Deutschlands größtes Arzt-Patienten-Portal

Phytopharmaka (pflanzliche Arzneistoffe) bei Herz-Kreislauferkrankungen

Dr. Christofor

von
verfasst am

© K.-U. Häßler - Fotolia.com© K.-U. Häßler - Fotolia.comSeit Urzeiten bedienen sich die Menschen elementarer Heilfaktoren wie Wärme, Kälte, Erde, Wasser, Luft und Pflanzen. Dem Mittelalter verdanken wir u.a. aus der Klosterheilkunde einen erheblichen Wissens- bzw. Erfahrungszuwachs hinsichtlich phytotherapeutischer Anwendungen und inzwischen hat sich die Naturheilkunde zunehmend (wieder) auch auf universitärer Ebene als integraler Bestandteil einer modernen Medizin etabliert. So wird z.B. Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen eingesetzt, Fencheltee nach abdominellen Eingriffen verordnet und Blutegel sind therapeutisches Konzept in der Transplantationschirurgie.

Möglichkeiten und Grenzen einer naturheilkundlichen Therapie müssen jedoch genau abgesteckt werden, um einer ebenso "modernen" Scharlatanerie vorzubeugen. Nicht das Portemonnaie des Therapeuten steht im Vordergrund, sondern die Gesundheit unserer Patienten.

Bei Erkrankungen des Herzkreislaufsystemes stehen zahlreiche naturheilkundliche Therapieansätze zur Verfügung. Wie die Hydro-/Thermo-Therapie, Ordnungs- und Ernährungs- sowie die Bewegungstherapie gehört auch die Phytotherapie zu den in Deutschland klassischen komplementärmedizinischen Behandlungsoptionen.

Für den hier nur orientierend dargestellten Bereich von Herz-Kreislauferkrankungen sind ebenfalls phytotherapeutische Optionen existent, wenngleich limitiert.

Das Ausmaß der Arteriosklerose als Ausdruck des Alterungsprozesses des Organismus auf Gefäßebene ist von zahlreichen Faktoren abhängig (Rauchen, Diabetes, Fettstoffwechsel, körperliche Bewegung...). Essentielle Fettsäuren – in unserem Organismus Bestandteile von Biomembranen - sind als Fertigpräparate erhältlich und haben u.a. sklerosehemmende Effekte. Studien zur vergleichenden Wirkung von Knoblauchpräparaten (Allii sative bulbus) und Fibraten mit erstaunlichen Ergebnissen existieren (1) und auch die positive Wirkung von Sojaphospholipiden (Lecithinum ex soja) auf den Fettstoffwechsel ist pharmakologisch ebenso dokumentiert wie die von Flohsamen/Flohsamenschalen (psylii semen).

Zur Behandlung des Bluthochdruckes existieren keine anerkannten Therapiekonzepte. Versuchsweise kommt hier die Rauwolfiawurzel (Rauwolfiae radix) sowie erneut die Knoblauchzwiebel zur Anwendung. Die Datenlage zur Behandlung der Hypotonie sowie der orthostatische Fehlregulation ist ebenfalls spärlich. Präparate, die Besenginsterkraut (Cytisi scoparii herba) oder Campher (plus Weißdornbeeren) enthalten, können kreislauftonisierende Wirkungen entfalten. Darüber hinaus existieren fixe Kombinationen aus Adonis-, Maiglöckchenkraut sowie Meerzwiebel und Oleanderblätter. Letztere werden – aufgrund ihrer schlechten Resorptionsquote -  auch als Digitalisglykoside zweiter Ordnung eingestuft (3).

Tatsächlich ist die Datenlage bei der chronischen Herzinsuffizienz umfangreicher. Herzglykoside des Fingerhutes (Digitalis purpurea) gehören seit Jahrzehnten zum therapeutischen Ensemble der Herzinsuffizienz, ferner können standardisierte Crateagus-Präparate (Weissdornblätter mit Blüten, Crataegi folium cum flore) hier, je nach Schweregrad der Symptomatik, flankierend zur Anwendung kommen (2).

Die akute Herzinsuffizienz entzieht sich einer rationalen phytotherapeutischen Behandlungsoption ebenso wie Herzklappenerkrankungen und die koronare Herzerkrankung (Herzkranzgefäßverkalkung). Auch Herzrythmusstörungen müssen konventionell schulmedizinisch therapiert werden. Lediglich ergänzend können das Besenginsterkraut oder das Herzgespannkraut (Leonuri cardiacae herba) zur Anwendung kommen, allerdings auch hier immer unter Berücksichtigung des – vergleichsweise sehr geringen – Nebenwirkungsprofiles.

Bei funktionellen Herzbeschwerden kommen erneut Weissdornpräparate zum Einsatz, entscheidend ist insbesondere hier – wie auch in der Herzinsuffizienztherapie - die ausreichend hohe Dosierung. Auch Herzsalben, die u.a. ätherische Öle wie Rosmarin, Campher, Eukalyptus, Arnika – und Weissdornextrakte enthalten, finden Anwendung. Artischocken- oder Baldrianprodukte (Valerianae radix) können über ihre entblähende Wirkung Linderung verschaffen (Roemheld-Syndrom).

