Borreliose: Diagnose, Verlauf und Vorbeugung

©Kathrin39-Fotolia

Der Frühling hat begonnen - und die Sonne lockt, wieder mehr Zeit im Freien zu verbringen. Damit steigt auch das Risiko für Zeckenstiche. Die Stiche an sich sind nicht gefährlich, allerdings können die kleinen Blutsauger Krankheiten übertragen.

Relativ bekannt ist die Hirn- und Hirnhautentzündung FSME, die sich über Viren ausbreitet. Gegen FSME ist eine Impfung möglich - im Gegensatz zur Borreliose, die ebenfalls durch Zeckenstiche ausgelöst werden kann. Borrelien sind Bakterien, die sich im Verdauungstrakt von Zecken aufhalten und in den Speichel wandern, sobald die Zecken ihre Blutmahlzeit beginnen. Von dort bis in den Blutkreislauf des Opfers ist es nur ein kurzer Weg.

Experten gehen davon aus, dass 5-35 % aller Zecken von Borrelien befallen sind. Etwa jeder 30. Zeckenstich führt zu einer Infektion. Allerdings bricht die Erkrankung nur bei etwa einem von hundert Betroffenen aus. Deutschlandweit gehen Patientenverbände von ca. 240.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. Allerdings kann sich das Immunsystem meistens erfolgreich gegen die Eindringlinge zur Wehr setzen. Nur wenige Borreliose-Erkrankungen werden tatsächlich zu chronischen Fällen.

Eine typische Borreliose verläuft in drei Stadien. Im ersten Stadium, das innerhalb von Tagen bis Wochen nach einem Zeckenstich auftreten kann, bildet sich rund um die Einstichstelle in 70 % der Fälle eine scharf abgegrenzte Hautrötung, die auch wandern kann. Dazu kommen grippeähnliche Symptome. Im zweiten Stadium können das Nervensystem oder das Herz betroffen sein sowie das Auge, das Innenohr, die Milz, die Lunge und die Niere. Im dritten Stadium kommt es unter anderem zu Veränderungen an Gelenken und der Haut sowie zu Lähmungen, Missempfindungen, Nervenblockaden, Konzentrationsstörungen und Persönlichkeitsveränderungen. Die einzelnen Krankheitsstadien sind nicht immer klar voneinander abzugrenzen.

Eine Borreliose ist häufig schwierig zu diagnostizieren, da sich zahlreiche andere Erkrankungen ähnlich äußern und nicht immer alle typischen Symptome auftreten. Auch Laboruntersuchungen des Blutes helfen manchmal nicht weiter, da nicht in jedem Fall Antikörper gegen die Borreliose-Erreger auftreten und ähnliche Antikörper die Treffsicherheit der Tests beeinträchtigen. Daher kann es für manchen Betroffenen ein langer Leidensweg sein, bis die Krankheit zweifelsfrei festgestellt und entsprechend therapiert werden kann.

Umso wichtiger ist es, das Risiko für eine Borrelioseinfektion zu verringern und auf frühe Warnzeichen zu achten. Zecken sitzen im Gras sowie auf Sträuchern und werden beim Vorübergehen abgestreift. Wer sich auf Wiesen oder im Wald aufhält, kann sich mit langer Kleidung schützen. Abends sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden, um die Plagegeister möglichst schnell entfernen zu können. Dabei sollte man besonders auch die Hautfalten untersuchen, da die Zecken sich in diesen Bereichen besonders wohl fühlen. Zecken entfernt man mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte, ohne Stress auf die Spinnentiere auszuüben. Dadurch lässt sich vermeiden, dass die Zecke den Inhalt ihres Verdauungstraktes in die kleine Stichwunde entleert.

