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"ADHS", "Asperger", "Autist" - Auswirkungen von Diagnose & Behandlung

Dr. Bonath

von
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© Sinuswelle - fotoliaDer symbolische (© Sinuswelle - fotolia)Alex ist in der dritten Klasse und hat es nicht leicht. Er meint: „Mathe ist furchtbar.“ und die Buchstaben sind auch nicht seine Freunde. Immer ist einer zu wenig, zu viel oder in der falschen Größe.

Auch die Schule hat es nicht leicht mit ihm: Soll er eine Aufgabe anfangen, starrt er Löcher in die Luft, setzt sich unter den Tisch, singt oder fragt bei Diktaten laut dazwischen. Er steht spontan im Unterricht auf und holt sich Arbeitsmaterialien, die die anderen längst haben. Spricht man ihn darauf an, kommt keine klare Erklärung.

Sonst kommt Alex gut zurecht, geht gerne zum Fußball, wenn auch ohne das ganz große Talent, noch lieber zur freiwilligen Feuerwehr und zum Karate. Bei einem Intelligenztest wurden ihm normale Leistungen bescheinigt. Seine Lehrer wollen ihm (und sich) helfen und empfehlen dringend eine ärztliche Untersuchung.

„Schön“ wäre es dann auch, wenn sich dabei ihr Verdacht auf ADHS oder Asperger-Autismus bestätigen ließe, da mit diesen Diagnosen einfacher Fördermaßnahmen zu erreichen sind.

Klare Diagnosen? Kinder- und jugendpsychiatrische Diagnosen von Verhaltensauffälligkeiten nehmen in den letzten Jahren weiter dramatisch zu. „Aspie“, „high functional“ oder „hochsensibel“ – die häufigste Diagnose ist nach wie vor „ADHS“. Zumal sich hier ein medikamentöser Ansatz und eine vermeintlich einfache Lösung anbietet.

Unumstritten unter Fachleuten ist aber auch, dass es sich nur um Verhaltensbeschreibungen handelt, die Grenzen fließend sind und bei ihrer Deutung einer hohen Subjektivität unterliegen.

Beispiel: Alex „flattert“ bei Aufregung und Freude regelrecht mit Händen und Armen. „Typisch Autist“ oder nur „emotionales Ventil“?


Das Umfeld von ADHS-Betroffenen spielt eine große Rolle

Wichtig ist auch der Kontext der häufigen Diagnosen: Im Rahmen der diversen Schulexperimente wird der Druck auf Kinder, Eltern und Lehrer noch größer. So begehrenswert in der Theorie z. B. die „Inklusion“ ist, bzw. sein könnte, wird die Gruppe der Kinder immer heterogener. Das hat zur Folge, dass Kinder außerhalb des „Mainstreams“ immer eher durchs Raster fallen. Ein schlechtes Abschneiden bei PISA setzt Politiker unter Druck, der an die Schulen weitergegeben wird.

Fördermaßnahmen, wie z. B. Schulbegleiter gibt es vor allem dann, wenn eine medizinische Diagnose vorliegt. Neben ADHS sind es vor allem der Asperger-Autismus oder andere aus dem Autismusformenkreis.

Diagnose beim Arzt

Dieser Diagnose-Druck wird auch an Ärzte weitergegeben. Hier beginnt ein Dilemma. Natürlich möchte sie helfen und den Kindern Unterstützung ermöglichen, aber diese Diagnosen sind ernst und stellen ein lebenslanges Stigma dar – mit Konsequenzen. Man probiere mal mit der Diagnose ADHS eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen. Auch für Selbstwert und Selbstverständnis hat diese frühe „Kennzeichnung“ langanhaltende Auswirkungen.

Die Aussage „dieses Kind hat ADHS“, ist genauso hilfreich wie „dieses Kind hat Fieber“. Weiterführend ist die Abklärung, wo das Fieber herkommt. Wichtig ist also eine differenzierte Diagnose mit der Klärung, warum sich Alex so aufällig verhält. Hier zeigt sich eine verzögerte Reifung der Wahrnehmung, also der Verarbeitung von Informationen, die von außen oder innen kommen.

Dadurch wird er insgesamt langsamer als die anderen – beim Hören, Lesen, Schreiben, Rechnen und Sich-organisieren. Trotz aller Mühen, es recht zu machen, hängt er immer hinten dran. Hinzu kommt eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Sie erfüllt zwar nicht die Kriterien der Legasthenie, hat aber dennoch Auswirkungen: Frustration! Auf den emotionalen Stress reagiert er schließlich mit Verhaltensauffälligkeit.

Wie veränderte die Behandlung Alex' Alltag?

Durch die Hintergrundinformation kann Alex in der Schule besser abgeholt und auf seine Schwierigkeiten adäquat eingegangen werden. Die Reifungsverzögerung kann teilweise z. B. durch Ergotherapie ausgeglichen werden.

Für die Lese-Rechtschreib-Schwäche gibt es Behandlungsmöglichkeiten im schulischen und privaten Umfeld. Diskutiert wird, ob Alex mehr Zeit zum Nachreifen benötigt und eine Klasse wiederholen sollte. Zusätzlich stabilisiert eine homöopathische Behandlung das Kind und ermöglicht ihm, mit Frustration besser umzugehen und leichter Erfolge zu erzielen – auch ohne ADHS-Diagnose.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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