Herzinfarkt durch Joggen? Das sind die Zusammenhänge & Risiken

Dipl.-Med. Steindorff Pinheiro

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© lightpoet - fotoliaAuch wenn Joggen die Gesundheit fördern kann, schützt es nicht immer vor einem Herzinfarkt. (© lightpoet - fotolia)Warum sterben Jogger im Wald? Und: Sind sie Opfer eines unweigerlichen Schicksals oder eher Menschen, die ein Risiko eingegangen sind, weil joggen gar gefährlich ist?

Jedes Jahr sterben hunderte Menschen beim Joggen. Immer wieder, wenn ich so eine traurige Nachricht bekomme, trifft es mich sehr. Jogger geben sich doch offensichtlich Mühe, um gesund zu sein? Warum trifft es sie also so hart, dass sie Opfer dieses Schicksals werden?

Meiner Meinung nach sind sie Opfer, jedoch nicht des Schicksals, sondern tatsächlich Opfer der Desinformation.

So kommt es zu einem Herzinfarkt

Meistens ist ein plötzlicher Tod bei Menschen, die über 40 Jahre alt sind, auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Er tritt auf, wenn eine Kalk- und Fettablagerung in den Blutgefäßen sich von der Gefäßwand löst und weiter vorne ein kleineres Gefäß plötzlich komplett verschließt. Das ist etwas ganz anderes als eine chronische Verengung eines Herzkranzgefäßes. Denn sie verursacht zwar Beschwerden, aber sie verschwinden langsam, wenn man sich ausruht.

Beim Herzinfarkt ist das Gefäß plötzlich komplett verstopft – möglicherweise ohne jede Vorwarnung. Auch bei Ruhe fließt gar kein Blut durch, so dass der Herzmuskel, der von diesem Gefäß versorgt wurde, langsam abstirbt. Je nach Größe des verstopften Gefäßes und seiner Lage im Herzen, kann das auch zu einem plötzlichen Herztod führen.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Herzinfarkten und Joggen?

Wenn Jogger einen Herzinfarkt bekommen, dann meistens beim Jogging selbst. Erstens wird das Herz-Kreislauf-System stark beansprucht und braucht besonders viel Sauerstoff und Nährstoffe. Zweitens muss das Herz wegen dieses höheren Bedarfs sehr schnell schlagen und die Geschwindigkeit des Blutes im Kreislauf erhöhen. Das erreicht es auch – indem es den Blutdruck erhöht.

Dieser höhere Druck und die erhöhte Geschwindigkeit des Blutes im Kreislauf erhöhen gleichzeitig die Scherkräfte an der Gefäßwand. Eine solche Kalk- und Fettablagerung – auch Plaque-Ruptur genannt – kann beim Joggen schneller abbrechen als im Alltag. Dann ist ein Herzinfarkt die unmittelbare Folge. Doch bei ca. einem Drittel der Fälle verursacht sie vorher keine Beschwerden.

Es ist gut möglich, dass auch das Belastungs-EKG oder Herzultraschall keine Hinweise auf Risikofaktoren gibt. Eine kardiologische Herzuntersuchung verspricht daher auch keine hundertprozentige Sicherheit. Im schlimmsten Fall können kardiologische Untersuchungen Betroffene nicht einmal davor bewahren, noch am selben Tag bei der Feierabend-Jogging-Runde ein solches Schicksal zu erleiden.

Wenn ein Jogger ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte hat, erleidet er ihn meistens beim Joggen selbst.

Aber der Sport müsste den Jogger doch eigentlich vor einem Herzinfarkt schützen? Offensichtlich reicht das nicht aus! Leider denken viele trotzdem: „Leider passiert das manchmal.“

Was sind also Risiken für Herzinfarkte und wie kann man sie verhindern?

Unveränderbare Risiken sind so etwas wie das Älterwerden, Geschlecht (Männer) oder die genetische Veranlagung in Familien. Sie alleine führen jedoch sehr selten zum Herzinfarkt. Außerdem ist bei ihnen auch keine Behandlung möglich. Wir wissen dadurch lediglich: Wenn ein hohes unveränderbares Risiko besteht, ist es umso wichtiger die veränderbaren, behandelbaren Risiken zu verbessern.

Risiko Cholesterin

© lightwavemedia - fotoliaWelche Maßnahmen können das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, gezielt reduzieren? (© lightwavemedia - fotolia)Das einzige, große veränderbare Risiko, ohne das es zu keinem Herzinfarkt kommt, ist der Cholesterinwert. Unabhängig davon, wie hoch die anderen Risiken sind.

Wer einen Gesamtcholesterinwert von unter 150 mg/dl und einen LDL-Cholesterin-Wert von unter 70 mg/dl hat, ist praktisch Herzinfarkt-sicher. Das Problem ist: Die meisten von uns haben diese Werte schon seit ihrer Jugend nicht mehr!

Ein hoher Cholesterinwert wird durch unsere Gene und unsere Nahrung bestimmt. Er lässt sich durch die Ernährung absenken – wenn auch langsam.

Weitere Risiken

Die übrigen Risiken für Herzinfarkt spielen nur eine Rolle, wenn der Cholesterinwert die Schwelle überstiegen hat. Die folgende Liste enthält alle weiteren Risikofaktoren. Daneben finden Sie eine Empfehlung für eine Veränderung im Lebensstil, die das Risiko senken kann:

  1. Hohe Cholesterin Werte – Ernährung
  2. Diabetes Typ 1 – Ernährung und Bewegung
  3. Insulinresistenz, Prä-Diabetes, Diabetes Typ 2 – Ernährung und Bewegung
  4. Bluthochdruck – Ernährung und Bewegung
  5. Hohe Triglycerid-Werte – Ernährung
  6. Hohe Homozystein-Werte – Ernährung und Vitamin B12
  7. Chronische Entzündung – Ernährung
  8. Suchtmittel: Tabak, Kokain, Ecstasy und andere – Suchtentwöhnung
  9. Bewegungsmangel – Bewegung
  10. Adipositas ab einem BMI-Wert von 30 – Ernährung und Bewegung

Das Risiko für einen Herzinfarkt setzt sich also folgendermaßen zusammen:

Ein aktiver Jogger reduziert zwar sein Herzinfarkt-Risiko – aber eben nur um ca. 20 %. Denn eine gesunde Ernährung trägt mit 65 % am meisten dazu bei, das Risiko zu senken. Wenn der Jogger nicht mindestens dreimal so genau auf seine Ernährung achtet wie auf seine Bewegung, ist ein Herzinfarkt leider ein mögliches Schicksal. 

Ein plötzlicher Tod beim Joggen durch einen Herzinfarkt lässt sich verhindern, wenn wir die Risiken ernst nehmen und sie konsequent Stück für Stück reduzieren.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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Kommentare zum Artikel (1)


21.07.2020 - 15:19 Uhr

Demnach spielt das Rauchen nur eine 10% ige Rolle,...

von Peter

... oder wie?

Dipl.-Med. Steindorff Pinheiro

Antwort vom Autor am 25.07.2020
Dipl.-Med. Ana Steindorff Pinheiro

Die Prozente sind eine Zusammenfassung von den Risiken allgemein. Da heutzutage Rauchen mit unter 15% der Bevölkerung viel seltener ist als noch vor 20 Jahren, sind diese Risiken zusammenfassend ca 10%. Für jeden individuellen Menschen erstellen wir dann ein individuelles Risikoprofil in dem die verschiedenen Risikofaktoren in Betracht gezogen werden. Für jemand der Raucht ist die Wahrscheinlichkeit deshalb deutlich höher als 10% anzusehen.


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