Was sagt uns die Pulswellengeschwindigkeit?

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Die Pulswellengeschwindigkeit (PWG) ist ein Maß für die Steifigkeit der Arterien. An der Steifigkeit lässt sich das biologische Alter der Arterien ablesen und damit das Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall bestimmen.

Jeder Herzschlag erzeugt eine Druckwelle die über das Blut durch die Arterien unseres Gefäßsystems hinweg läuft. Dies wiederholt sich in körperlicher Ruhe pro Minute 60-70 Mal. In 10 Jahren sind es mehr als 300 Millionen Herzschläge mit Druckwellen denen die Arterien Stand halten müssen.

Zieht sich der Herzmuskel zusammen und erzeugt dadurch eine Druckwelle, dehnen sich die großen Arterien aus und nehmen damit einen Teil der Energie des Drucks in die Gefäßwand auf. Entspannt sich das Herz ziehen sich die Arterien wieder zusammen (wie bei einem aufgeblasenen Luftballon aus dem die Luft entweicht) und geben die aufgenommene Energie zurück an den Blutstrom zurück der dadurch auch in der Phase der Entspannung des Herzens weiter vorwärts fließt. Die Elastizität der Arterien ist in der Jugend am größten und nimmt mit steigendem Lebensalter langsam ab. Je älter wir werden desto härter und steifer werden unsere Arterien. Das ist ein ganz normaler Prozess. Die Verhärtung hat jedoch zur Folge dass weniger Energie aus der Druckwelle des Pulses „abgefedert“ werden kann. Dadurch steigt der Blutdruck und die Geschwindigkeit mit der die Druckwelle durch den Körper läuft wird schneller. Großmütter und Großväter in hohem Lebensalter haben deswegen in der Regel einen höheren Blutdruck als ihre Enkel. Und eben auch eine höhere PWG.

Mittlerweile sind sich die Fachleute weltweit darüber einig dass die Messung der PWG eine zuverlässigere Aussage über den Zustand der arteriellen Blutgefäße liefert als die Messung des Blutdrucks am Oberarm. Denn „der Mensch ist so alt wie seine Arterien“. So sagte es schon der große Arzt Thomas Sydenham im 17. Jahrhundert (siehe auch „Vaskuläre Demenz“ bei jameda).
So hat jedes Lebensjahrzehnt seine PWG. Dies ist aus Untersuchungen von tausenden gesunder Menschen in jeder Altersklasse ermittelt worden. Dabei gibt es nur einen geringen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Das Lebensalter hat also den größten Einfluss auf die Gefäßsteifigkeit und die PWG. Es kommt aber auch darauf an, was wir während unseres Lebens so alles tun oder nicht tun - der Lebensstil ist der zweitgrößte Faktor der den Zustand der Arterien bestimmt. Wenn wir auf sportliche Aktivität verzichten, übergewichtig werden oder rauchen tritt die Versteifung früher ein. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Umso mehr wenn sich aus all den ungünstigen Faktoren eine „Zuckerkrankheit“ (Diabetes) entwickelt.

Die PWG ist einfach zu messen. Es ist nur wenig aufwendiger als die Messung des Blutdruckes am Oberarm. Dafür hat die PWG einen sehr großen Wert für die Einschätzung des Risikos für Herzinfarkt, Schlaganfall und die Entwicklung einer Demenz.

Man kann die PWG auch zur Therapiekontrolle einsetzen. Körperliche Aktivität im Sinne von Ausdauersport, Gewichtsreduktion, Blutdrucksenkung, Verzicht auf Nikotingenuss und Veränderung der Ernährung durch „Mittelmeerkost“, also weniger Fleisch und tierisches Fett, dafür mehr Olivenöl, Gemüse und Früchte bringen den Arterien einen Teil der Elastizität wieder zurück - damit verlangsamt sich auch die PWG wieder. Ist also der Entschluss zur Änderung des Lebensstils gefasst um das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko zu senken, hilft die Messung der PWG dabei, den Erfolg dieser Maßnahmen zu messen. Dem Arzt hilft die Kontrolle der PWG im Verlauf einer medikamentösen Behandlung des Bluthochdruckes, da dieser Wert deutlich geringeren Schwankungen unterworfen ist als der am Oberarm gemessene Blutdruck.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare (17)

Andreas W., 04.05.2019 - 10:30 Uhr

Die PWG kann jetzt (2019) zu Hause mit der Waage Cardio plus von Withings gemessen werden. Täglich. Dauert nur kurz. Darstellung und Auswertung in der Health Mate App.

