Nahrungsmittelallergien bei Kindern

Dr. Iris Hinneburg

von
verfasst am

Inhalte:

» Allergie oder Intoleranz?
» Wichtige Allergiesymptome
» Schwierige Diagnostik
» Behandlungsmöglichkeiten


Sehnsüchtig schaut der kleine Kai zu den Kindern, die mit Wonne große Stücke Schokoladenkuchen essen. Er selbst knabbert an ein paar Keksen, denn Kuchen ist für ihn in der Regel tabu: Kai leidet unter einer Allergie auf Hühnereier.

© Ivonne Wierink - Fotolia.com© Ivonne Wierink - Fotolia.comEtwa 5 bis 6 Prozent aller Kinder leiden wie Kai unter einer Allergie auf bestimmte Nahrungsmittel. Eine Allergie entsteht, wenn sich das Immunsystem irrt: Ein eigentlich harmloser Stoff wird als gefährlicher Fremdstoff erkannt, der sofort bekämpft werden muss. Im Körper entwickeln sich Abwehr- und Entzündungsreaktionen, an denen zahlreiche Strukturen des Immunsystems beteiligt sind.


Allergie oder Intoleranz?

Häufig werden alle Unverträglichkeitsreaktionen auf bestimmte Lebensmittel mit einer Nahrungsmittelallergie in Verbindung gebracht. Das ist allerdings nicht immer richtig, denn von einer Allergie kann man nur sprechen, wenn tatsächlich eine Reaktion des Immunsystems beteiligt ist. In vielen Fällen sind aber andere Mechanismen wie beispielsweise ein Enzymmangel für die Symptome verantwortlich. Der richtige Begriff für solche Unverträglichkeitsreaktionen ist eine Intoleranz, wie sie beispielsweise gegenüber Laktose (Milchzucker) auftreten kann.


Wichtige Allergiesymptome

© Andre Bonn - Fotolia.com© Andre Bonn - Fotolia.comAm häufigsten reagieren Kinder auf Kuhmilch, Hühnereier, Weizen, Erdnüsse und andere Nüsse wie Haselnüsse allergisch. Bereits eine kleine Menge dieser Substanzen reicht aus, um die allergische Reaktion in Gang zu setzen. Es kann zu Hautreaktionen wie Ausschlägen mit Juckreiz oder Magen-Darm- Beschwerden kommen. In einigen Fällen kann sich auch ein allergisches Asthma entwickeln. Gefährlich bei sehr schweren Allergien ist ein anaphylaktischer Schock, der bis zum Kreislaufversagen gehen kann. Viele Allergiker bemerken auch ein Kribbeln oder Brennen im Mund, wenn sie versehentlich das betreffende Nahrungsmittel essen.

Wenn Kinder unter einer Pollenallergie leiden, können ebenfalls Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel auftreten. So vertragen viele Menschen mit einer Allergie auf Birkenpollen keine Äpfel oder Beifußallergiker können keinen Sellerie essen. Der Grund für solche Kreuzallergien liegt in der strukturellen Verwandtschaft der allergieauslösenden Substanzen.


Schwierige Diagnostik

Nicht immer ist es einfach, bei Kindern eine Nahrungsmittelallergie tatsächlich festzustellen. Denn nicht bei allen Erscheinungen wie beispielsweise Neurodermitis ist zwangsläufig eine Nahrungsmittelallergie im Spiel. So haben Studien gezeigt, dass nur etwa bei jedem dritten Neurodermitis-Kind tatsächlich eine Nahrungsmittelallergie die Ursache ist. Um so wichtiger ist es, dass die Allergie-Diagnostik bei einem entsprechenden Verdacht richtig durchgeführt wird.