Manchmal bemerkt man eine Zecke erst, wenn sie sich bereits vollgesaugt hat. Besonders dann sollte man in den kommenden Wochen die Einstichstelle beobachten, ob eine Rötung auftritt. Aufmerksam werden sollte man in diesem Zeitraum auch bei grippeähnlichen Symptomen. Borreliose im Anfangsstadium kann relativ leicht mit Antibiotika bekämpft werden - so lassen sich chronische Verläufe verhindern.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

Wie hilfreich fanden Sie diesen Artikel? 155

Kommentar abgeben oder Rückfrage stellen:

Kommentare (6)

Manuela H., 24.08.2021 - 18:45 Uhr

Sehr geehrte Frau Dr. Hinneburg, hatte vor ca. 3 Wochen beim Löwenzahnsuchen einen schmerzhaften Einstich am rechten Knöchel und habe keine Zecke gesehen. Daher bin ich erst nach ca. 1 Woche zum Notfallzentrum gegangen und erhielt eine cortisonhaltige Salbe. (Verdacht: giftige Pflanze- juckender roter Fleck mit ca. handflächengroßem Erythem unklar begrenzt). Nach 5 Tagen kein Erfolg, daher zum Hausarzt parallel zur 2. Biontech-Impfung. Nun habe ich für 20 Tage ein Breitbandantibiotikum erhalten. Frage 1 : wie lange muß danach Probiotika nehmen und folgt daraus ein leak-Darm-Syndrom? Frage 2: kann ich sicher sein, daß ich nun keine Borreliose habe oder worauf muß ich noch achten? Vielen Dank im voraus. MfG Manuela H.

Hubert S., 21.08.2021 - 16:42 Uhr

Hier sind die Leitlinien der "Deutschen Borreliose-Gesellschaft e.V." zu empfehlen, weil detalierter.

Bernhard, 06.08.2021 - 14:07 Uhr

Ratsam ist die Benutzung eines Antibiotikums in flüssiger Form unmittelbar nach der Entfernung der Zecke! Z.B. Erythromycin und Tretinoin mehrmals auftragen...

elisabeth e., 06.08.2021 - 07:26 Uhr

Liebes Team, das mit der Rötung ist eher selten der Fall, ich hatte im letzten Jahr eine völlige Gefühllosigkeit im rechten Knie, die abwärts wanderte und dann das gesamte Bein unten taub machte, daraus entstand dann ein Knöchelbruch. Vorherige blutuntersuchungen auf Borreliose blieben negativ, d.h. es wurde auch nicht drauf geachtet, es waren irre Schmerzen. Durch Nervenwasserpunktion wurde dann die Diagnose gestellt. Leider bezahlt die Krankenkasse die Laborkosten nicht, die es auch per Blutuntersuchung einwandfrei feststellen können. drum die gefährlich und aufwändige Punktion, eigentlich eine Frechheit. Nach 21 Tagen Antibiotika war der Schmerz/Taubheit am rechten Bein weg, und begann 2 Tage nach Absetzen der Antibiotika sofort am linken bein, also auch da, lieber länger das Antibiotikum nehmen, nach weiteren 20 Tagen war ich dann geheilt. Die Zeit bis zur richtigen Diagnose dauerte nebst Arztbesuchen bei 3erlei Ärzten 8 Wochen mit wie gesagt wahnsinnigen Schmerzen, die mit Paracetamol, mit Cortison behandelt wurden, was garnichts brachte.

Olaf E., 05.08.2021 - 20:54 Uhr

Immer wieder wird in Artikeln über Borreliose unerwähnt gelassen, dass nicht nur Borrelien und FSME-auslösende Viren, sondern auch weitere krankmachende Bakterien durch Zecken übertragen werden. Es wäre darüber hinaus ein Dienst an den Patienten, bei denen es nicht oder nicht rechtzeitig diagnostiziert wird, wenigsten einmal sonstige Therapie- und Diagnosemöglichkeiten erwähnt zu haben.

Monika K., 05.08.2021 - 18:20 Uhr

Interessanter Artikel

Interessante Artikel zum Thema

Sie suchen einen passenden Arzt für Ihre Symptome?