"Feucht heilt schneller als trocken" - kleinere Verletzungen richtig behandeln

Petra Müller

von
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© www.fotolia.de© www.fotolia.deDer Sommer kommt mit großen Schritten - endlich wieder barfuß laufen, wandern, Inline-skaten, Fahrradfahren...  Doch in den Sommermonaten steigt auch die Zahl der kleinen Verletzungen, wie z. B. Schürfwunden oder Blasen an den Füßen. Um Infektionen oder Narbenbildung zu vermeiden, sollten auch diese „kleineren" Wunden richtig behandelt werden.


„Feucht heilt schneller als trocken"


Kleinere Verletzungen heilen in feuchtem Wundmilieu um bis zu 40 % schneller, als wenn sie an der Luft trocknen oder mit herkömmlichen Verbänden zum Trocknen abgedeckt werden. In einer trockenen Wunde ist die Beweglichkeit der Immunzellen eingeschränkt und die Zellneubildung erschwert. Aus geronnenem, getrocknetem Blut gebildeter Wundschorf schützt zwar vor Infektionen und Schmutz, behindert aber durch sein trockenes Milieu die Heilung. Auch wird der juckende Schorf - gerade von Kindern - oft abgekratzt. Der Heilungsprozess wird dadurch unterbrochen und die Wunde wieder für Krankheitserreger geöffnet.

Mittels feuchter Wundbehandlung gelingt es, für die an der Wundheilung beteiligten Zellen optimale Bedingungen zu schaffen und so die Heilung zu beschleunigen. So schützen Sie die Wunde vor Austrocknung, Kühlung und eindringenden Keimen. Auch der ungehinderte Austausch von Gasen und Wasserdampf ist dadurch gewährleistet.

Auch aktive Wundauflagen fördern die Heilung. Sie regen die körpereigene Produktion von Kollagen oder Wachstumsfaktoren an. Manche erhalten auch Arzneien, wie zum Beispiel Silber, das entzündliche Prozesse hemmt.  

In Krankenhäusern wird das Prinzip der feuchten Wundheilung bereits seit längerem als Standard praktiziert. Aber auch zu Hause können für Alltagswunden optimale Abheilbedingungen geschaffen werden: mit hydroaktiven Wundauflagen, Hydrokolloid-Pflastern oder Kolloid-/Hydrogelen, die ohne Wirkstoffe, sondern rein durch die Schaffung eines feuchten Wundmilieus, die Heilung der Wunde unterstützen.

Hydrokolloid-Pflaster wirken wie eine zweite Haut auf der Wunde, führen zu einer sofortigen Schmerz- und Drucklinderung (besonders geeignet zur Behandlung von Blasen), schützen vor Bakterien und Schmutz und ermöglichen trotzdem die Hautatmung nach außen.    

Hydrokolloid-/Hydrogele lindern Juckreiz und haben einen angenehmen Kühleffekt (besonders geeignet zur Versorgung von kleinen Verbrennungen und Schürfwunden).


Vorteile der feuchten Wundbehandlung:

  • bis zu 40% schnellere Wundheilung
  • geringeres Infektionsrisiko
  • keine Schorf- und Narbenbildung
  • schmerzloses Entfernen des Pflasters, verklebt nicht mit der Wunde

 

Wichtig:  Pflaster, Auflagen und Gele zur feuchten Wundbehandlung nicht auf stark nässenden oder infizierten Wunden anwenden (Arzt aufsuchen!).


Wundbehandlung

Schürfwunden 
Wunde mit trinkbarem Leitungswasser säubern, stark verschmutzte oder infektionsgefährdete Wunden desinfizieren, z. B. mit Octenidin (Octenisept®), Wunde mit fusselfreiem Tuch trockentupfen und mit Hydrokolloidgel (z. B. Fenistil® Wundheilgel) oder -pflaster (z. B. Compeed®) versorgen.


Verbrennungen
 
Unter fließendem Wasser mehrere Minuten kühlen (kein Eis auf die Wunde, da es sonst zu Erfrierungen kommen kann), Wunde trockentupfen, Kolloid-Gel (angenehmer Kühleffekt) auftragen.

Schwerere Verbrennungen, d. h. großflächig mit ausgeprägter Blasenbildung, gehören unbedingt in ärztliche Behandlung!


Blasen
 
Blase nicht öffnen (Gefahr einer Infektion steigt), Blase zur Schmerzlinderung und Druckentlastung mit einem Hydrokolloidpflaster (z. B. Compeed® oder Hansaplast® Blasenpflaster) abdecken. Das Pflaster verbleibt mehrere Tage auf der Wunde. Die Blase heilt darunter selbständig ab.

Offene Blasen säubern und ebenfalls mit Hydrokolloidpflaster abdecken.

Tipp:
Blasengefährdete Hautstellen bereits vorbeugend mit Blasenpflastern, Druckstopp-Pflastern oder Gelen (z. B. Hansaplast® Blasen-Schutz-Gel) schützen.

Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose, und ersetzt den Arztbesuch nicht. Er spiegelt die Meinung des Autors und nicht zwangsläufig die der jameda GmbH wider.

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