangen. In meiner Sprechstunde sehe ich zum Beispiel Patienten mit Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt, die häufig lebenslang Tabletten einnehmen müssen und in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind. In solchen Situation versuche ich die Patienten zu motivieren, aktiv in den Behandlungsprozess einzugreifen und sich nicht als Opfer einer Erkrankung zu sehen. Diese aktive Rolle des Patienten hilft auch, unangenehme Krankheiten und Therapien besser zu überstehen.

jameda: Wie reagieren Sie, wenn Sie merken, dass ein Patient Ihren Therapieplan nicht befolgt?

Prof. Dr. Schneider: Ich versuche zu verstehen, warum der Patient seinen Therapieplan nicht einhalten möchte oder kann. Häufig mangelt es an Erklärungen oder es sind Kleinigkeiten im Tagesablauf, die ihn daran hindern. Gelegentlich finden sich jedoch auch Nebenwirkungen der Therapie, die der Patient als unangenehm empfindet. In den allermeisten Fällen lassen sich gemeinsam Wege finden, wie man im gegenseitigen Einvernehmen Therapien doch weiterführen kann.

jameda: Wenn Sie das Gesundheitssystem ändern könnten, was würden Sie als Erstes tun?

Prof. Dr. Schneider: Ich würde eine bessere Honorierung für die hörende und sprechende Medizin einführen, denn das aktuelle System vergütet die „sprechende Medizin“ leider besonders schlecht.

© Schneider© Schneiderjameda: Kein Mensch ist perfekt. In welchen Bereichen haben Ärzte Ihrer Meinung nach Verbesserungspotential?

Prof. Dr. Schneider: Da gibt es natürlich viele Bereiche, aber ich denke, dass ein zentraler Bereich die Kommunikation zwischen dem Arzt und seinem Patienten darstellt. Unerlässlich ist es, dem Patienten genau zuzuhören, auch hinter die primären Formulierungen zu hören und zu verstehen, was den Patienten wirklich belastet. Erst dann gelingt eine gute Arzt Patienten Beziehung, auf die therapeutisch aufgebaut werden kann.

jameda: Die Welt der Medizin verändert sich ständig. Gibt es neue Therapieverfahren oder Gerätschaften, die Sie in Ihrer Praxis anwenden?

Prof. Dr. Schneider: Besonders faszinierend finde ich die Entwicklung in der aktuellen Bildgebung des Herzens. So revolutioniert die Einführung der Computertomografie für die Herzkranzgefäße meines Erachtens die Sicht auf die Atherosklerose dieser Gefäße. Viele Herzkatheter-Untersuchungen werden dadurch überflüssig. In der Panklinik arbeiten wir deshalb routinemäßig mit modernen Tomographen, um das Ausmaß der Atherosklerose am Herzen einfacher dokumentieren zu können.

jameda: Gibt es einen Patienten oder ein Erlebnis in Ihrer Praxis, das Sie nie vergessen werden?

Prof. Dr. Schneider: Seit rund fünf Jahren betreue ich einen jungen Patienten, der mit einer schweren Herzschwäche zu mir kam, wiederbelebt werden musste und für mehrere Monate mit einem Kunstherz versorgt wurde. Gott sei Dank konnte dem Patienten aufgrund einer Organspende ein Herz transplantiert werden. Der Patient ist jetzt wieder in der Lage, sportliche Höchstleistungen wie zum Beispiel einen Triathlon zu bestreiten. Diese Lebensgeschichte zeigt zum einen das gesamte Ausmaß der möglichen Schwere einer Herzerkrankung und zum anderen die in diesem Fall wirklich sensationellen Therapiemöglichkeiten.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Prof. Dr. Schneider: Der Mensch ist so jung wie seine Gefäße. Daher sollte man drauf achten, dass die Gefäße elastisch bleiben. Kein Nikotin, gesunde Ernährung, regelmäßiger Sport sowie regelmaßmäßiges herzliches Lachen sind Garanten für ein langes glückliches Leben.

Zur Person

Prof. Dr. med. Schneider Promotion 1989 in Frankfurt/M. (Therapie des akuten Herzinfarktes). Forschungsaufenthalt in Houston TX. Seit 1990 am Herzzentrum der Uni Klink Köln, 2004-2010 als Oberarzt. Seit 2006 ärztlicher Leiter des Herz-Netz-Köln, seit 2010 PAN Klinik Köln.
 

Zur Praxis

Die Praxis für Kardiologie befindet sich in der Panklinik Köln, Zeppelinstraße 1,50667 Köln. Der Schwerpunkt der Praxis ist die Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und deren Risikofaktoren.

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