Zur Durchblutungsförderung bei arterieller Verschlusskrankheit wurden standardisierte Extrakte aus Gingko-biloba positiv monographiert.

Und - gut zu wissen: Bioaktive Polyphenole (Reservatrol) in Weinen (v.a. Rotwein) gelten als Ursache für das sogen. "french paradoxon“, dem reduzierten Herzinfarktrisiko bei Franzosen trotz deren Nikotinkonsum und fettreicher Ernährung.

Zusammenfassend gilt: Phytotherapeutika  haben in der Herzkreislaufmedizin ihren Stellenwert primär als ergänzende Therapie. Eine kritische schulmedizinische und leitliniengerechte Therapie unter der Kontrolle eines erfahrenen bzw. hierfür spezialisierten Arztes sollte die Basis jeglicher therapeutischer Bemühungen sein.

 

Literatur:
1. Holzgartner H. et al., Arzneim Forschung/Drug Res 42, 1473 – 1477, 1992)
2. Survival and Prognosis: Investigation of Crataegus Extract WS 1442 in congestive heart failure (SPICE), (Holubarsch C.J.F. et al. European Journal of heart failure 2 (2000) 431-437)
3. Andre´-Michael Beer (Hrsg), Stationäre Naturheilkunde (2005), 206 - 217

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel?
1
Interessante Artikel zum Thema „Herz-Kreislauferkrankungen”

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Ihr Name(wird veröffentlicht)
Ihre E-Mail(wird nicht veröffentlicht)
Ihr Kommentar(wird veröffentlicht)
 
Ich akzeptiere die Nutzungsrichtlinien und AGB der jameda GmbH und habe die Datenschutzerklärung gelesen.
  

Kommentare zum Artikel (1)


06.10.2010 - 16:45 Uhr

Auf der Suche nach einem Heilmittel gegen...

von Siegfried Gassen

... Bluthochdruck habe ich in den internationalen Internetforen hochdosierte Q10 Präparate gefunden. Um den Blutdruck dauerhaft zu senken soll man seine normalen Medikamente weiternehmen, jedoch zusätzlich Q10 in hohen Dosen zu sich nehmen. Bei 80-90 kg Gewicht ca. 3 x 100 mg Kapseln pro Tag damit der Körper seine essentiellen Defizite an Q10 ausgleichen kann. Das Q10 ist zu einem hohen Prozentsatz (ca.95%) für die Energieversorgung des Körper notwendig. Da ab 35 - 40 Jahren die körpereigene Produktion absinkt, stellen sich an den Organen die am stärksten beansprucht werden Störungen ein. Meistens zuerst beim Herz - weil es die Hauptlast trägt. Durch das hinzugefügte Q10 per oraler Aufnahme wird die Leistungsfähigkeit nach und nach wieder hergestellt. Q10 ist auch nicht teuer ( 60 Kapsel a 100mg kosten ab ca. 20 Euro. In den USA und Japan wird Q10 schon länger bei vielen Problemen medizinischer Art eingesetzt. Z.B. bei Herzverpflanzungen - aber auch bei einfachen Eingriffen wie Zahnfleischbehandlungen ist der Einsatz schon zum Standard geworden. Hier in Deutschland ist diese Erkenntnis anscheinend noch nicht angekommen. Da Q10 ja auch kein Medikament ist hab ich begonnen mich selber zu therapieren. Sachlich gesehen auch mit Erfolg - jedoch kann man wenn man ernsthaft seinen Blutdruck senken will - nicht normal arbeiten. Weil die teilweise unmenschlichen Anforderungen der jetzigen Arbeitswelt die Erfolge schnell wieder in Frage stellen. Denn zusätzlich zu dem Q10 gehören die anderen Faktoren wie Bewegung , gutes gesundes Essen und verzicht auf Alkohol und Nikotin auch dazu. Als echten Vorteil empfinde ich jedoch dass seit der Einnahme von Q10 die Herzschmerzen einfach weg sind. Man wird vitaler und steckt die Anstrengungen einfacher weg. Zusätzlich ist es von Vorteil Maca Kapseln mit ca. 800 mg Mindestinhalt zu nehmen. Sie bringen die Liebesfähigkeit bei Mann und Frau zurück - und somit auch mehr Lebensfreude. Und wenn die Liebe wieder eine Rolle spielt dann beginnt man auch wieder aufzublühen. Da ich kein Akademiker bin werden sicher manche Ärzte denken " was für ein Unwissender" doch der Erfolg ist einfach der beste Berater. Und dank Internet kommt auch jeder an die Informationen heran. In diesem Sinne : probieren geht über studieren. Ach ja - ich bin 60 Jahre alt - und als mein Bluthochdruck festgestellt wurde hatte ich ca. 220 als Höchstwert. Und wenn ich heute Werte über 160 habe nehme ich von meinen Medikamenten 1/2 oder 1 Tablette mehr. Ananas zu essen senkt übrigens auch den Blutdruck. Wenn man gesund werden will muß man einfach etwas dafür tun.....!!!


Inhaltssuche

Durchsuchen Sie sämtliche Artikel auf jameda. Wenn Sie auf der Suche nach Ärzten oder Heilberuflern sind, geht es hier zur Arztsuche

Passende Behandlungsgebiete

Ärzte für spezielle Behandlungsgebiete

jameda Behandlungsgebiete