©Dream-Emotion-Fotolia.com©Dream-Emotion-Fotolia.comHaut- und Bluttest
Als Goldstandard gilt der Haut-Prick-Test, bei dem das entsprechende Nahrungsmittel bzw. ein Extrakt auf die Haut aufgebracht wird und die Haut dann leicht eingeritzt wird. Wenn sich kleine Quaddeln bilden, gilt eine Allergie auf dieses Nahrungsmittel als wahrscheinlich. Zusätzlich wird im Blut nach speziellen Antikörpern (IgE) für die Allergene gesucht. Da in diesen Tests aber auch Reaktionen auftreten, ohne dass im wirklichen Leben Krankheitszeichen entstehen, schließt sich in der Regel der sogenannte orale Provokationstest an. Dazu wird das mögliche Allergen zuerst für einige Zeit gezielt vermieden und dann unter ärztlicher Aufsicht verabreicht. Als gesichert gilt die Diagnose erst, wenn eine entsprechende allergische Reaktion auftritt.


Ernährungstagebuch führen

Hilfreich für die Diagnose kann auch ein Lebensmittel-Tagebuch sein, bei dem die Eltern aufschreiben, was das Kind wann gegessen hat und welche allergischen Reaktionen in welchem zeitlichen Abstand aufgetreten sind. Methoden wie die Bestimmung von IgG-Antikörpern, Elektroakupunktur oder Bioresonanz gelten unter Fachleuten als nicht geeignet für die Diagnose von Nahrungsmittelallergien.

©Gina Sanders-Fotolia.com©Gina Sanders-Fotolia.comAllergene vermeiden
Wichtigste Maßnahme ist die Vermeidung des Stoffes, der die Allergie auslöst. So achtet Kais Mutter darauf, ob in der Zutatenliste von Lebensmitteln Hühnerei aufgelistet ist. Erleichtert wird dieses Vorgehen durch die Kennzeichnungsverordnung für Lebensmittel, die seit einigen Jahren gilt. Danach müssen Stoffe, auf die viele Menschen allergisch reagieren, gesondert gekennzeichnet werden. Dazu gehören etwa Eier, Erdnüsse, Fisch, Milch, Weizen oder Soja. Empfohlen wird bei Nahrungsmittelallergien, sich von einem Ernährungsexperten (etwa Diätassistenten) beraten zu lassen, damit keine Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen auftritt.


Behandlungsmöglichkeiten

Medikamentöse Hilfe
Je nach Ausmaß und Ort der allergischen Reaktion werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Äußert sich die Allergie in Hautreaktionen, können Cremes und Salben mit verschiedenen Wirkstoffen den Juckreiz und die Entzündung lindern. Bei asthmatischen Beschwerden werden Inhalationssprays verordnet. Wer unter starken und möglicherweise lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen leidet, wird vom Arzt mit einem Notfallset ausgestattet. Es enthält Mittel zum Einnehmen (Antihistaminika und Cortison), die die allergische Reaktion unterbrechen. Für Asthmatiker ist außerdem ein Notfallspray notwendig, das bei einem Asthmaanfall die Bronchien wieder erweitert. Drohen schwere Kreislaufreaktionen, benötigen Allergiker einen Injektor mit Adrenalin.

Hyposensibilisierung

Wenn eine Nahrungsmittelallergie mit einer Pollenallergie zusammenhängt, kann unter Umständen eine Hyposensibilisierung helfen. Allerdings müssen die Kinder dazu in der Regel bereits fünf bis sechs Jahre alt sein. Bei anderen Nahrungsmittelallergenen werden Präparate zur Hyposensibilisierung gerade im Rahmen von klinischen Studien erprobt, sind aber noch nicht für die Routineanwendung zugelassen.

Allergien wachsen sich häufig aus
Allerdings müssen die Überreaktionen nicht lebenslang bestehen. Die Erfahrung zeigt, dass sich im Laufe der Zeit, etwa bis zum zehnten Lebensjahr, viele Allergien wieder zurückbilden. Deshalb testet der Kinderarzt in regelmäßigen Abständen, ob die Allergie weiterhin besteht oder das Nahrungsmittel ab sofort wieder gegessen werden darf.

 

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Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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