Das jameda-Interview: 9 Fragen an Dr. med. Michael Thielinfo_plain_20gr

Dr. med. Michael Thiel praktiziert als Kinderarzt in Essen. (© Thiel)

Ärzte haben einen besonderen Blick auf die Welt der Medizin. Damit Patienten hinter die Kulissen des Gesundheitswesens blicken können, stellt jameda Herrn Dr. med. Michael Thiel interessante Fragen zu seinen Erfahrungen als Kinderarzt.

jameda: Herr Dr. med. Michael Thiel, was hat Sie motiviert, Kinderarzt zu werden, und warum haben Sie sich für Ihre Spezialgebiete entschieden?

Dr. Thiel: Die Kinderheilkunde hilft, vielen Dingen vorzubeugen, die man im späteren Leben nur noch korrigieren kann. Außerdem ist sie vielfältig und abwechslungsreich, sowohl medizinisch als auch persönlich. Die viel zitierte Individualität ergibt sich fast von selbst.

Die Spezialgebiete haben sich teilweise während meiner Klinikzeit von alleine ergeben, insbesondere die Neonatologie.

Da viele Eltern Fragen zu alternativen Heilmethoden haben, wollte ich dazu fundiert Auskunft geben können. So kam ich zu meinem Interesse an den Naturheilverfahren. Auch wenn es manchmal dazu führt, dass ich von diesen Methoden abraten muss. Zu guter Letzt fand ich es aufgrund der Vielzahl an seelischen Problemen im Kindes- und Jugendalter sinnvoll, mich auch auf diesem Gebiet weiterzubilden.

jameda: Worin liegt Ihr Tätigkeitsschwerpunkt und was macht diesen so besonders?

Dr. Thiel: Alle Kinder und ihre Familien haben ihre Geschichte und ihre besonderen Umstände. Darauf einzugehen und, wenn möglich, für alle den richtigen Weg zu finden, ist eine neue Herausforderung und macht jeden Patienten besonders.

jameda: Gibt es im medizinischen Bereich ein Vorbild, das Ihre Laufbahn besonders geprägt hat?

Dr. Thiel: Ich hatte viele Kolleginnen und Kollegen, Ober- und Chefärzte, bei denen ich mir etwas abgeschaut habe.

Manchmal hat es mir auch geholfen, zu wissen, wie man etwas vielleicht nicht machen sollte.

jameda: Gibt es aktuell Hilfen oder Neuerungen, die Ihnen Ihren Praxisalltag erleichtern können?

Dr. Thiel: Online-Terminvergaben und telefonische Klärung einiger Probleme helfen ganz enorm. Eine Videosprechstunde habe ich bisher noch nicht ausprobiert, da es dazu nur wenige Nachfragen gibt. Vielleicht werde ich das in Zukunft testen.

jameda: Wo sehen Sie in Ihrem Fachgebiet die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Dr. Thiel: Hier sind als erstes die, überwiegend infektbedingten, Wartezeiten zu nennen. Trotz aller organisatorischen Tricks und zügigem Arbeiten sowie umsichtiger Organisation lässt sich das wahrscheinlich nur verbessern, aber nie perfektionieren. Kinder werden nun mal ungeplant krank. Daran arbeiten wir ständig.

Der Mangel an medizinischem Fachpersonal wird sich in Zukunft noch mehr bemerkbar machen. Dies gilt für MFAs aber auch für Kinderärzte.

Insgesamt ist es nicht einfach, kostendeckend zu arbeiten, da die Leistungen nicht angemessen bezahlt werden. Dies gilt vor allem für die pro Patient zur Verfügung stehende Zeit. Wenn man sich diese manchmal nehmen muss, kommen wir wieder zu Punkt 1, den Wartezeiten.

jameda: Was wird an Ihrem individuellen Umgang mit Ihren Patienten besonders geschätzt?

Dr. Thiel: Ich versuche, die Eltern in eine Situation zu bringen, in der sie ihr Kind einzuschätzen lernen. Beispielsweise sollen sie nicht auf das Fieberthermometer schauen, sondern auf ihr Kind.

Indem ich die medizinischen Sachverhalte auf einfache Weise erkläre, sollen Eltern in die Lage versetzt werden, sich sicherer zu fühlen und sich und ihrem Kind einiges zuzutrauen.

Geht es einmal um diagnostische und therapeutische Maßnahmen, möchte ich, dass die Eltern fundiert mitentscheiden können. Das gelingt sehr häufig und führt dazu, dass sich die Eltern, und auch ich, gut damit fühlen.

jameda: Was schätzen Sie an Ihren Patienten besonders?

Dr. Thiel: Ich habe das Glück, ausschließlich nette Kinder und Eltern betreuen zu dürfen. Deshalb freue ich mich über jeden Besuch. Dabei ist es mir natürlich deutlich lieber, eine problemlose Vorsorgeuntersuchung durchzuführen, als ein womöglich schwerer krankes Kind zu sehen.

jameda: Gibt es ein besonderes Patientenerlebnis, das Sie nie vergessen werden?

Dr. Thiel: Es gitb so viele, vielleicht schreibe ich doch nochmal ein Buch.

jameda: Welchen Gesundheitstipp möchten Sie unseren Lesern mit auf den Weg geben?

Dr. Thiel: Machen Sie Ihren Kindern keine Dummheiten vor, wie rauchen oder ohne Helm Fahrrad fahren.

Seien Sie nett, bleiben Sie ruhig, lachen Sie viel, die Kinder schauen sich alles ab.

Gehen Sie vor die Tür, statt Chips & Co. greifen Sie lieber zu Apfelstücken etc.

Schauen Sie Fernsehen alle zusammen, spielen Sie mit Ihrem Kind. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, ist auch das Spielen am Handy mal okay. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Kind und machen Sie es zu einer Gemeinschaftsaktion.

Zur Person

  • 1967 geboren, in Essen studiert.
  • Weiterbildung zum Kinderarzt in Duisburg, Oberarzt der Kinderintensivstation in Düsseldorf,
  • Weiterbildung zum Neonatologen in Hamm,
  • Leitender Oberarzt und Erfahrungen mit Naturheilverfahren in Herdecke,
  • Chefarzt in Remscheid,
  • eigene Praxis in Essen seit 2020.
  • Autor wissenschaftlicher Publikationen in deutschen und internationalen Fachmagazinen, Kongressen und im internationalen Standardwerk "Aromatherapy" zum Thema "Aromatherapy in neonatology".

Zur Praxis

Lange als Gemeinschaftspraxis geführt, demnächst als Einzelpraxis.
Hell, luftig, laut, typische Kinderarztpraxis.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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