Johann R., 15.02.2019 - 16:25 Uhr

Wie wird die PWG im eigenen Haus gemessen? Diesen Punkt habe ich vermisst.

Walter, 05.10.2016 - 16:28 Uhr

Welches sind die Normwerte? - wie viele m / Sek. - in welchem Alter?

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 06.10.2016

Hierzu gibt es altersbezogene Normwerttabellen. Diese sind wissenschaftlich publiziert. Dieses Forum bietet nicht den Raum für eine detaillierte Darstellung. Siehe: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20530030

Eberhard P., 22.02.2016 - 13:14 Uhr

Wo kann man die PWG messen lassen? Ist das eine Kassenleistung? Vielen Dank, E.P.

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 22.02.2016

Die PWG kann über die gesetzliche Versicherung abgerechnet werden. Da allerdings die dafür gezahlte Vergütung sehr gering ist, andererseits die Investition für die Messsysteme groß, wird es kaum vorgehalten. Individuelles Nachfragen bei Internisten, Kardiologen oder Angiologen ist notwendig.

Wolfgang, 25.09.2015 - 16:11 Uhr

Können Sie mir sagen wo man diese Diagnostik machen lassen kann? Macht sowas der Hausarzt?

Werner, 12.11.2014 - 13:30 Uhr

Guten Tag Sie schreiben, die PWG ist sehr einfach zu messen, geben jedoch keine Erklärung wie sie gemessen wird. MfG.Werner

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 13.11.2014

Eine Beschreibung des Messvorganges würde auch den Rahmen der Experten-Artikel auf der jameda Plattform sprengen. Es gibt verschiedene Messsysteme. Wenn Sie daran interessiert sind finden Sie im Netz unter dem Stichwort "Pulswellengeschwindigkeit" auf bebilderte Beschreibungen, die das Verständnis erleichtern.

Eugen, 15.10.2014 - 17:34 Uhr

bin 83, was ist mein Normwert

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 15.10.2014

Für Menschen über 80 Jahre wurden keine Normwerte mehr gemessen. Aus meiner Erfahrung sind es 10-11 Meter/sec.

Eugen, 11.10.2014 - 14:14 Uhr

gibt es für die PWG Normwerte?

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 12.10.2014

Ja. Diese beziehen sich auf die Lebensdekaden und steigen mit zunehmendem Alter an. Man spricht hier vom kalendarischen oder biologischen Gefäßalter. Das biologische Gefäßalter kann jünger oder älter sein als das kalendarische. Eine wissenschaftliche Publikation hierzu: Determinants of pulse wave velocity in healthy people and in the presence of cardiovascular risk factors: ‘establishing normal and reference values’ The Reference Values for Arterial Stiffness’ Collaboration European Heart Journal (2010) 31, 2338–2350

Hans, 09.06.2014 - 20:02 Uhr

Wie misst man die PWG? Ist die Messung auch zu Hause möglich?

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 10.06.2014

Die Messung erfolgt mit zwei Sensoren, einen am Hals und einen am Oberschenkel. Dabei gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Geräte-Herstellern. Die Geräte sind sehr teuer und für den Hausgebrauch nicht geeignet zumal die Selbstmessung nicht möglich ist. Man braucht eine eingewiesene Person zur Durchführung.

Freiheit, 04.06.2014 - 13:19 Uhr

Bin 62 Jahre. Mein Puls Morge,s bevor ich auf stehe schon über 80 bis zu 90. Sobald ich sitze schon über 100, über den Tag immer 100 bis 130.

Antwort von Dr. med. Boris Leithäuser, verfasst am 04.06.2014

Da gibt es sehr wahrscheinlich ein Problem. Mehr läßt sich auf Grundlage dieser Angaben dazu nicht sagen. Die erste sinnvolle Maßnahme wäre die Aufzeichnung eines EKG bei ihrem Hausarzt. Dann kommt man der Antwort auf Ihre eigentlich nicht gestellte Frage wohl schon ein gutes Stückchen näher.

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